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Facebook öffnet sich für Suchmaschinen

Facebook öffnet sich für Suchmaschinen

23.09.2007

Die Betreiber des amerikanischen Studenten-Community-Portals "Facebook" haben eine neue Suchfunktion eingeführt, mit der auch Nicht-Mitglieder in den Profilen der 39 Millionen Teilnehmer suchen können.

Die FAZ berichtet heute in einem sehr gut geschriebenen Artikel über die Neuerungen

"Wer bei „Facebook“ Mitglied ist, bekommt dieser Tage eine kurze Mitteilung, die verrät, dass nun die Schleusen für die Suchmaschinen offen sind. Persönlichkeitsrechte beeinträchtige das nicht, heißt es da, schließlich können sich jeder dem Zugriff der Suchmaschinen durch eine Änderung seiner Einstellungen entziehen. Hinter dieser Vorgehensweise steckt eine äußerst erfolgreiche Methode:

Plattformen wie Facebook, studiVZ oder das von mehr als einer Million Jugendlichen bevölkerte „schülerVZ“ sind darauf angelegt, möglichst viele Menschen möglichst schnell und unkompliziert miteinander in Kontakt treten zu lassen. Datenschutz erscheint da als Relikt aus vergangenen Zeiten, weshalb die Grundeinstellungen, die man als Nutzer vorfindet, zunächst immer auf vollständige Offenheit getrimmt sind. Wer seinen Bekanntheitsgrad einschränken will, muss die Einstellungen aktiv ändern. Darum kümmern sich aber die wenigsten, und so gelten Facebook und studiVZ als perfekte, weil extrem offene Kontaktbörse für die vernetzte Jugend."

Bemerkenswert sind diese Entwicklungen nicht allein aufgrund der Datenagglomerationen, die durch die Community-Portale anfallen. Kritisch stimmen muss eine Entwicklung, in der immer mehr Dienste sich bei einem Anbieter wie Google ballen und online durchgeführt werden, wodurch die Kontrolle der Nutzer zumindesten eingeschränkt ist: Weiß man denn, ob Google wirklich Daten über das Suchverhalten von Nutzern nach 18 Monaten löscht?
Was macht Google mit Informationen, die durch die automatisierte Durchsuchung von Mitteilungen des E-Mail Dienstes Google-Mail anfallen und die angeblich nur dazu genutzt werden, passende Werbeeinblendungen automatisiert vorzunehmen (so dass, wenn in E-Mails über den schönen Spanien-Urlaub berichtet wird, z.B. passende Anzeigen von Reiseveranstaltern beim Empfänger der Nachricht eingeblendet werden).
Wenn jemand in seinem Google-Blog über die Erlebnisse der letzten Party berichtet, in Google-Mail über die ergebnislose Jobsuche klagt, im online Google-Kalender private und berufliche Termine einträgt, mit Google-Desktopsearch lokale Festplatten durchsuchen lässt, in Google-Docs als Online-Ersatz für Word seine Bewerbungen schreibt, in Google-Tabellen seine Adresslisten verwaltet usw. bei FlickR das eigene Leben auch noch fotografisch dokumentiert - wer braucht da noch große Geheimdienstapparate, wenn die Foucault'sche Phantasie, dass der Gefangene zum Wächter seiner selbst wird, digitale Wirklichkeit geworden ist?

So wenig die Menschen es schätzen, in der Innenstadt oder an der Tür angesprochen und im Rahmen eines Kundenfragebogens um Preisgabe persönlicher Informationen gebeten zu werden, so offenherzig sind sie im Internet. Es gehört mittlerweile zum guten Ton einen Blog zu haben, oder Teil einer Online-Community zu sein. Wer keinen FlickR, MySpace, Skype usw. Account hat, ist draußen.

Die digitale Öffentlichkeit ist zum Gradmesser des Privatlebens geworden. In dem Zusammenhang findet eine entscheidende Veränderung des Kommunikationsverhaltens statt: Die parallele, quasi öffentliche Kommunikationsform in den Communityportalen löst die Einzel-Email als elektronischen Nachfolger des historischen Postbriefs ab.

"Bei Facebook kommuniziert man gleichzeitig mit einzelnen und mit vielen und kann den Nachrichtenverlauf sehen. Die Startseite von Facebook zeichnet die Aktivitäten der Mitglieder für alle Freunde der jeweiligen Person minutiös nach. Sekundengenau erfahren wir, wann wer wem was geschrieben hat. Auch Unbeteiligte lesen mit. Dadurch wird der Druck aufgebaut, kommunizieren zu müssen, um nicht in Vergessenheit zu geraten."

Lesen Sie den ganzen, sehr gut geschriebenen Artikel Du bist Google in der Online-Ausgabe der FAZ

Zum Thema auch
die Heise-Meldung Facebook öffnet sich für Suchmaschinen-Spider
Facebook offenbart sich Google in der Online-Ausgabe der Taz
Facebook wird googlebar sowie Die fiesen Tricks der MySpace-Nachahmer  in der Online-Ausgabe des Spiegel

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