Eintrag vom: 09.11.2009
Bei Farockis Filmen muss man sich von der gängigen Rezeptionserfahrung des Dokumentarfilms als illustriertende Reportage, dokumentierendes Beobachten lösen. Farockis Filme sind vielmehr Denkbewegungen an der Grenze zwischen Kunst und analysierendem Essay. Hier werden keine Aussagen oder Feststellungen getroffen, sondern die Montage genutzt, um Fragen aufzuwerfen.
Besonders ist dabei auch der ausdrückliche Blick auf gesellschaftspolitische Symptome und die Frage nach den Produktions- und Rezeptionsbedingungen des Filmbildes, der Funktion der Kamera.
So hatte bereits Farockis Trilogie Auge/Maschine, die zwischen 2001 und 2003 entstanden ist,
die Frage nach dem Einfluss militärischer Bildtechnologie auf das Realitätsverständnis verfolgt.
Oder der Film ERKENNEN UND VERFOLGEN aus dem Jahr 2003, der sich mitz der Identität von Kriegsführung und Kriegsberichterstattung beschäftigt.
In seinem jüngsten Projekt richtet er das Augenmerk auf die Verschränkung der Computerspielästhetik mit dem neuen Computerprogramm „Virtual Iraq", welches das US Department of Defense zur Ausbildung und zur posttraumatischen Behandlung von Soldaten finanziert hat.
Zu den im dem Museum Ludwig angegliederten Kino gezeigte Filmen gehören u.a.
Freitag, 29. Januar 2010, 19.00 Uhr
DIE SCHULUNG
Deutschland 1987, 44 Min, Digibeta, OF
Buch & Regie: Harun Farocki
Der Film zeigt, wie in einem Managerseminar mit Rollenspielen der Umgang mit betrieblichen Konflikten geübt wird: „[...] die Manager, die Manager spielten, machten das sehr gut [...]. Zugleich machten sie jede vorstellbare Firma zu einer Scheinfirma, das vorgestellte wirkliche Geld zu Spielgeld. Das Spiel der Manager stellte ihre Arbeit dar und erwies, dass die Managerarbeit Darstellung und Spiel ist. Zu sehen waren Manager, die eine Technik übten, und zu sehen war das eine im anderen." (Harun Farocki)
DIE BEWERBUNG
Deutschland 1996, 59 Min, Digibeta, OF
Buch & Regie: Harun Farocki
Wie DIE SCHULUNG zeigt auch DIE BEWERBUNG Menschen, die Arbeitssituationen simulieren. Schulabgänger, Studierte, Umgeschulte, Langzeitarbeitslose, ehemalige Drogenabhängige und Manager sind in verschiedensten Kursen zu sehen, die der Einübung der besten Selbstdarstellung dienen sollen. In der stetigen Wiederholung der immergleichen Grundsituation des Bewerbungsgespräches werden die Stereotypen, aber auch die individuellen Unterschiede deutlich.
Das ganze Programm ist auch online abrufbar.
Ort: Museum Ludwig Köln
Veranstalter: Museum Ludwig
Termin: 09.11.2009 - 07.03.2010
Weitere Informationen: http://www.museenkoeln.de/mus