
Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM)
Lorenzstraße 19
76135 Karlsruhe
Öffnungszeiten:
· Mi - Fr 10 - 18 Uhr
· Sa - So 11 - 18 Uhr
· Mo + Di geschlossen
http://www.zkm.de
Das ZKM in Karlsruhe ist eine einzigartige Einrichtung. Hier wird sich
sowohl in Theorie wie in der Praxis mit den sogenannten neuen Medien
auseinandergesetzt. Das ZKM ist mitten in Karlsruhe in einem großen
modernen Bau untergebracht.
Insgesamt ist es eine Sammlung verschiedener Museen und Institutionen unter einem Dach.
Wir haben für Sie das Medienmuseum und die aktuellen Videoinstallationen besucht.
Das Medienmuseum erstreckt sich über mehrere Etagen, die im
Wesentlichen zwei Bereiche abdecken. Im ersten und zweiten Stockwerk
trifft der Besucher auf unterschiedliche Installationen und Kunstwerke,
die neue Medien aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Hier
handelt es sich sehr häufig um interaktive Kunst, d.h. die Besucher
werden auf kreative Weise mit Hilfe der Möglichkeiten der Medien in das
Kunstwerk miteinbezogen.
Im Erdgeschoss findet man eher Videoinstallationen, die einen Blick in aktuelle Videokunst geben.
Im Folgenden möchte ich Ihnen anhand der Beschreibung einiger Installationen Lust auf einen eigenen Besuch machen.
Das wirklich Faszinierende am Medienmuseum ist die Möglichkeit der
Interaktivität. Diese ist allerdings nicht immer offensichtlich,
sondern der Besucher hat die Möglichkeit, sich Werke selbst zu erobern.
So ist auch aus den Objektbeschreibungen nicht immer direkt
ersichtlich, wie ein Objekt reagiert, ob es überhaupt die Möglichkeit
der Beeinflussung gibt.
Im Bild links sehen beispielsweise das
Ergebnis eines Handscanners. Hier können Besucher Ihre Hand selbst
einscannen. In einer dreidimensionalen Darstellung werden dann die
"Handlinien" projeziert. Interaktiv wird das Objekt dadurch, dass es
Beziehungen zwischen den Händen der Besucher herstellt und so ein
abstraktes sich immer wieder änderndes Gesamtkunstwerk erstellt.
Bei dem hier fotografierten Tisch handelt es sich nur um einen Teil
des Objekts. In einem anderen Teil der Ausstellung gibt es einen
ähnlichen Tisch. Mittels Video- und Audioübertragung werden virtuell
Besucher an einem gemeinsamen Tisch versammelt und können sich miteinander austauschen.
Auf dieser Fotografie sehen Sie eine Installation, die bei allen
Besuchern Erstaunen und im Folgenden Spaß erzeugt hat (besonders für
Kinder). Mittels eines Beamers werden Seifenblasen an eine Wand
projeziert. Auf den ersten Blick nichts weltbewegendes: Tritt der
Besucher aber zwischen Beamer und Leinwand, kann er mit seinem
Schatten, den er nun auf die Wand wirft, mit den Seifenblasen spielen
und diese schubsen, zerplatzen lassen und sie sich auch mit anderen
Besuchern zuspielen.
Das Museum bietet so an sehr vielen Stellen Überraschendes. Man ist
aber nach kurzer Zeit auch davon überzeugt, dass jedes Objekt
interaktiv sein muss - quasi eine Grundannahme, die aber ab und an auch
in die Irre führen kann.
Der Aspekt Interaktivität, Mitmachen und
damit auch Mitgestalten, bringt eine Form der Spannung mit, die man
sonst selten in Museen erlebt. So wird dieser Museumsbesuch sehr
kurzweilig und bietet auch Kindern jede Menge Erfahrungen und Anlässe
über Medien nachzudenken.
Gegenüber der kurzweiligen oberen Etagen, trifft man im Erdgeschoss auf
eine ganz andere Form von Kunst. Hier werden momentan verschiedene
Videoinstallationen präsentiert. Diese sind eher in das klassische
Segment der Videokunst einzuordnen.
Für den Besucher, der quasi aus der Interaktivität hinabsteigt in die
Videokunst ist dies zuerst verwirrend und insgesamt ein schwieriger
Übergang. War man doch gewohnt, dass man überall mit aktiv werden
konnte - so ist man jetzt in erster Linie Rezipient.
Man nimmt passiv unterschiedliche Formen von Videos auf. Manche mit Ton, manche in Farbe - und dies in allen Variationen.
Manchmal muss man Multitasking spielen und 7 Monitore
gleichzeitig im Blick haben. Des öfteren sucht man nach einem Sinn und
ist auf der Spur einer stringenten Handlung, die sich am Schluss dann
doch wieder in Nichts auflöst. Der Besucht hier ist ungleich
anstrengender, es wird einem nichts einfach überlassen.
Manche Installationen sind dann auch akkustisch nur schwer zu ertragen
- teilweise so laut, dass man um seine Hörfähigkeit zu erhalten, doch
lieber zu nächsten Installation weiterzieht.
Insgesamt ist ein Besuch des ZKM in Karlsruhe nur zu empfehlen. Wenn
auch die Videoinstallationen im Erdgeschoss vielleicht nicht jedermanns
Sache sind, so lohnt sich allein der Besuch des Medienmuseums. Hier
werden interaktive Installationen auf dem höchsten Niveau der
Medientechnik geboten. Und Gott sei Dank sind dies nicht
Installationen, die nur der Technik frönen, sondern die darüberhinaus
Botschaften haben.
Wer in Karlsruhe vorbeikommt, sollte die Chance nutzen und dem ZKM eine Besuch abstatten.
Zum Schluss noch einen herzlichen Dank an das ZKM selbst, das uns
freundlicherweise genehmigte, in den Räumlichkeiten des Medienmuseum zu
fotografieren.
Werner Mitsch