Heute, 29.10.2006 - es ist wieder Sonntag, für uns von reticon ist das Wochenende die Gelegenheit einmal quer zu surfen und Artikel zu schreiben - wir machen das hier ja alles umsonst und freiwillig.
Spiegel-Online dagegen - das sind die Profis, vollbesetzte Redaktionen, motivierte und gut bezahlte Mitarbeiter - so stellen wir uns das Leben dort vor. Und leider sind am Wochenende alle weg - trotzdem muss ein echtes Online-Nachrichten-Magazin aber Meldungen produzieren.
Sie fragen sich wie das geht - kein Problem, lesen Sie weiter.
Eben stießen wir auf den Sonntags-Artikel im Bildungsbereich bei Spiegel-Online: Bafög futsch durch Bachelor und Master?
Zugegeben eine "coole" Überschrift, doch irgendwie kam mir der Text bekannt vor. Inhaltlich geht es in dem Artikel darum, dass Studierende vorsichtig sein sollen, die jetzt aus den klassischen Studiengängen in Bachelor/Master Studiengänge wechseln - unter Umständen ist das Bafög gefährdet.
Dazu wird dann der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW) zitiert. Sieht auf den ersten Blick gut gemacht und nach Recherche aus.
Auf den zweiten Blick und mit ein wenig "googlen" wird dann deutlich:
Der ganze Artikel ist eine 1:1 Abschrift einer Pressemitteilung des Deutschen Studentenwerks - komplett, mit Zitaten, einfach übernommen. Und die Meldung des DSW ist vom 12. Oktober - also ziemlich genau zwei Wochen alt.
Schrieb ich die ganze Meldung sei übernommen? Das ist etwas über das Ziel hinausgeschossen: der vorletzte Absatz, der stammt nicht aus der Pressemitteilung ("Der Höchstsatz der monatlichen ..." Quelle: Spiegel-Online) Aber das ist leider auch nicht recherchiert, entnommen ist der Satz wohl einer anderen Pressemitteilung des Deutschen Studentenwerks, auch vom 12. Oktober.
Und um es ganz korrekt zu machen: Der allerletzte Satz, der ist von Spiegel-Online selbst - der enthält den einzigen Link des Artikels (nein, natürlich nicht zum DSW wo die Informationen herkommen, Links nach draußen sind in deutschen Online-Medien verpönt, der Link geht natürlich zu einem Spiegel-Online-Artikel).
Was hilft die schönste Debatte um PR und Journalismus, wenn dann solche Artikel entstehen, da hilft dann auch kein Ehrencodex. Wenigstens eine Quellenangabe wäre schön gewesen, das kann zwar alles mal passieren und ist jetzt auch nicht die Welt, aber von Profis erwarte ich eigentlich mehr Qualität oder wenigstens mehr Transparenz.
Weitere Informationen zum Textvergleich, der ist nicht sonderlich schwierig:
Friedrich Schiller
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