Es ist September und geht damit eindeutig auf Weihnachten zu, die ersten Spekulatius und Domino-Schokosteine erreichen die Supermärkte. Nicht mehr lange und die Weihnachtsdekoration wird ausgepackt.
In Bonn beteiligt sich auch die Deutsche Post mit an den Vorbereitungen – seit Anfang September wird „Hightech-Wichteln“ angeboten, die Deutsche Post hat insgesamt sieben Packstationen im Stadtgebiet Bonns aufgestellt. Aber der Reihe nach:
Anfang August
Mit einer der üblichen roten Benachrichtigungskarten befreite ich ein Paket bei der Filiale in Beuel. Seitdem das studentische Lotterleben ein Ende hat, ist der persönliche Kontakt zum Postboten auf das Wochenende beschränkt. Sprich ein Paket wird zugestellt, während ich auf der Arbeit bin.
Anfang August wurde in Beuel eine sogenannte Packstation aufgestellt, die Abhilfe verspricht. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche stellt sie Pakete bereit. Gleichzeitig benachrichtigt sie via SMS und E-Mail über das Eintreffen neuer Pakete.
Die Revolution – darauf habe ich gewartet, sofort die Anmeldeunterlagen ausgefüllt.
Mitte August
Die „Gold-Card“ ist da – sieht edel aus wie eine Kreditkarte, hat natürlich eine eigene PIN. Damit werde ich nun in Zukunft meine Pakete abholen können. Klingt nach Hightech, nach Zukunft und als echter "Geek" möchte ich da natürlich direkt dabei sein. Einziger Hinderungsgrund: Die Poststationen in Bonn werden erst am 04. September in Betrieb genommen.
03. September
Es ist soweit, morgen startet die Poststation, da gilt es von Beginn an dabeizusein. Also den Abend vor Amazon verbracht, das klassische Problem: ich brauche eigentlich nichts, habe genügend ungelesene Bücher. Die Entscheidung fällt dann auf die Weihnachtsgeschichten von Hans Dieter Hüsch, nur sechs Euro, kann man wunderbar zu Weihnachten verschenken.
05. September
Amazon schickt die Versandbestätigung, jetzt müsste doch einen Tag später das Paket ankommen, die Spannung steigt.
06. September
Allen Fatalisten im Freundeskreis zum Trotz, nachmittags bekomme ich eine SMS und wenig später eine E-Mail „meiner“ Packstation. Ein Paket ist da, na das funktioniert doch!
09. September
Ich mache mich auf den Weg zur Packstation (nur ewig Gestrige werden jetzt anmerken, dass ich nicht wirklich früher an das Paket komme – ja aber ich hätte gekonnt).
Außerdem die Blicke der Passanten als ich die Gold-Card in die Packstation stecke, die PIN eingebe und erfahre: „Ein Sendung liegt für Sie bereit – Sendung entnehmen?“. Ja klar, welch eine Frage!
Es rumpelt in der Packstation und eines der Fächer öffnet sich – mein Paket!
Paket herausgenommen, komisches Format eigentlich für ein Buch. Paket gedreht und näher angeschaut: Douglas – Parfüm, Kosmetik und der Adressaufkleber hat außer dem Vornamen auch keine Gemeinsamkeiten mit mir.
Da stehe ich nun – falsches Paket in Händen. Nochmals mit der Karte versucht die Pack- station zu befragen. Die antwortet lapidar: „Sendung schon entnommen“.

Ordentlich das Paket in der Postfiliale abgegeben und erfahren, dass die vor Ort auch nichts machen können, erstaunt waren, dass so etwas passieren kann. Aber sie konnten mir nur die Hotline von DHL in die Hand drücken.
Zu Hause dann 2,- EUR in die natürlich kostenpflichtige Hotline investiert. Die Mitarbeiter dort waren freundlich und versprachen sich darum zu kümmern. Vermutet wird ein falsches Einsortieren. Jetzt bekommt die Packstation eine „Service-Untersuchung“, vielleicht finden sie ja mein Paket. Vielleicht hat es aber auch der Empfänger der Parfümsendung bekommen. Ob der es abgibt, wir glauben natürlich an das Gute im Menschen.
Aber kurz vor Weihnachten macht Wichteln natürlich auch Spaß und vielleicht bekomme ich mein Paket ja bis Weihnachten.
Fazit
Aus Spaß werde ich sicherlich noch einmal etwas auf die Packstation schicken aber bei wichtigen Dingen werde ich in Zukunft doch erst einmal weiter dem freundlichen Paketboten und dem Schalterbeamten vertrauen, der meinen Personalausweis sehen möchte.
Dabei finde ich die Idee grundsätzlich wunderbar und möchte die Zuverlässigkeit der Packstationen gar nicht in Frage stellen. Für mich ist es allerdings fragwürdig, wenn direkt die erste Sendung erst einmal verschwindet und man ein fremdes Paket in Händen hält.
Inzwischen habe ich wieder eine SMS - ein Paket in der Packstation. Morgen werde ich wissen, was die Station diesmal für mich bereit hält - vielleicht ist es ja das vermisste Amazon-Paket.
18.09.2006
Ganz so schnell ließ sich das Paket dann doch nicht abholen - einmal noch verabschiedete sich die Packstation via SMS, dass sie defekt sei. Danach aber klappte alles reibungslos und so halte auch ich inzwischen mein Amazon-Paket in Händen. (Genau wie der Kollege Kellershohn, der den Artikel freundlicherweise mit Fotos versorgte.)
25.09.2006
Zur Ehrenrettung der Post sei gesagt, dass es beim zweiten Versuch einwandfrei klappte. Am Wochenende unterwegs gewesen, Samstag die SMS über ein neues Paket erhalten und glücklich Sonntag abend bei Ankunft Bonn der Packstation einen Besuch abgestattet. Diesmal direkt das richtige Paket. Wollen wir hoffen, dass der erste Fall unter "Anlaufschwierigkeiten" zu verbuchen ist.
Erhard Blank