Am 19. Mai sendete das ZDF die sechste Folge des mehrfach ausgezeichneten
Improvisationsfernsehgoldstücks "BLIND DATE", bei dem Olli Dittrich und
Anke Engelke den Begriff des METHOD ACTING auf den Punkt bringen.
Bei
BLIND DATE treffen Anke Engelke und Olli Dittrich in einer 30minütigen
ungeschnittenen Improvisation an einem Ort (Taxi, Fahrstuhl, Zug,..)
zusammen, ohne vorher zu wissen, was für einen Charakter der/die andere
verkörpert oder wie er/sie aussieht. Das Ergebnis sind sechs Folgen
Schauspielkunst: In 30 Minuten schaffen Engelke und Dittrich mehr
Authentizität und Tiefe als das gesamte Ensemble von "HALLO ROBBIE"
"Eigentlich war es mehr ein Zufall, als Anke
Engelke und Olli Dittrich das Format Blind Date "erfanden": Für seine
ZDF-Sendung "Olli, Tiere, Sensationen" wollte Olli unbedingt einen
Sketch mit Anke drehen - die hatte aber nur einen Drehtag Zeit. Um
möglichst viel aus dieser kurzen Zeit herauszuholen, beschlossen die
beiden zu improvisieren.
So trafen sich Anke und Olli ohne vorherige
Absprache über den Verlauf in einem Restaurant mit versteckter Kamera.
Sie wussten weder, wie der jeweils andere aussah, noch wen er
darstellte. Ein echtes "Blind Date" eben. Olli Dittrich zerschnitt die
Begegnung in mehrere Episoden und brachte sie als fortlaufende
Erzählung jede Woche in "Olli, Tiere, Sensationen" unter. Erst viel
später, genauer gesagt nach einem Jahr, zeigte das ZDF das erste "Blind
Date" so, wie es ursprünglich gedreht wurde: als einen
zusammenhängenden Film. Ein neues Format war geboren." (Quelle: ZDF)
In
der sechsten Folge "Tanzen verboten" spielen
Dittrich und Engelke das Ehepaar Elke und Udo. Er ist Fahrlehrer, sie
seine Chefin. Nach einem Familienfest übernachten sie im Hotel des
Schlosses, in dem die Feier stattfand. Es kommt zur überfälligen
Aussprache eines Ehepaares, das sich seit Jahrzehnten kennt und sich
dennoch fremd geblieben ist.
Dittrich und Engelke erschaffen
nicht nur Figuren , die völlig authentisch wirken und zeigen dem
Dallmayr-Prodomo-Serien-Darstellersimulations-Fernsehen, wo der Hammer
hängt, was schauspielerisch in Deutschland möglich ist.
Vielmehr
vollbringen sie das Wunder, bei aller darstellerischen Finesse und
Detailreichtum Ihre Figuren nie herablassend aus- und bloßzustellen.
Obwohl die Charaktere mit ihren Mängeln, intellektuellen und
kommunikativen Schwächen und ihrer Beschränktheit dazu einladen, aus
der Höhe der Überlegenheit billige komische Effekte zu erzielen, haben
Engelke und Dittrich merklich Sympathien und Verständnis für das
ehrliche Bemühen der Figuren, ein gutes Leben zu führen, den
Anforderungen, Ungerechtigkeiten und Unverständlichkeiten des Laufs der
Dinge zu begegnen und sich einen Reim drauf und das Beste aus den
Umständen zu machen.
Es sind meist Figuren, die in ihren
begrenzten Möglichkeitsräumen dem Gefühl der Ohnmacht ihre kleinen
Träume und Wünsche entgegenstellen. Dabei gilt dies sowohl für die
"kleinen Leute", wie die Taxifahrerin, deren Kind beim Vater lebt, wie
für die vermeintlich auf dem sozialen Rahm schwimmenden Menschen, wie
die Hotelerbin Caroline.
"Mit traumwandlerischer Sicherheit
spielen sie ihre Figuren von der traurigen Gestalt, geben ihnen Kontur,
ohne allzu viel zu sagen. Im Weglassen liegt ihre Kunst, im perfekten
Timing, im Gefühl für die richtige Zeit." schreibt Hans Hoff in der
Süddeutschen Zeitung.
BLIND DATE ist ein kleines Wunder und
steht doch, trotz zahlreicher Auszeichnungen, immer wieder aufs neue in
Frage. Warum die Programmverantwortlichen bei all den Serien- und
Volksmusikweichspülern einer zu vermuteten Minderheit diese 30minuten
Qualitätsfernsehen nicht gönnen, ist nicht nachvollziehbar.
Hans
Janke, Leiter der ZDF-Hauptredaktion "Fernsehspiel" und verantwortlich
für BLIND DATE spricht in der SZ von einer "Randerscheinung", von einer
"Einzelheit, wie sie schöner nicht sein könnte". Hans Hoff schreibt
dazu: "Es ist als Lob gedacht, klingt aber irgendwie nach
Entschuldigung, so als müsse man vom ZDF Verzeihung erbeten dafür, das
man versehentlich etwas Hochklassiges ins Programm gedrückt hat, etwas,
das den restlichen Mainstream wie eine ziemlich brackige Brühe aussehen
lässt."
Zur Webseite von BLIND DATE mit Portraits der Hauptdarsteller, Hintergrundinformationen und Drehberichten u.v.m. geht es hier...
Was das ZDF sonst so anbietet sehen Sie hier..., hier... und hier... oder auch hier...
(jajaja...es gibt auch das... und das... und sowas... Nix für ungut, ZDF!)
Nikolaj Gogol