
In einem hervorragend geschriebenen Artikel beschreibt die FAZ die Misere des Versuchs per Dekret "Elite-Universitäten" in Deutschland zu erzeugen. Im Rahmen des Wettbewerbs wurde nun das Geld nicht der Universität zugesprochen, die durch konkrete Maßnahmen Exzellenz ermöglicht, sondern die schönste Präsentation, die schwurbeligste Antragslyrik vorgetragen hat.
Die LMU München konnte sich allen Ernstes durchsetzen, da sie "Working Brains", "Networking Minds" und "Living Knowldege" protegieren will. In einem "Centre for Advanced Studies" sollen verschiedenste Disziplinen zusammenfinden. Komisch. Man hätte bislang immer gedacht, dass eine Universität per se ein Ort ist, an dem verschiedene Disziplinen zusammenfinden, ein Austausch der forschenden Gemeinde stattfindet.
Auch sonst scheinen die Universitäten sich v.a. erfolgreich darum bemüht zu haben, die Begriffe in Konzetpte, Absichtserklärungen und Vorhabenbeschreibungen zu packen, die bei den bewertenden Rezipienten die entsprechenden positiv konnotierten Assoziationen auslösen: Exzellenz, privat, Stipendien, Stiftung, Brain, Networking, high potential, usw.
Das erinnert an den Gag der TITANIC, die beschreibt, wie ein Student seine Schwierigkeit, eine Einleitung für seine Promotion zu verfassen, löst: "Habe das Editorial der ADAC Motorwelt abgeschrieben und dabei "Autobahn" durch "Gesellschaft" und "Tempolimit" durch "rekursive Transzendenz" ersetzt - Argumentation jetzt viel stringenter."
"Jetzt, so wird man formulieren, ist Entscheidendes getan worden, um Unterschiede zwischen den Universitäten festzuhalten - und durch Belohnung der Besseren zu bekräftigen. Am Ende werden es fast zwei Milliarden Euro sein, die den Prämierten zugute kommen. Noch also, wird man sagen, haben wir kein Cambridge, Harvard oder Stanford, keine London School of Economics, keine École Normale Supérieure und keine ETH Zürich, aber, so wird es heißen, wir sind auf dem richtigen Weg.
Sind wir nicht. Wir tun nur so. Wir spielen, auf einem neuen Weg zu sein. Wir simulieren Elite. So, wie wir auch Markt simulieren, indem wir Studiengebühren staatlich festsetzen. Oder indem wir Forscher, die wir soeben erst auf Lebenszeit eingestellt haben, unmittelbar danach in „Evaluationen“ durch an den Haaren herbeigezogene Gremien daraufhin beurteilen lassen, ob sie es überhaupt wert sind, gefördert zu werden. Oder indem wir Exzellenzwettbewerbe ausrichten. Denn es liegt ein Sozialismus eigener Art darin, Abermillionen danach zu vergeben, wer die schönsten und eigens für die Schönheitskonkurrenz produzierten Pläne vorlegt.
Merkwürdigerweise sind es jedoch nicht Pläne, die Berkeley, Oxford und St. Gallen oder die Quantenoptik in Innsbruck bedeutend gemacht haben, sondern Taten. Wir aber prämieren Projekte, Anträge. Wir glauben nämlich weder an die Wissenschaft noch an Elite, noch an den Markt. Wir glauben nicht an Tatsachen, sondern statt dessen lieber an Vorstellungen und „Zukunftskonzepte“, also Power-Point-Präsentationen. Daß ein Bewerber im Exzellenzwettbewerb mit dem Spruch durchdringen konnte, er wolle aus seinem Haus eine „internationale Netzwerkuniversität“ machen, daß niemand in den Kommissionen in Lachen ausbricht, wenn so etwas vorgetragen wird, läßt das geistige Klima der Hochschulreform erkennen."
Lesen Sie den ganzen hervorragenden Artikel Manche Hochschulen sind gleicher in der Online-Ausgabe der FAZ
Beachten Sie auch den famosen Cartoon von Dilbert zu dem Thema "PowerPoint Poinsoning"
Binzer