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Vom Sinn und Zweck der Umfrage [Update 19. Jan 2007]

reticon-Report von Ralf Kellershohn -- [09.01.2008]

Bei den Vorwahlen (Primaries) zur Kür der Präsidentschaftskandidaten, die im um die Nachfolge von Amtsinhaber George W. Bush kämpfen werden, hat überraschend Hillary Clinton gewonnen. Obwohl ihr in Umfragen eine desaströse Niederlage prophezeit worden war, die sie mehr als 15% hinter Obama sahen, gewann sie den Staat im Nordosten der USA mit 39% knapp vor Obama, der auf 37% kam.

Zuletzt war der Medienhype um Obama immer stärker geworden. So wie der junge Senator aus Illinois zum Rockstar hochgeschrieben wurde (und wird) und sich dessen Story zum Selbstläufer entwickelte, verfestigte sich die von den Norman Mailer-isierenden Journalisten Hillary Clinton zugeschriebene Geschichte von der Beschreibung des Abstiegs, dem Verblassen eines nie verwirklichten Traums etc. (und nun erlebt die gegenteilige Geschichte vom Comeback der vermeintlich schon Geschlagenen, des Underdog ihre Sternstunde; eine Geschichte, die Amerikaner mindestens so lieben, wie die das Tellerwäscher-zum-Millionär-Land-of-Opportunities-Märchen). Dies machte Clinton merklich zu schaffen.

Nach dem überraschenden Ergebnis des Caucus in Iowa, bei dem Obama nicht nur gewonnen hatte, sondern die hoch favorisierte Hillary Clinton auf Platz 3 hinter dem Südstaaten Gouverneur und Vizepräsidentschaftskandidat unter John Kerry John Edwards verwies, ist dieses Ergebnis nun schon die zweite, große Überraschung. Dies wirft einige Fragen mit Blick auf den Aussagewert von Umfragen auf.

Haben die befragten Menschen bewusst die Unwahrheit gesagt? Haben die Menschen in der offenen Situation einer Umfrage gesagt, Obama zu wählen, weil sie unter dem Einfluss des Caucus in Iowa standen, dann aber, als sie in der Wahlkabine (In New Hampshire wird im Unterschied zum öffentlichen wortwörtlichen Beziehung einer Stellung beim Caucus) waren, sich anders entschieden haben? ""Entscheidend ist, ob die Befragten tatsächlich zur Wahl gehen werden. Deutsche Institute grenzen durch Kontrollfragen ein, ob ein Befragter seine Stimme auch abgibt. Dieses Sicherheitsnetz ist wichtig, denn Demoskopen kennen das Phänomen der "sozialen Erwünschtheit": Weil die Gesellschaft erwartet, dass man zur Wahl geht, muss man in den Umfragen so tun, als ob man auch tatsächlich wählen würde" (SZ)

Oder hat es sich zufällig ergeben, dass in der Umfrage sich mehrheitlich Obama-Fans befanden und so die Umfrage verzerrten? Immerhin stehen die vielzitierten Umfragen manchmal auf recht wackeligen Beinen. "Das renommierte Institut Gallup etwa veröffentlichte seine Daten auf der Basis von 700 Interviews. Standard hierzulande sind 1000 oder mehr. Der Fernsehsender CBS leistete sich den Luxus und publizierte eine Erhebung mit 323 Befragten, die angaben, wählen zu wollen", schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Oder ist es so, dass die Wähler sich in der Wahlsituation bewusst gegen medien vermittelte Trends stemmen?

[Update 19. Jan 2007] Eine Erklärung für das den Prognosen gegenläufige Ergebnis in New Hampshire könnte vielleicht der "Bradley-Effekt" sein, womit gemeint ist, dass mehr weiße Wähler Meinungsforschern erzählen, einen farbigen Kandidanten wählen zu wollen, als sie es am Ende tatsächlich tun. Hierzu findet sich im New Yorker eine Analyse von Ryan Lizza.

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