
Norbert Lammert, der alte und neue Bundestagspräsident, forderte heute in seiner Antrittsrede zum wiederholten Mal eine verstärkte Berichterstattung über den Bundestag von ARD und ZDF.
Diese schieben den Sender PHOENIX in den Fokus der Aufmerksamkeit, der heute auch tatsächlich mehrere Stunden aus dem Reichstag übertragen hat.
"Lammert wies in seiner Rede darauf hin, dass in diesem Moment im Ersten die Komödie "Schaumküsse" und im ZDF die Serien "Alisa - Folge Deinem Herzen" und "Bianca - Wege zum Glück" gezeigt werde, anstatt die konstituierende Sitzung des neuen Bundestages zu übertragen."
Während man einerseits Norbert Lammert Recht geben möchte, dass das heutige Programm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nicht ganztägig zur politischen Bildung beiträgt, ist der Hinweis auf den Sender PHOENIX auch berechtigt, da die Übertragung auf einem Kanal im Grunde die Möglichkeit bietet, sich zu informieren. Wichtiger wäre es aus meiner Sicht, die politischen Magazine zu prominenteren Sendezeiten zu präsentieren und nicht immer weiter in die Nacht zu verschieben.
Eine ganz andere Frage ist allerdings, wer sich in Zeiten des Berufspolitikerdaseins überhaupt noch gerne eine Debatte des deutschen Bundestags anschauen möchte?
Schon die wöchentlichen politischen Diskussion-Runden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sind meiner Meinung nach nur schwer zu ertragen, denn es werden fast ausschließlich eingeübte und immer gleiche Statements vom Stapel gelassen. Individuelle Persönlichkeiten, eigene nicht parteien-konforme Meinungen und den Mut auch einmal anzuecken, sucht man unter den heutigen Politikern vergeblich.
In früheren Zeiten, in denen Politiker im Normalfall andere Berufe und zumeist auch einen größeren Lebensabschnitt außerhalb der Politik hinter sich hatten, gab es den Typus Berufspolitiker eher selten. So konnten sich viele Politiker noch eine eigene Meinung leisten.
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