
Während zum Weihnachtsfest auf allen Fernsehkanälen zum vierten Mal tödliche Waffen geladen, zum zweiten Mal langsam gestorben, zum dritten mal sowohl unmögliche Missionen gelöst als auch doppelmündige Krabben ohne Augen besiegt werden (Warum holen eigentlich alle Fernsehsender, als hätten sie sich abgesprochen Action Kracher aus dem Schrank und strahlen zeitgleich Lethal Weapon IV, Mission: Impossible III, Stirb Langsam II, und Alien 3 aus?), ist es der Deutschlandfunk, der das Gegenprogramm setzt und ein Essay über einen Leitbegriff aus dem Kanon der Gegenwart ausstrahlt: Medienkompetenz.
Für den Deutschlandfunk analysiert Joachim Weiner die Konjunktur des Begriffs Medienkompetenz und bestätigt ihm eine erstaunliche Karriere. Im Windschatten der wachsenden Bedürfnisse einer zunehmend auf Medien und Technologien ausgerichteten Produktions- und v.a. Konsumgesellschaft, engagiere sich die Politik dabei, so Weiner kritisch, als Erfüllungsgehilfe zur Öffnung der Zugangswege zu allen Gesellschaftsfeldern für die Medienindustrie.
Andererseits stehe sie ratlos vor den eruptiven Devianzerscheinungen von Amokläufen und Gewaltausbrüchen Jugendlicher und verweist die Aufgabe pädagogischer Bearbeitung wahlweise an Schule und Elternhaus oder erhebt die diffuse Forderung nach verbesserter Medienkompetenz.
Womit nicht zuletzt ein neuer pädagogisch nutzbar zu machender Begriff entsteht: Ist das Konzept erst einmal Allgemeingut geworden, wird eine entsprechende Umsetzung der aus diesem Konzept abgeleiteten Konsequenzen notwendig und damit verbunden: Geld.
Geld für institutionalisierte Ausbildungsgänge, einzurichtende und zu unterhaltende Lehrstühle, zu vergebende Zertifikate, durchzuführende Fortbildungen und Fachtagungen, zu erstellende Publikationen und Fachzeitschriften und vieles mehr.
"Angesichts solch unerfreulicher Aussichten ist es kein Wunder, dass derzeit viele Vertreter der Medienpädagogik eher die Gunst der Stunde nutzen, um Medienkompetenz mehr und mehr zu einer Universalkompetenz der digitalisierten Gesellschaft auszubauen und auf diese Weise den Gebrauchswert ihrer Disziplin für die Politik, die Medien und die Medienindustrie zu steigern. Kaum noch ein gesellschaftlicher Bereich, in dem sie nicht einen Mangel an Medienkompetenz ausmachen, und in die neu entdeckte Lücke mit neuen Förder- und Fortbildungsangeboten vorstoßen, die vermeintlich geeignet sind, um aus passiven Medienkonsumenten kreative und selbstbestimmte, den Anforderungen der globalisierten Informations- und Wissensgesellschaft gewachsene Medienakteure zu machen." (DLF)
Der ganze Beitrag auf den Internetseiten des Deutschlandfunks nachzulesen und anzuhören.
Plautus