Zeugniskopie verschlampt, Bewerbungsfotos ausgegangen oder einfach nur Lust auf Selbstmarketing? Kein Problem: Online-Bewerbungsmappen sollen zur lebenslangen Begleitung werden.
Der Bildungsserver meldet in seiner gut sortierten Rubrik der Bewerbungstipps einen interessanten Neuzugang: Bei d-save.de können Jugendliche online eine Bewerbungsmappe anfertigen und zielgenau für Interessierte freischalten. Dabei können sie auch betreuende Lehrer als Berater hinzu ziehen oder Tipps vom d-save Team einholen. Gute Idee, zeitgemäß und ressourcenschonend in solchen Tagen, wo 80 bis 100 teure Bewerbungsmappen keine Seltenheit sind.
Konsequent weiter gedacht heißt diese Idee neudeutsch E-Portfolio oder ePortfolio: Sein ganzes Leben lang sammelt man Zeugnisse, Belege, Daten, Informationen und Beweise des eigenen Wissens und Könnens, natürlich elektronisch, natürlich digital. Dann komponiert man daraus virtuos eine individuelle Bewerbung für jeden Zweck, Web2.0 (oder entsprechende andere Software) macht's möglich. "Klappern gehört zum Geschäft": Am Lebenslauf hängt beim Informatik-Studium ein elaboriertes Code-Schnippchen, zum Hobby Amateurfotografie gesellt sich eine Galerie der besten Aufnahmen, wenn sinnvoll sogar unterlegt mit ein wenig selbst gefidelter Barockmusik.
Nein, so satirisch wie ich sehen es die Experten nicht, sondern ganz real und auf dem Vormarsch: Prof. Dr. Peter Baumgartner zeigt in einem aktuellen Artikel die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten von E-Portfolios auf. Er nennt es "den Übergang vom Wissen zur Kompetenz" oder die Präsentation als "die Umsetzung des Lernprozesses, die erfolgte Anwendung abstrakten Wissens". Zum Wissen hat er habilitiert, zum E-/Blended Learning lehrt und forscht er. Und er sieht in E-Portfolios eine dauerhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Lernbiographie, also lebenslanges Lernen in Perfektion. Im Weiterbildungsblog bemerkt J. Robes allerdings zutreffend: "Ich höre die Botschaft, allein, mir fehlen die konkreten Beispiele! Auch Peter Baumgartner beschreibt mehr das Potenzial von ePortfolios, als dass er bereits von ihrem Einsatz berichten kann."
Ich möchte ergänzen: Was geschieht eigentlich mit den ganzen Daten, wenn man sie nicht penibel vor den Augen unerwünschter Zeitgenossen fernhält? Oder was, wenn sich mancher zunächst interessierte Zeitgenosse Früchte der eigenen Arbeit ungebeten zu Eigen macht? Oder was, wenn man mal nicht auf dem aktuellen Stand ist? Meine letzten Bewerbungen hab ich nach erfolgreichem Abschluss alle wieder hier zu Hause, gut unter Kontrolle :-)
Gustav Mahler