
Im Aufmacherartikel des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung
reflektiert Ulrich "Die Risikogesellschaft" Beck heute über die
anachronistische Geste des Streiks und findet in der
transnationalen Gemeinschaft der Konsumenten eine neue Gegenmacht zu
global agierenden Unternehmen.
In früheren Zeiten bestand die
Drohung im Eingreifen der Konzerne, Aussperrung , Entlassung u.a.
Drohen hieß eine Handlung am Standort androhen. Heute bestehe die
Drohung im Nicht-Handeln. Die Konzerne drohen damit nicht hzu
investieren, woandershin abzuwandern. Der Immobilität des arbeitenden
Menschen, der -bei aller Globalisierung und Flexibilität- letztlich
doch irgendwo wohnt, lebt, Familie, seine "Wurzeln" hat, steht das
total mobile Kapital gegenüber, welches sich von Standort zu Standort
bewegt.
Beck sieht die transnationale Gemeinschaft der
Konsumenten als Gegengewicht zum transnational-mobilen Kapital: wenn
sich die Konsumenten (wie beim Beispiel der Ölplattform BRENT SPAR)
zusammenschließen können sie durch Konsumverzicht die Unternehmen
zwingen. Diese könnten Ihre Konsumenten schließlich nicht entlassen.
Man muss sich allerdings fragen, ob diese Vision politisch motivierter
Konsumenten nicht etwas zu rosig ist. Letztlich werden
Kaufentscheidungen vor allem erst unter wirtschaftlichen
Gesichtspunkten getroffen. Der Konsumverzicht gegen SHELL als Protest
gegen die Versenkung der Ölplattform BRENT SPAR war den Konsumenten
v.a. deshlab möglich, weil dies ein Verzicht war, der nicht schmerzte:
wer SHELL boykottierte, konnte immer noch bei ARAL tanken.
Gegen die französischen Atomwaffenversuche auf Mururoa zu protestieren,
indem man 3 Monate keinen Bordeaux mehr kauft, tut nicht wirklich weh.
Chianti trinken als politischer Protest - das schmeckt. Aber was ist,
wenn Konsumverzicht schmerzlich wäre? Würde dies dann ebenfalls
funktionieren? Wie ließe sich eine Gemeinschaft der Konsumenten
kreiieren?
Welche Auswirkungen hätte es, wenn die
Produktion von OPEL an andere Standorte ausweicht, ein transnationaler
Konsumverzicht die Absatzzahlen in den Keller zieht (Wie würde ein
solcher transnationaler Konsumverzicht organisiert?). Würde der Konzern
als Reaktion die Produktion wieder in das teure Deutschland
zurückverlagern? Wohl kaum. Es sei denn, eine vertragsfähige Vertretung
der Konsumenten würde verlässlich zusichern, dass in diesem Falle der
Konsumboykott aufhörte und die Menschen wieder OPEL kauften. Das ist
allerdings hoch unwahrscheinlich.
Ulrich Beck lehrt Soziologie an der Ludwig Maximilians Universität München. Zur Webseite seines Lehrstuhls geht es hier...
La Rochefoucauld