
Der Aufmacher des Wirtschaftsteils der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärt "Geldmangel ist nicht das größte Problem im deutschen Bildungswesen."
Das Problem sei vielmehr, dass das Geld nicht diejenigen erreicht, die es benötigen.
"Es hat zwei andere gewaltige Defizite: Es ist ungerecht und ineffizient. Beide Themen hängen zudem eng zusammen. Wir haben schlechtes Timing bei Bildungsinvestitionen und treffen nicht den, der es am nötigsten braucht und am meisten profitiert."
Vielmehr sicherte sich die Mittelschicht die Bildungsinvestitionen im frühen und im späten Bildungsstadium und zementiert so die Ungleichheit - und der Staat stellt den Bedarf sozialer Transferleistungen auf Dauer, mit steigender Tendenz.
So bleibt die Erzählung von der "Bildungsexpansion" ein Märchen für diejenigen, die mit schlechten Bedingungen starten und die verfügbaren Blidungsangebote nicht zur Entwicklung von Fähigkeiten nutzen kann, mit denen die jeweils anschließenden Bildungsoptionen ausgebaut werden können.
Wer dagegen "schon als Säugling eine stimulierende, stärkende und schützende Umgebung hatte, kann künftige Bildungsangebote besser ausbeuten. Er hat größere Lernraten als der vernachlässigte Altersgenosse."
Anstatt, dass der Staat dafür sogt, die gegebenen Ungleichheiten soweit abzumildern, dass alle Kinder gleichen Nutzen von den verfügbaren Bildungschancen ziehen können, um gleiche Chancen auf die Möglichkeit des Erwerbs von Fähigkeiten zur selbstverantwortlichen Gestaltung ihres Lebens (und gesellschaftliche Teilhabe) zu erhalten - und so auch im weiteren Lebensverlauf als Steuerzahler und aktive Bürger an Gesellschaft teilzunehmen, kritisch zu reflektieren und zu gestalten, anstatt auf Lebenszeit unterstütztungs- und interventionsbedürftig zu sein, protegiert er existierende "Erblinien" - und schafft sich dadruch langfristig ein Problem: bei sinkenden Geburtenraten (insbesondere im Akademikermilieu) kann sich Deutschland weniger als sonst schon erlauben, nicht nur Bildungsreserven nicht zu erschließen, sondern umgekehrt in Leistungsempfängerlinien zu tranformieren. Nicht nur kann der Staat das nicht bezahlen - die Gesellschaft läuft Gefahr "umzukippen", wenn immer größere Gruppen von aktiver Teilhabe ausgeschlossen werden.
Der ganze Beitrag Sparen an der Bildung - aber richtig in der Online-Ausgabe der FAZ
Binzer