
Die Frankfurter Rundschau berichtet über das Projekt "Voices of Africa" der Stiftung "Afrika Interaktive Medien" und des niederländischen Mediendienstes Skoeps, bei dem Journalisten in zunächst vier Ländern Afrikas mit Mobilfunktechnik ausgestattet werden.
Mit dem Projekt soll die Pressefreiheit unterstützt werden, indem sie mit mobiler Technologie schneller ihre Berichte erstellen, Augenzeugenberichte erfassen und direkt in Blogs, Informationsplattformen hochladen oder Nachrichtenagenturen anbieten können.
In Afrika ist die Mobiltechnologie, insbesondere das Handy auf dem Vormarsch. UN-Statistiken zufolge nutzten vor zehn Jahren nicht einmal 2 Millionen Menschen ein Handy. Die mobilen Geräte waren v.a. ein Statussymbol der reichen Eliten.
Mittlerweile hat sich die Situation völlig verändert: Der afrikanische Markt für Mobiltelefone ist der am schnellsten wachsende weltweit. In einem Land mit nach wie vor gerade außerhalb der städtischen Zentren schwach ausgebauten Infrastruktur, großen Entfernungen, ist das Mobiltelefon das Kommunikations- und Informationsmedium, um mit Verwandten in Kontakt zu bleiben, zu erfahren, wie die Preise auf den lokalen Märkten sind, oder wie die Nationalmannschaft abgeschnitten hat. Mehr als 100 Millionen Mobiltelefone sind im Umlauf, 97% der Bevölkerung von Tansania besitzt ein Handy.
Im Umfeld der Mobiltelefone wachsen neue Dienstleistungen: Callcenters mit Mobiltelefonen für diejenigen, die sich kein eigenes Mobiltelefon leisten können. Agenturen, die anbieten, Mobiltelefone aufzuladen, Werbeagenturen, die Anzeigen über SMS verschicken, u.v.m. Untersuchungen zufolge basieren 85% neuer Kleinunternehmen auf Mobiltelefonen oder Serviceleistungen im Umfeld der Mobiltelefone.
Nach Angaben der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) ist die Zahl der Handynutzer in Afrika im vergangenen Jahrzehnt um 400 Prozent gestiegen. Südlich der Sahara benutzten 2005 gut 94 Millionen Menschen ein Mobiltelefon - ungefähr jeder Sechste. In Kenia verzeichnet Marktführer Safaricom sieben Millionen Abonnenten und ist größter Investor des Landes.
Auch die Landwirtschaft profitiert von der Mobiltechnologie: Ca.80% der landwirtschaftlichen Produktion in Afrika stammt von Kleinbauern. Deren Ernten können oft nicht einmal die eigenen Familien ernähren. Das müsse nicht sein, glaubt der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan. Die "mobile Revolution", so hofft er, solle der "grünen Revolution" den Weg bereiten und die Produktion - wenn alles nach Plan geht - sogar verdreifachen. Neben besserem Dünger oder Saatgut soll auch der Mobilfunk die Kleinbauern aus der Armut hieven. "Die Landwirte erhalten so Marktzugang und schnelle Informationen zum Beispiel darüber, wo sie für welche Produkte die besten Preisen erhalten", sagt Annan als neuer Vorsitzender der "Allianz für eine grüne Revolution in Afrika" (AGRA)
Links:
Stiftung Afrika Interaktive Medien
Voices of Afrika
Lesen Sie den ganzen Artikel Mobile Revolution soll Afrika helfen in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau
Vilem Flusser