Gerade im Zusammenhang mit dem Amoklauf von Erfurt kamen die Spiele und im Gefolge eine bis dahin von der Öffentlichkeit kaum bemerkte Jugendkultur auf die Anklagebank.
Für Glogauer sind diese Spiele "Mordsimulationsspiele". Schon mit der Formulierung "Mordsimulationsspiele" ist klar, welche Haltung der Autor einnimmt. Die diskriminierende Begriffsfassung, in deren Folge keine differenzierende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem beschriebenen Phänomen zu erwarten ist, hat Methode. Während vorgeblich noch der Nachweis der Gefährlichkeit und Schädlichkeit bestimmter Medienprodukte geführt werden soll, wird durch die eindeutig wertende begriffliche Kennzeichnung das Ergebnis gleich vorweg genommen: hier ist eben immer schon klar, worum es geht.
Glogauer schreibt, dass das hundert und tausendfache Nachvollziehen der Gewaltmodelle, dazu führen würde, dass diese "verinnerlicht und abrufbereit in den Köpfen gespeichert" würden. Eine solche Annahme einer 1:1 Übertragung von Medien auf Konsumenten zeugt von Unkenntnis oder schlichter Ignoranz gegenüber dem allgemeinen Forschungsstand.
Gerhard Uhlenbrock