
Seit einem guten Jahr sieht man sich einem publizistischen Trommelfeuer ausgesetzt, das demographische Ende Deutschlands an die Wand malt. Dabei wird die Debatte moralapostoloisch geführt (Innenminister Schily sprach mit Blick auf Menschen, die sich bewusst gegen ein Leben mit Kind entscheiden von einer "Absage an das Leben") oder stellt sachlicher fest, dass zurückgehende Geburtenzahlen eine zwangsläufige Entwicklung sind in einer Zeit, in der normierende Vorstellung biographischer Verläufe ihre Bindungskraft verloren haben, berufliche Perspektiven tendenziell unsicherer aber mindestens weniger planbar geworden sind und eine auch geographische Mobilität fordern - man baut nicht so schnell ein Haus in Herford, wenn das Projekt, in dem man beschäftigt ist, in 3 Jahren zu Ende ist und man dann vielleicht nach Frankfurt muss.
Die SZ erläutert uns jetzt, warum es eine logische Entwicklung ist, an deren Ende das Patriarchat zurückkehrt.
"Kaum wird die Bewusstseinsindustrie von immer mehr Frauen okkupiert und kaum ist der deutsche Kanzlerposten von einer Frau besetzt - da mehren sich die Zeichen, dass es wieder schwieriger werden dürfte mit weiblicher Freiheit und Macht. Phillip Longman, der Fellow der liberalen New America Foundation, bringt es in der jüngsten Ausgabe des US-Magazins Foreign Policy zugespitzt, aber nicht unplausibel auf den Punkt: Entgegen allen bisherigen Tendenzen weiblicher Emanzipation in den Industriestaaten stehe die ¸¸Rückkehr des Patriarchats" bevor.
Längst galt als ausgemacht, dass die Dominanz des Mannes in Familie und Gesellschaft in den hochentwickelten Regionen bald nurmehr ein Relikt einer vormodernen Zeit sein würde. ¸¸Von wegen", meint Longman, ¸¸gerade die Gesellschaften, die am weitesten säkularisiert und am großzügigsten mit Wohlfahrtsstaaten ausgestattet sind, werden in dem Maße anfällig für religiöse Erneuerungen und eine Wiedergeburt der patriarchalen Familie sein, in dem die öffentliche Wohlfahrt nicht mehr finanzierbar ist.
Die absolute Bevölkerung Europas und Japans mag dramatisch zurückgehen. Der Rest jedoch wird sich an diese neue Welt anpassen in einem Prozess vergleichbar mit dem survival of the fittest. In dieser neuen Welt wird ein patriarchaler Gott den Familienmitgliedern gebieten, ihren Individualismus zu unterdrücken und sich dem Vater zu unterwerfen." "
Lesen Sie den ganzen Artikel Mach's noch einmal Macho! von Petra Steinberger in der Online-Ausgabe der SZ.
Mal eine ganz andere Frage: Warum heißt derselbe Artikel in der Print-Ausgabe "Du sollst den Vater ehren!" und ist unter diesem Titel auch online als kostenpflichtiges E-Paper zugänglich, heißt aber in der kostenlos zugänglichen Version "Mach's noch einmal Macho!"?
Lesen Sie zu dem Thema auch Mit 37 hat man (kaum) noch Träume in der Online-Ausgabe der SZ.
Winston Churchill