
Der NDR hat die Moderatorin Eva Herman herausgeworfen, nachdem diese bei einer Pressekonferenz zu einem neuerlichen Zurück-an-den-Herd-Traktat erklärte, dass die Nazipolitik in Sachen Werte und Familie nicht schlecht gewesen sei, jedoch von "den 68ern" zerschlagen wurde.
Ist es Wahnsinn, hat es doch Methode. Tagesschau-Barbiepuppe Eva Herman besticht seit einiger Zeit mit zwischen Buchdeckeln gepressten soziologischen Analysen zum Rollenverständnis der Frau, die sich auf Augenhöhe der Bierpfütze auf dem Boden eines Mülleimers eines Männergesangsvereinslokals in einem Viertel befindet, das den Stadtvätern schon seit langem Sorgen bereitet: Die Emanzipation habe dazu geführt, dass Frauen in immer mehr Männerdomänen eingedrungen seien, wobei "das Weibliche" und als dessen Folge, der häusliche Frieden und das Glück von Männer und Frauen auf der Strecke geblieben seien. Viele Frauen seien mit der "Forderung" Beruf und Familie anzustreben überfordert, Männer von den beruflich erfolgreichen Frauen eingeschüchtert. Überhaupt ist der Mann von "den Frauen" domestiziert und zum Weichei geworden. Herman spart darum nicht mit praktischen Tipps: "Frauen sollten öfter einfach mal den Mund halten."
Mit ihren Buch gewordenen Kaffeekranzanalysen hat Herman immer wieder für mächtiges Rauschen im Blätterwald gesorgt. In Talkrunden erregten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur und Politik gleichermaßen und der Bild-Zeitung waren einige Tage Schlagzeilen gesichert.
Nun findet das "Eva-Prinzip" mit einem Tusch ein vorläufiges Ende. Am Wochenende hatten Zeitungen berichtet, dass Herman bei der Vorstellung ihres Buches in Berlin den Umgang der Nationalsozialisten mit Werten wie „Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt“ als „das, was gut war“ bezeichnet habe.
Teilnehmern zufolge soll Herman bei ihrer Buchvorstellung in Berlin gesagt haben, „im ,Dritten Reich’ sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter“.
Das reichte dem NDR dann doch. Der Sender kündigte seiner Moderatorin. "Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin", sagt NDR-Programmdirektor Volker Herres: "Dies ist nach ihren Äußerungen deutlich geworden." Herman stehe es frei, "ihren „Mutterkreuzzug“ fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren.“ erklärte der NDR in der Pressemitteilung.
Hermans Äußerungen über Emanzipation und Familienpolitik, sagt Volker Herres, polarisierten offenbar zu sehr: "Gäste sagen ihren Auftritt bei Herman und Tietjen ab oder stehen von vornherein nicht zur Verfügung. Einer solchen Entwicklung können wir nicht tatenlos zusehen."
So entschieden und richtig die Entscheidungs des NDR ist, so sehr verwundert es, dass der Sender derart lang an seiner Moderatorin festgehalten hat.
So war Herman beinahe bei einer der rechtsradikalen FPÖ nahestehenden Organisation aufgetreten und hatte erst nach Intervention des Senders davon Abstand genommen. Der NDR hatte Herman daraufhin aufgefordert, Handlungen und Äußerungen zu unterlassen, die geeignet seien, ihr öffentliches Bild als Talk-Moderatorin und damit auch das des Senders zu beschädigen. Zugleich wurde Herman darauf hingewiesen, zwischen ihrer Arbeit als Talk-Moderatorin und als Buchautorin eine klare Trennlinie zu ziehen.
Stattdessen habe Herman weiterhin ihren als Autorin verfolgten "Mutterkreuzzug" (NDR. Chef Herres) auch mit ihrer Stellung als Moderatorin vermischt und beispielsweise in der letzten Woche am Rande der Internationalen Funkausstellung die Kirchen zu einer stärkeren Präsenz in Talkshows aufgefordert, um zum "Auftrag von Mann und Frau" Stellung zu nehmen.
Mögen manchem Hermans sentimentale Verklärung der klar geordneten Verhältnisse der Vormoderne mit Analysen auf Küchenkranzniveau aus der Adenauerzeit noch lediglich als unzeitgemäß, einfältig oder reaktionär erschienen sein, haben andere schon früh darauf hingewiesen, dass die Argumentationslinie das Profil einer im Kern totalitären Gesellschaft zeichnet, mehr noch, dass Hermans Thesen deckungsgleich mit dem Familienbild der NPD und derer braunen Vorväter ist.
"Wer als Glücksrezept propagiert, sich von der "gefährlichen Vorstellung" zu verabschieden, sein Leben in eigener Regie gestalten zu müssen, und statt dessen empfiehlt, sich in die "schöpfungsgewollte" Aufteilung der Geschlechterrollen zu fügen mit dem angenehmen Ergebnis, dass dann "viele Entscheidungen wesentlich einfacher" werden, "weil sie vorgezeichnet sind" - wer so spricht, will keine freiheitliche, sondern eine im Kern totalitäre Gesellschaft.", schreibt Thea Dorn im Spiegel.
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