
Das Ende der manuellen Arbeit
27.01.2008In der Welt analysiert Gerd Held den "Fall Nokia" in Bochum und stellt einen besonderen Gesichtspunkt heraus: Nokia in Bochum zeigt, dass es für gering qualifizierte Arbeit kaum mehr bezahlbare Stellen gibt. "Heute würde niemand auf die Idee kommen, die schnörkellosen Produktionslinien der Handymontage und die Tugenden der manuellen Arbeit auf der Projektliste des "Landes der Ideen" erscheinen zu lassen."
Politik reagiert auf diese Einsicht mit Exzellenzinitiativen, Wettbewerben, in denen Elite-Universitäten gekürt werden und Imagekampagnen, die Deutschland als "Land der Ideen" ausrufen. Jedoch stelle sich die Frage, "ob die Grundorientierung, die darin besteht, Deutschland in der internationalen Arbeitsteilung nur im Bereich hochwertiger Produktion zu platzieren, für ein großes Land mit über 80 Millionen Menschen wirklich die richtige Entscheidung ist." Ist die Vorstellung, aus Deutschland ein Volk von Ingenieuren, Architekten, Ärzten, Web-Entwicklern, Systemadministratoren, Kommunikationsdesignern usw. zu machen, realistisch?
"Eigentlich passt eine einfache Massenproduktion mit geringer Qualifikation und Wertschöpfung, wie sie im Bochumer Handywerk stattfand, gar nicht in das öffentliche Selbstbild unseres Landes. Im Modell Deutschland, wie es landauf, landab in seltener Einigkeit des gesamten politischen Spektrums präsentiert wird, kommen die angelernten Arbeiter und Arbeiterinnen, die die Nokia-Belegschaft prägen, gar nicht vor. Wer das Wissen und die hohe Qualifikation zur wesentlichen Ressource unseres Landes erklärt, macht die angelernte Arbeit zum Auslaufmodell."
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Nokia ist ein Warnzeichen in der Online-Ausgabe der Welt
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