
Der Dokumentarfilm "Rhythm is it" begleitet ein Education-Projekt der Berliner
Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle, in welchem eine Choreographie von Royston Maldoom mit tanz-unerfahrenen Berliner Schülern aus insgesamt 25 verschiedenen Nationen zu der Musik von Igor Strawinsky "Le Sacre du Printemps" erarbeitet wird.
Eindrucksvoll wird auf der einen Seite die Arbeit des Choreographen Roysten Maldoom mit Hauptschülern und auf der anderen Seite die Probenarbeit von Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern gezeigt. Ziel des Projekts ist eine Aufführung in der Treptow Arena in Berlin im Januar 2003.
Der Film begleitet drei Jugendliche auf ihrem Weg, die aus unterschiedlichen Kulturen und sozialem Milieu kommen.
Ein großer Schwerpunkt liegt in der Schilderung der Probenarbeit mit jungen Tänzern einer Hauptschule. Dabei treffen Welten aufeinander, die kaum unterschiedlicher sein könnten: R. Maldoom mit seinem Team, d.h. professionelle Tänzer bzw. Choreographen, die durch Fleiß und Disziplin in ihrem Leben etwas erreicht haben. Auf der anderen Seite Hauptschüler häufig aus eher unteren sozialen Schichten stammend, die in ihrem bisherigen Leben sicher selten die Erfahrung gemacht haben, ein hochgestecktes Ziel vor Augen zu haben, das nur aus eigenem Antrieb verbunden mit viel Fleiß und Disziplin erreicht werden kann. Hinzu kommt, dass dies in den meisten Fällen der erste Kontakt zu klassischer Musik und Ballett ist.
R.
Maldoom, der schon seit 30 Jahren Tanzprojekte in sozialen Brennpunkten
durchführt, ist äußerst streng mit den Jugendlichen, verlangt Disziplin
und vor allem Ruhe in den Proben. Immer wieder fühlen sich die
Jugendlichen überfordert, überspielen oftmals Unvermögen und stellen
das Projekt, das sie an ihre Grenzen führt, in Frage. Es kommt zu
offenen Konflikten mit den Tanzpädagogen, in denen Hauptschullehrer
vermittelnd eingreifen. Doch im Laufe der Probenarbeit gibt es immer
mehr Jugendliche, die Spaß an der Herausforderung entwickeln, hinter
dem Projekt stehen und mit ihrer Begeisterung andere mitziehen.
Das gestärkte Selbstvertrauen spielt dann auch im Alltagsleben eine wichtige Rolle, so beschließt z.B. eine der Tänzerinnen mehr als nur den Hauptschulabschluss zu schaffen, ein anderer nimmt sich vor nach Beendigung des Projekts weiter zu tanzen oder Akrobatik zu machen.
Der Film zeigt in Zeiten von Pisa, IGLU etc. wie wichtig es ist, Kindern und Jugendlichen Zeit zu widmen, ihnen Ziele und Aufgaben vorzugeben. Benachteiligungen, die sich laut Pisa-Studie durch die Herkunft aus unteren sozialen Schichten ergeben könnten an Bedeutung verlieren.
Aber nicht nur für pädagogisch interessierte Menschen ist dieser Film sehenswert: Musik und Tanz kommen ebenfalls nicht zu kurz. Der Einblick in die Probenarbeit von Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern ist ebenso interessant wie die Arbeit der Tänzer mit fortgeschritteneren Gruppen.
Insgesamt ein faszinierender Film, trotzdem zwei kritische Anmerkungen:
Es gibt während des ganzen Films keine ruhige Minute. Natürlich spielt die Musik eine große Rolle, aber gerade deswegen hätte ich mir z.B. in den Interviews mit den Schülern öfter mal einfach nur das Gespräch gewünscht, ohne Musik im Hintergrund.
Von
der eigentlichen Aufführung sieht man, wie ich es empfunden habe, nur
einen relativ kurzen Zusammenschnitt. Natürlich sollte der Film
hauptsächlich den Weg dorthin begleiten, die ganze Aufführung wäre
natürlich zu lang gewesen. Doch der Spannungsbogen wird auf das
Ergebnis hingeführt, das dann verhältnismäßig schnell zu Ende ist. Quellenangaben:
Die Bilder sind mit freundlicher Genehmigung aus dem Pressematerial / © 2004 BOOMTOWNMEDIA GmbH.
Weitere Informationen zum Film finden Sie unter:
http://www.rhythmisit.com
Sprichwort aus Afrika