Kontakt  Presse  reticon-Redakteure   Impressum   Datenschutz  
reticon Bildung und Neue Medien
reticon - Bildung und Neue Medien

Willkommen in der wunderbaren neuen Welt des Internets – oder wie frankiere ich einen Brief?

reticon-Report von Roger Sennert -- [10.05.2004]

Denn wer kennt es nicht? Nach einem langen, harten Arbeitstag werden schnell noch ein paar Dinge erledigt, welche eigentlich schon längst hätten erledigt sein müssen. Darunter auch ein paar Briefe, die man morgen früh noch kurz am Briefkasten einwerfen möchte. Nach dem Schreiben der selbigen und dem Eintüten kommt es unweigerlich zur üblichen "Eigentlich müsste ich noch welche haben" Suche. Die Briefmarke! Natürlich hat man keine mehr, denn die letzte wurde für den Danksbrief an Tante Erma(88) verbraucht.  In Zeiten wo man täglich mehrere duzend Emails verschickt fragt man sich sowieso warum dies nicht alles einfacher geht. Und endlich hat die Deutsche Post AG ein einsehen mit uns. Sie gibt uns eine Software in die Hand, mit der wir zu jeder Zeit unsere eigenen Briefmarken drucken können. Ein Segen für die Menschheit!
Also ab auf die Webseite der Post - schließlich "Leben wir Online". Schnell ist der Online Shop "eFiliale" gefunden. Direkt auf der Startseite springt uns eine nette Dame ins Auge, welche die Software anpreist. Der kurze Text wird überflogen - wir wissen ja schließlich was wir wollen! - und bei STAMPIT Home eine eins eingetragen. Super man bekommt für nur 14.50 EUR die Software incl. 5 EUR Portoguthaben! Es geht direkt weiter zur Kasse, denn Zeit ist Geld und wir haben von beidem immer weniger. Eine Liste mit dem virtuellen Warenkorb erscheint. Wie gewünscht wird die Software aufgeführt. Nach mehrfachen Lesen der Liste hat man dann auch verstanden, was sie uns wirklich sagen wollen. Denn es sind drei Punkte aufgeführt! Einmal "STAMPIT HOME PC-Software" für 14,50 EUR, dann "STAMPIT HOME PC-Frankiersoftware - Porto" für 5 EUR und schließlich "STAMPIT HOME PC-Frankiersoftware - CD-ROM-Paket" für 9,50 EUR. Das macht zwar zusammen 29,00 EUR, aber die Endsumme kommt mit Versandkosten (1,95 EUR) auf nur insgesamt 16,45 EUR. Die Post wollte also lieb zu uns sein und listet haarklein alles auf, was wir geliefert bekommen. Wir stellen uns da lieber nicht die Frage, was passiert wenn man 500 Briefumschläge bestellen möchte. Also weiter geht es mit einem beherzten Klick auf Weiter. Doch als Resultat erhält man nur wieder die Auflistung. OK, vielleicht doch nicht richtig gedrückt - also noch mal auf Weiter. Und jetzt fällt es einem auf, was schon die ganze Zeit in roter Farbe über den Wartenkorb stand: "Sie haben den Mindestbestellwert von 20,00 Euro noch nicht erreicht." Wieso sollte ich auch, denn schließlich wollte ich nur die Software haben (und die 5 EUR Porto als Geschenk).

Ob die Software noch erfolgreich bestellt werden kann, erfahren Sie im zweiten Teil auf der nächsten Seite.

Es hilft nichts - das System zeigt sich hartnäckig - es muss noch etwas gekauft werden. Es geht also etwas missmutig zurück in den Shop - irgendetwas braucht man ja schließlich immer. Mehr oder weniger schnell finden sich noch zwei weitere Artikel, welche man vielleicht noch gebrauchten könnte. Die magische Grenze 20 EUR ist also endlich überschritten. Das schlechte Handling des Shopsystems haben wir vor lauter Freude auch schon fast wieder vergessen. Also schnell wieder zum Warenkorb, denn Zeit ist … sie wissen schon! Super diesmal kein rote Warnmeldung und die Erkenntnis, dass nicht jeder einzelne Umschlag aufgelistet wird. Es kommt, was kommen musste, die AGB. Und so langsam kommen einem die ersten Zweifel auf, ob es nicht doch sinnvoller wäre immer ein paar Briefmarken zu Hause zu haben. Der Text wird also überfolgen, ob irgendwo etwas von Waschmaschine oder Trockner steht, welche man nebenbei mitkauft. Den Rest versteht man ohne seinen Anwalt sowieso nicht und dieser schläft bereits (ob er wohl noch Briefmarken zur Hand hätte?). Mit einem etwas gemischten Gefühl wird also die AGB anerkannt und es geht weiter. Man bekommt mal wieder seinen Warenkorb präsentiert - also ob ich diesen mittlerweile nicht zu genüge kennen würde. Aber was ist das? Die Endsumme ist auf einmal unter 20 EUR. Es keimt die Hoffung, die Post hätte einem doch die Verpackungskosten geschenkt. Doch leider falsch! Sie haben nur die Auflistung des Warenkorbes geändert - wird ja sonst auch langweilig - und haben dabei die Spalte mit dem Nettopreis nach ganz rechts verschoben. Auf den zweiten Blick sieht man doch den alten Preis wieder. Nun möchte die Post gerne die Lieferadresse wissen. Geplagt von etlichen Onlinebestellungen werden schnell die Daten eingegeben. Oh - schön, wenn man noch keine Email hat, kann man bei epost.de eine bekommt. Leider - oder vielleicht zum Glück? - habe ich schon eine und klicke Weiter.
Es kommt ein Bildschirm mit den Worten "Bitte gedulden Sie sich einen Moment. Ihre Daten werden geprüft". Etwas ratlos schaue ich auf die Meldung. Welche Daten sollen denn geprüft werden? Habe ich etwa schon meine Bankverbindung angegeben - es ist ja schon spät und Automatismen können schon lästig sein - und es wird gerade noch die Schufa befragt? Denn welche Daten sollten sonst geprüft werden? Mein Namen? Toll, dann wüssten wir endlich ob meine Eltern den richtigen Namen erraten haben. Meine Adresse? Super, dann müsste ich nicht mehr selber die schwierige Frage entscheiden, ob wichtige Pakte zur Firma gehen oder doch lieber auf dem Postamt nach drei Tagen an den Absender zurück geschickt werden. Nach fast unendlich langer Zeit erscheint dann die Meldung "Bitte korrigieren sie ihre Angaben. Pflichtfelder müssen angegeben werden". Dieser Aufforderung würde ich ja gerne nachgekommen, wenn  ich ja dies nicht bereits getan hätte! Vielleicht hätte ich doch ein Emailkonto bei epost eröffnen sollen? Nun ja, wir werden es - zumindest vorerst - nicht erfahren. Auf der Suche nach schneller, unkomplizierter Hilfe (oder kurz das Impressum) wurde ich auch nicht direkt fündig. Die Seite welche nach dem Aufruf von Kontakt erscheint verlangt von mir mehr Daten als ich bisher für meine Bestellung angeben musste. Zugegebener Maßen sind dort nur wenige Felder als Pflicht gekennzeichnet aber ich wollte nicht wirklich ausprobieren, ob dies auch so ist. Irgendwas war da doch noch mit "Nur unbedingt zur Erbringung einer Dienstleistung nötige Daten sind zu verlangen". Was aber mein Geburtsdatum - welches kein Pflichtfeld ist, aber vorhanden -  nun wirklich mit meiner Bestellung zu tun hat werde ich wohl nie verstehen. Aber ich suchte ja eigentlich das Impressum. Also nochmals auf die Startseite und dort findet sich dann mit grauer Schrift auf gelben Hintergrund - mein Optiker wäre stolz auf mich - der Link zum Impressum. Sobald man sich im Warenkorb befindet wird dieser Link nicht mehr angezeigt! So - schnell noch die Email der Pressestelle rausgesucht und eine mehr oder weniger kurze Mail mit dem Vorfall geschrieben. Ich bin schon sehr gespannt auf die hoffentlich kommende Antwort.

Informationen zum Artikel

RSS & Social Media

rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild

myreticon

E-Mail
Passwort Login

myreticon wird zum 30.06.2012 eingestellt, bitte sichern Sie Ihre Daten.

Infos & Hilfe | Registrieren

Kostenlose Newsletter

Wöchentliches Newsletter
Tägliche Medientipps

E-Mail:  

reticon-Quiz

Wann starb J.-J. Rousseau?
Ihre Antwort:
 

» Alle reticon Quiz-Fragen

Sprüche & Zitate

Wer die Gesellschaft kennt, der ekelt sich an ihr, das ist bekannt.

J.J. Rousseau