U. Knapp fasst das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in der Frankfurter Rundschau wie folgt zusammen:
"Nach
dem Beschluss dürfen auch Fotografien aus dem Privat- und Alltagsleben
Prominenter veröffentlicht werden. Voraussetzung ist aber, dass die
Bildberichte zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen."
Diese
Unterscheidung führt dazu, dass "einmal die Verbreitung eines
Urlaubsfotos der Prinzessin von Monaco als erlaubt angesehen [wird] und
einmal nicht".
Nach jahrelangem Rechtsstreit ist nun also ein Urteil
gefällt worden. Auf der einen Seite: Zeitschriften/Verlage, die
hauptsächlich durch Verbreitung von Klatsch und Tratsch über Prominente
ihr Geld verdienen, dem gegenüber selbige Prominente, die den Spagat
versuchen zwischen exhibitionistischem Verhalten/ Verwendung der Presse
für ihre Interessen und Wahrung ihrer Privatsphäre.
Bilder scheinen
in unserer heutigen Zeit einen immer größeren Stellenwert zu erlangen,
da sich die Medienlandschaft in den letzten 20 Jahren sehr verändert
hat. Die Halbwertszeit von Informationen wird immer kürzer, damit nimmt
jedoch oft die Oberflächlichkeit zu. Sich intensiv mit einem Thema
auseinanderzusetzen ist out, angesagt sind kleine gut verdauliche
Häppchen. Hierzu passen Bilder natürlich sehr gut: klar, die
Illustrierten gab es schon immer mit ihren Promi-Fotos, ich denke
jedoch, dass die Flut an Fotos und deren Bedeutung deutlich zugenommen hat. Hinzu kommt,
dass auch in anderen Bereichen Bilder wichtiger geworden sind, nehmen
wir die doch sehr seriöse Tagesschau als Beispiel:
Im Beitrag
heißt es, dass der Fraktionsvorsitzende XY gleich etwas zum Thema sagen
wird. Diese Überleitung muss heutzutage anscheinend zwingend bebildert
werden: man sieht besagten Herrn XY irgendwo raus oder rein gehen...Der
Aussagewert hält sich doch sehr in Grenzen, anscheinend kann man es
aber dem Tagesschau-Zuschauer nicht mehr zumuten, längere Zeit das
Gleiche zu sehen, stattdessen lieber Abwechslung, auch wenn es
eigentlich sinnlos ist. Wobei sich die Frage stellt: Ist es wirklich
der Zuschauer, der dies wünscht, oder gehen die Redaktionen davon aus,
dass es anders nicht mehr zeigbar ist?
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Frankfurter Rundschau: Prominenten-Fotos: Neugier oder Meinungsbildung
Kurt Tucholsky