Eigentlich freue ich mich ja über Post - heute aber war etwas in der Post, das mich erst neugierig stimmte. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto ekliger finde ich das - aber der Reihe nach.
Also - in der Post fand sich heute ein kleines Päckchen, das an reticon adressiert war. Das ist eher unüblich, da uns eigentlich keiner was an "reticon" schickt. Aufgemacht - und darin befindet sich ein Buch "Toms Book" und ein zweiseitiges Anschreiben.
"Hallo Herr Ragg, zunächst einmal möchte ich mich vorstellen: mein Name ist Tom und ich bin Student an der UDK und interessiere mich ..."
Und die Verwirklichung seines Projekts wurde durch den Bund Deutscher Zeitungsverleger unterstützt. Dazu dann ein Buch, das auf Zeitungsreise gehen soll. Man soll sich einen Zeitungsartikel aussuchen, den einkleben, eigenen Kommentar dazu und dann das Buch weitergeben. Klingt auf den ersten Blick lustig - auf der anderen Seite kommen auch direkt erste Zweifel an der Geschichte.
Also auf ins Netz der Netze und einmal auf der angegeben Internetseite "tomsbook.de" nachgeschaut. Aber da findet sich gar kein "Tom", der studiert und reticon nett findet. Da findet sich eine pseudojugendliche Webseite der Zeitungs Marketing Gesellschaft, verantwortlich für die Konzeption ist eine PR Agentur (vm-people). vm-people haben sch auf dieses virale Geschäft spezialisiert und finden Dinge wie "guerilla-marketing" ganz toll.
Und damit ist es dann ziemlich klar - das ist wieder einmal so eine eklige virale Kampagne. Hier soll das Thema Zeitung und Zeitunglesen wohl "promoted" werden. Im Klartext heißt das dann aber auch, da ist kein netter Student, der mal Kontakt zu reticon wollte, da hat einfach eine PR-Agentur meine Adresse aus dem Impressum abgegriffen und mich auf ihren Verteiler gesetzt.
Schade eigentlich, das Thema Zeitungen wäre nett gewesen, wer mir aber auf die Tour kommt, da tut es mir herzlich leid. Das hilft nicht dem Thema Zeitung weiter, so leid es mir tut, das Buch wandert in die große blaue Tonne.
Schaut man dann weiter im Netz finden sich einige Zeitungen, die das Projekt gleichzeitig auch promoten und sich z.B. an Schulen "ranwerfen", Wettbewerbe und Preise ausrufen. Mir bleibt einzig zu hoffen, dass da nicht jeder drauf anspringt. So wichtig das Thema "Zeitung" auch z.B. in der schulischen Arbeit sein mag, wer mit solchen Methoden nach Aufmerksamkeit giert sollte nicht weiter beachtet werden. Vielleicht verstehen die Zeitungsmacher ja irgendwann, dass sie sich mit solchen PR-Aktionen einen Bärendienst erweisen.
Vicotr Borge (amer. Pianist)