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Szenen einer Ehe

reticon-Report von Ralf Kellershohn -- [23.05.2005]

Am 19. Mai sendete das ZDF die sechste Folge des mehrfach ausgezeichneten Improvisationsfernsehgoldstücks "BLIND DATE", bei dem Olli Dittrich und Anke Engelke den Begriff des METHOD ACTING auf den Punkt bringen.

Bei BLIND DATE treffen Anke Engelke und Olli Dittrich in einer 30minütigen ungeschnittenen Improvisation an einem Ort (Taxi, Fahrstuhl, Zug,..) zusammen, ohne vorher zu wissen, was für einen Charakter der/die andere verkörpert oder wie er/sie aussieht. Das Ergebnis sind sechs Folgen Schauspielkunst: In 30 Minuten schaffen Engelke und Dittrich mehr Authentizität und Tiefe als das gesamte Ensemble von "HALLO ROBBIE"

"Eigentlich war es mehr ein Zufall, als Anke Engelke und Olli Dittrich das Format Blind Date "erfanden": Für seine ZDF-Sendung "Olli, Tiere, Sensationen" wollte Olli unbedingt einen Sketch mit Anke drehen - die hatte aber nur einen Drehtag Zeit. Um möglichst viel aus dieser kurzen Zeit herauszuholen, beschlossen die beiden zu improvisieren.
So trafen sich Anke und Olli ohne vorherige Absprache über den Verlauf in einem Restaurant mit versteckter Kamera. Sie wussten weder, wie der jeweils andere aussah, noch wen er darstellte. Ein echtes "Blind Date" eben. Olli Dittrich zerschnitt die Begegnung in mehrere Episoden und brachte sie als fortlaufende Erzählung jede Woche in "Olli, Tiere, Sensationen" unter. Erst viel später, genauer gesagt nach einem Jahr, zeigte das ZDF das erste "Blind Date" so, wie es ursprünglich gedreht wurde: als einen zusammenhängenden Film. Ein neues Format war geboren." (Quelle: ZDF)

In der sechsten Folge "Tanzen verboten" spielen Dittrich und Engelke das Ehepaar Elke und Udo. Er ist Fahrlehrer, sie seine Chefin. Nach einem Familienfest übernachten sie im Hotel des Schlosses, in dem die Feier stattfand. Es kommt zur überfälligen Aussprache eines Ehepaares, das sich seit Jahrzehnten kennt und sich dennoch fremd geblieben ist.

Dittrich und Engelke erschaffen nicht nur Figuren , die völlig authentisch wirken und zeigen dem Dallmayr-Prodomo-Serien-Darstellersimulations-Fernsehen, wo der Hammer hängt, was schauspielerisch in Deutschland möglich ist.

Vielmehr vollbringen sie das Wunder, bei aller darstellerischen Finesse und Detailreichtum Ihre Figuren nie herablassend aus- und bloßzustellen. Obwohl die Charaktere mit ihren Mängeln, intellektuellen und kommunikativen Schwächen und ihrer Beschränktheit dazu einladen, aus der Höhe der Überlegenheit billige komische Effekte zu erzielen, haben Engelke und Dittrich merklich Sympathien und Verständnis für das ehrliche Bemühen der Figuren, ein gutes Leben zu führen, den Anforderungen, Ungerechtigkeiten und Unverständlichkeiten des Laufs der Dinge zu begegnen und sich einen Reim drauf und das Beste aus den Umständen zu machen.

Es sind meist Figuren, die in ihren begrenzten Möglichkeitsräumen dem Gefühl der Ohnmacht ihre kleinen Träume und Wünsche entgegenstellen. Dabei gilt dies sowohl für die "kleinen Leute", wie die Taxifahrerin, deren Kind beim Vater lebt, wie für die vermeintlich auf dem sozialen Rahm schwimmenden Menschen, wie die Hotelerbin Caroline.

"Mit traumwandlerischer Sicherheit spielen sie ihre Figuren von der traurigen Gestalt, geben ihnen Kontur, ohne allzu viel zu sagen. Im Weglassen liegt ihre Kunst, im perfekten Timing, im Gefühl für die richtige Zeit." schreibt Hans Hoff in der Süddeutschen Zeitung.

BLIND DATE ist ein kleines Wunder und steht doch, trotz zahlreicher Auszeichnungen, immer wieder aufs neue in Frage. Warum die Programmverantwortlichen bei all den Serien- und Volksmusikweichspülern einer zu vermuteten Minderheit diese 30minuten Qualitätsfernsehen nicht gönnen, ist nicht nachvollziehbar.

Hans Janke, Leiter der ZDF-Hauptredaktion "Fernsehspiel" und verantwortlich für BLIND DATE spricht in der SZ von einer "Randerscheinung", von einer "Einzelheit, wie sie schöner nicht sein könnte". Hans Hoff schreibt dazu: "Es ist als Lob gedacht, klingt aber irgendwie nach Entschuldigung, so als müsse man vom ZDF Verzeihung erbeten dafür,  das man versehentlich etwas Hochklassiges ins Programm gedrückt hat, etwas, das den restlichen Mainstream wie eine ziemlich brackige Brühe aussehen lässt."

Zur Webseite von BLIND DATE mit Portraits der Hauptdarsteller, Hintergrundinformationen und Drehberichten u.v.m. geht es hier...

Was das ZDF sonst so anbietet sehen Sie hier..., hier...  und hier... oder auch hier...
(jajaja...es gibt auch das... und das... und sowas... Nix für ungut, ZDF!)

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