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Die Macht des Konsumverzichts

Die Macht des Konsumverzichts

20.10.2004

Im Aufmacherartikel des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung reflektiert Ulrich "Die Risikogesellschaft" Beck heute über die anachronistische Geste des Streiks und findet  in der transnationalen Gemeinschaft der Konsumenten eine neue Gegenmacht zu global agierenden Unternehmen.

In früheren Zeiten bestand die Drohung im Eingreifen der Konzerne, Aussperrung , Entlassung u.a. Drohen hieß eine Handlung am Standort androhen. Heute bestehe die Drohung im Nicht-Handeln. Die Konzerne drohen damit nicht hzu investieren, woandershin abzuwandern. Der Immobilität des arbeitenden Menschen, der -bei aller Globalisierung und Flexibilität- letztlich doch irgendwo wohnt, lebt, Familie, seine "Wurzeln" hat, steht das total mobile Kapital gegenüber, welches sich von Standort zu Standort bewegt.

Beck sieht die transnationale Gemeinschaft der Konsumenten als Gegengewicht zum transnational-mobilen Kapital: wenn sich die Konsumenten (wie beim Beispiel der Ölplattform BRENT SPAR) zusammenschließen können sie durch Konsumverzicht die Unternehmen zwingen. Diese könnten Ihre Konsumenten schließlich nicht entlassen.

Man muss sich allerdings fragen, ob diese Vision politisch motivierter Konsumenten nicht etwas zu rosig ist. Letztlich werden Kaufentscheidungen vor allem erst unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Der Konsumverzicht gegen SHELL als Protest gegen die Versenkung der Ölplattform BRENT SPAR war den Konsumenten v.a. deshlab möglich, weil dies ein Verzicht war, der nicht schmerzte: wer SHELL boykottierte, konnte immer noch bei ARAL tanken.

Gegen die französischen Atomwaffenversuche auf Mururoa zu protestieren, indem man 3 Monate keinen Bordeaux mehr kauft, tut nicht wirklich weh. Chianti trinken als politischer Protest - das schmeckt. Aber was ist, wenn Konsumverzicht schmerzlich wäre? Würde dies dann ebenfalls funktionieren? Wie ließe sich eine Gemeinschaft der Konsumenten kreiieren?

Welche Auswirkungen hätte es, wenn die Produktion von OPEL an andere Standorte ausweicht, ein transnationaler Konsumverzicht die Absatzzahlen in den Keller zieht (Wie würde ein solcher transnationaler Konsumverzicht organisiert?). Würde der Konzern als Reaktion die Produktion wieder in das teure Deutschland zurückverlagern? Wohl kaum. Es sei denn, eine vertragsfähige Vertretung der Konsumenten würde verlässlich zusichern, dass in diesem Falle der Konsumboykott aufhörte und die Menschen wieder OPEL kauften. Das ist allerdings hoch unwahrscheinlich.

Ulrich Beck lehrt Soziologie an der Ludwig Maximilians Universität München. Zur Webseite seines Lehrstuhls geht es hier...

              

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