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Web 2.0 killed the video star

Web 2.0 killed the video star

21.10.2007

In der  Süddeutschen Zeitung berichtet Jonathan Fischer kenntnisreich über das Phänomen des Rappers, der mit einem selbstgebastelten Song und YouTube Video vorbei an den formalisierten Marketingmaschinen 50 Cent, Kanye West und anderen an die Spitze der Hitparaden stürmte. Wir sehen: Mit dem Internet schlagen der Underground und die Anarchie mit Wucht in die industriellen Abbaugebiete organisierter Großkonzerne.

Das das Internet immer bedeutsamer werde, ist ein Allgemeinplatz, der in keinem Projektantrag oder Moderationstext und keiner Sonntagsrede fehlen darf.

Dass das Netz alternative Kanäle zur Kommunikation, Marketing und Vertrieb von Musik, Videos und anderem Ausstattungs-Material der Jugendkultur bietet, haben die Arctic Monkeys und zuletzt Radiohead vorgemacht, die ihr neues Album "In Rainbows", ohne bei einer Plattenfirma unter Vertrag zu stehen, im Eigenverlag herausbringen und über das Internet zum Download anbieten und es dabei allein den Fans überlassen, zu entscheiden, wieviel sie dafür bezahlen wollen.

Rebellion, Nicht-Anpassung und avantgardistische Alternativattitüden gehören zu den Grundingridenzien der Popkultur, die von der Popindustrie in den beliebigen, auswechselbaren Karrieren von HipHop- oder Rock-Stars routiniert bedient werden. Bislang war der Konsument auch auf die industriell organisierte Produktion von Popkultur angewiesen. Zu deutlich war das Gefälle zwischen "Stars" und amateurhaften Garagenbands.
Nun aber eröffnet das Web 2.0 der Jugend und Alternativkultur neue Kanäle und Möglichkeiten, ihre Produkte und Symbole ohne großen Aufwand und in professioneller Qualität ohne die Industrie herzustellen und an der Industrie vorbei zu verbreiten.

Das neueste Kapitel der unvorhersehbaren Macht des Internets, schreibt der 17jährige Rapper Soulja Boy, der mit seinem Song "Crank Dat" und dem zugehörigen Tanz, den er in einem YouTube Video festhielt und das mittlerweile von mehr als 6 Millionen Menschen abgerufen wurde, an den großzügig budgetiert aufgemotzten, entlang industrieller Schablonen auf ökonomischen Gewinn und also Massengeschmack konzipierten Retorten-HipHop-Hitmaschinen vorbei an die Spitze der Hitparaden stürmte.

"Selbst Prominente wie Jamie Foxx, Samuel L.Jackson und die Zeichentrickfigur Sponge Bob stiftete das Video zu Verrenkungen an, die ursprünglich von Superman inspiriert wurden. 4 Millionen haben bereits den Original-Clip zu "Crank Dat" angeklickt, zwei Millionen das Anleitungsvideo, zehn Millionen besuchten Soulja Boys Myspace-Seite." (SZ)

Die lyrische Schlichtheit des Songs, der nichts anderes als eine gesprochene Tanzanleitung darstellt, lässt manche HipHop Fans verzweifeln. Jedoch erinnert Jonathan Fischer daran, dass die Entstehung neuer Tanzmoden Teil der Tradition einer schwarzen Subkultur sei,  "die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Modetänzen wie dem "Jitterbug" oder dem "Lindy Hop" Tanzmoden auslöste, die erst die schwarzen Clubs und dann die Tanzböden des Bürgertums eroberten. So kehrt mit den Youtube-Tanzmoden die ursprüngliche Intention des Hip-Hop zurück, als man den Strom für die Musikanlage von Laternenmasten zapfte, für gewagte Breakdance-Figuren Pappkartons auf dem Bürgersteig auslegte und vor allem Spaß haben wollte." (SZ)

Nachdem Soulja Boy nach seinem aufwallenden Internetruhm von einem Produzenten entdeckt wurde, kommt nun auch bald das Album mit dem programmatischen Titel "Souljaboytellem.com" in die Läden. Der URL-Titel formuliert das Geschäftsmodell und Geheimnis der Direktvermarktung einer mit der Jugendkultur identischen Popsymbol-Produktion. Das Prinzip eines im Homerecording entstandenen Songs mit selbstgedrehtem Videos (v)erklärt Chris Clancy, Marketing-Direktor bei Interscope zur "Blaupause des neuen Musikgeschäfts".

Lesen Sie den ganzen Artikel Nudelsuppe aus Harlem in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung

              

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