The usual suspects
reticon-Report von
Ralf Kellershohn -- [05.09.2003]
Um dies noch mal zu
verdeutlichen. Es wird hier nicht
die Ansicht der völligen
Harmlosigkeit bestimmter Medien,
Inhalte und Darstellungsformen
vertreten. Es gibt Inhalte, vor
denen Kinder und Jugendliche zu
schützen sind, da diese die
Entwicklung einer stabilen
Persönlichkeit mit eigenständiger
sittlicher, moralischer und
ästhetischer Urteilsfähigkeit
gefährden. Es gibt weiterhin
Medien, Inhalte und
Darstellungsformen, die per se zu
verbieten sind, da sie z.B. den
Holocaust leugnen, den Tatbestand
der Volksverhetzung, Aufruf zum
Rassenhass oder Kinderpornographie
erfüllen.
Wer sich aber wie Glogauer den
Luxus eines differenzierten Umgangs
mit Gewalt in Medien nicht leisten
will, weil ihm Gewaltdarstellung
und deren Konsum in welcher Form
auch immer per se abartig oder
wenigstens suspekt sind, der
schüttet das Kind mit dem Bade aus.
Die Bundesprüfstelle versucht durch
eine komplexe Gremienstruktur und
differenzierte Verfahrenspraxis
ihren heiklen Auftrag auf der
Grenze von Jugendschutz und Zensur
zu erfüllen. Schützenhilfe solcher
Art macht ihr die Arbeit nicht
leichter.
Ralf
Kellershohn
Literatur:
- Barker, Martin/Brooks, Kate:
Knowing Audiences. Judge Dredd, its
Friends, Fans and Foes. Luton
1998
- DeGaetano, Gloria/Grossman,
Lt.Col. Dave: Wer hat unseren
Kindern das Töten beigebracht? Ein
Aufruf gegen Gewalt im Fernsehen,
Film und Computerspielen. Stuttgart
2002
- Glogauer, Werner: Gewaltspiele
mit schlimmen Folgen. In:
Süddeutsche Zeitung vom 27.08.
2003. S. 2
- Hausmanninger, Thomas: Das
Elend der Gewaltdebatte.
Nachrichten aus dem Glaubenskrieg.
In: medienpraktisch Heft 105 (27.
Jg.) 1/03. S.18-21
- Ders.: Horrofilme.
Katastrophendiskurs oder
Katastrophe? In: medien praktisch
Heft 90 (23.Jg.) 2/99. S. 26-31
- Heitmeyer, Wilhelm/Hagan, John:
Gewalt. Zu den Schwierigkeiten
einer systematischen
internationalen Bestandsaufnahme.
In: Dies. (Hg.): Internationales
Handbuch der Gewaltforschung.
Wiesbaden 2002
- Hopf, Werner: Mediengewalt,
Aggressivität und Gewalt bei
Hauptschülern. In: Christoph
Hanckel/Bernd Jötten/Klaus Seifried
(Hg.): Schule zwischen Realität und
Vision. Bonn 2002
- Kunczik, Michael: Medien und
Gewalt. 4. aktual. Aufl.
Köln/Weimar/Wien 1998
- Ladas, Manuel: Brutale Spiele
(r)? Wirkung und Nutzung von
Computerspielen. Frankfurt a.M.
2002
- Mikos, Lothar: Gewalt ist nicht
gleich Gewalt. Ein Plädoyer zur
Differenzierung des Gewaltbegriffs.
In: In: medienpraktisch Heft 105
(27. Jg.) 01/03. S.12-17
- Vogelsang, Waldemar:
Jugendliche Video-Cliquen. Action-
und Horrorvideos als
Kristallisationspunkte einer neuen
Fankultur. Opladen 1991
- Weiss, Rudolf: Gewalt, Medien
und Aggressivität bei Schülern.
Göttingen, Bern, Toronto, Seattle
2000
- Willmann, Thomas: Death's a
game. In: Rötzer, Florian (Hg.):
Virtuelle Welten - reale Gewalt.
Hannover 2003, S. 131-142
Auch
unter http://w
ww.heise.de/tp/deutsch/kolumnen/wil/
12679/1.html
- Winter, Rainer: Der produktive
Zuschauer. Medienaneignung als
kultureller und ästhetischer
Prozeß. München 1995
Siehe zum Thema auch die Buchrezensionen
auf reticon:
- Gieselmann, Hartmut: Der
virtuelle Krieg. Zwischen Schein
und Wirklichkeit im Computerspiel.
Hannover 2002
- Rötzer, Florian (Hg.):
Virtuelle Welten - reale Gefahr?
Hannover 2003
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Super Artikel!
13.02.2008 10:54