"Können die Visionen für das 'virtuelle' Lernen wirklich überzeugen?" fragt Prof. Dr. Jan von Knop, Vorstandsvorsitzender des Vereins "Digitale Stadt Düsseldorf" in der Einladung zum ersten Kongress "e-learning Düsseldorf". Namhafte Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft antworteten in Form von zwölf halbstündigen Vorträgen mit ihrer jeweiligen Sichtweise zum e-learning. Nach dem Grußwort von Oberbürgermeister Joachim Erwin stimmte Prof. Knop die rund 400 Zuhörer aus Schule, Hochschule und regionaler Wirtschaft ein: "Mit e-learning geht vieles leichter und vor allem schneller, der große Durchbruch ist jedoch bisher ausgeblieben." Ziel des Kongresses sei ein regelmäßiger überregionaler Dialog zum Einsatz von e-learning sowie eine bessere Orientierung in einem unsicheren Markt. Prof. Dr. Ernst-Erich Doberkat antwortete anschließend hochschulbezogen auf die Frage "Fünf Jahre multimediale Lehre - was nun?" mit den Erkenntnissen des Universitätsverbunds Multimedia (UVM), das Rad werde im Bereich Multimedia-Lehre immer noch oft und vielleicht zu oft neu erfunden. Die Hochschuldozenten verließen derzeit die Pionierphase und sähen "langsam aber sicher Neue Medien als wertvolle Ergänzung" an. Die durch sorgfältige Vorläuferprojekte vorbereitete Konzentration auf das Wesentliche führe nun zu einheitlichen Learning-Management- und zu integrierten Hochschul- Informations-Systemen. Als Beispiel einer erfolgreichen e-learning- Anwendung im Verbund mit Online- Simulationslabor und optimal abgestimmten Präsenzschulungen stellte Prof. Dr. Thomas Meuser dann die "Bildungsinitiative Networking" vor. Lehrkräften vor allem aus berufsbildenden Fachrichtungen wird hier mit Unterstützung der Firma Cisco Systems und der Initiative D21 gezielt Kompetenz in der Netzwerkplanung und Konfiguration vermittelt. Von diesen Multiplikatoren in Schulen und auch mehreren Hochschulen können dann Schüler und Studenten zu international zertifizierten Netzwerkfachleuten (CCNP) ausgebildet werden. In eine ähnliche Richtung riss auch Erwin Ihm, Leiter des Bereichs Corporate Learning bei der Deutschen Telekom AG (nach eigenen Angaben größter e- learning Anwender Europas), die Zuhörer mit, provokant verpackt unter der Devise "Und es funktioniert doch - 20 Jahre Telekom Praxis".
Von Anekdoten aus den Anfängen des Telelernens bis zum state of the art aktueller blended learning Szenarien erläuterte er den Zuhörern einfach und verständlich Voraussetzungen, Methoden und Einsatzmöglichkeiten verschiedenster hybrider Lernsettings. Dabei verdeutlichte Ihm die Schwierigkeiten bei der Einführung von e-learning am Beispiel der Armbanduhr: Bis man sich daran gewöhnt hat, diese am anderen Arm zu tragen, braucht es meist zwei Monate; bei e-learning hingegen dachte man lange, es müsse nur ein elektronischer Schalter umgelegt werden, damit es funktioniert... Christian Hasiewicz von der Bertelsmann Stiftung schilderte beispielhaft Anwendungsszenarien und Vorhaben zum erfolgreichen Einsatz von e- learning. Im Projekt bibweb wurden Bibliothekare in der Internet- Nutzung fortgebildet, sie bewerteten die Methode klar besser als Praxisseminare. oekonomische- bildung-online richtet sich an Lehrkräfte und Schüler, die statt Schulbuch mittels Web mehr über Wirtschaft erfahren wollen. Schließlich stellte Hasiewicz das noch junge Projekt e- teaching@university in Kooperation mit dem Land NRW vor, in dessen Rahmen alle Lehrenden der Pilothochschulen Duisburg, Essen und Wuppertal rund um den Einsatz der Neuen Medien persönlich beraten werden und in dessen Verlauf ein internationales Portal zum e- learning an Hochschulen entsteht (www.e-teaching.org). Nach einer Ausstellung bekannter Anbieter rund um das Themenfeld sowie von interessanten Hochschulinitiativen folgten nachmittags Vorträge in zwei parallelen Panels, so dass die Zuhörer sich ihr Veranstaltungsprogramm passgenau zusammen stellen konnten. Die Referenten berichteten u.a. zu gängigen Lernplattformen und einer Orientierung im Dschungel der Anbieter (C. Bruns, time4you), alex - active learning & knowledge exchange (Prof. Dr. M. Marmann, FH Düsseldorf); es wurde Live-Learning in einem virtuellen Klassenraum (R. Schwinger, netucate) ebenso vorgeführt wie Nutzungsszenarien in Lerninformationssystemen (Dr. M. Heydthausen, Uni Düsseldorf). Rege wechselten die Teilnehmer zwischen diesen eher technischen Veranstaltungen und den inhaltlichen Parallelvorträgen zu Contententwicklung - versteckte Unternehmensberatung (M. Bürgel, agentur standard!), Strategien - Anforderungen - Szenarien im e- learning an Hochschulen (C. Bremer, Uni Frankfurt), economics.nrw, einer Online-Fortbildung für den Ökonomie-Unterricht (S. Schilling, Klett) und der Selbstlernplattform Abitur Online (T. Schmidt, Klett, und A. Graupe, Cornelsen). Prof. Dr. Jo Groebel schloss den Tag mit einem Ausblick auf Entwicklungen des e-learning in Europa. Die Teilnehmer hatten dank vielfacher Nachfragen und Austauschmöglichkeiten in den Pausen zum größten Teil ihre differenzierte Sichtweise gefunden, wo die Visionen von "virtuellem Lernen" überzeugen konnten und wo nicht. Der Kongress bot einen gelungenen Auftakt in die absolut notwendige regionale und überregionale Vernetzung aller Beteiligten in Sachen e-learning, die Ergebnisse erscheinen in einigen Wochen als Tagungsband.
Erich Kästner