Internetseiten zu organisieren ist ein Problem, dem sich schon seit Jahren viele Services und Dienste widmen. Waren es zu Beginn vor allem Bookmarks in denen man vielbesuchte Webseiten ablegen kann, gibt es die unterschiedlichsten "sozialen" Varianten mit dem sog. Web 2.0. Da werden die besten Seiten geteilt, bewertet usw.
Doch all das Sammeln und Organisieren genügt meist nicht den Anforderungen, die wissenschaftliches Arbeiten im Umgang mit Quellen erfordert. Hier gelten andere (meist zusätzliche Anforderungen): Natürlich will auch die Internetquelle "einsortiert" werden, doch darüber hinaus sind Angaben wie Datum/Uhrzeit des Besuchs, weitere Angaben zu Verfasser/Quelle notwendig und nicht zuletzt ist das Internet schnell und oft unbeobachtet "vergänglich" - wissenschaftliches Arbeiten erfordert meist eine Kopie, die den Zustand der Webseite festhält, die man zitiert.
Hier setzt die Firefox-Extension "Zotero" an - sie erfüllt schon viele Anforderungen, die an ein Tool, das wissenschaftliches Arbeiten unterstützen möchte, gestellt werden.
Auf der einen Seite hilft Zotero beim Sammeln und Kategorisieren der Quellen. Auf vielen Webseiten wird dabei Quellentyp, Herausgeber etc. direkt mit notiert und sortiert abgelegt. Zotero erstellt ein Snapshot der aufgerufenen Webseite, mit Hilfe von Stichworten (Tags) und Kategorien lassen sich ganze thematische Sammlungen erstellen.
Dabei lassen sich nicht nur ganze Webseiten erfassen, sondern auch nur Teilstücke für kleinere Zitate. Einfach einen Absatz markieren und mit dem Zotero-Symbol ablegen. Dieses findet sich direkt nach der Installation in der Symbolleiste.
Neben dem Ablegen hat Zotero auch Stärken beim Im- bzw. Export. So können aus der kompletten Bibliothek bzw. einzelnen Einträgen Literaturverzeichnisse in unterschiedlichen Formaten erstellt werden (z.B. im populären Bibtex). Weiterhin gibt es Plugins für Word bzw. Openoffice, um die Quellen dort verfügbar zu machen.
Schon in der jetzigen Fassung erfüllt Zotero viele Wünsche, die Wissenschaftler an die Verarbeitung von Internetquellen haben. Dabei ist Zotero kostenlos und vor allem Open Source.
Einziges (bisheriges) Manko aus meiner Sicht - Zotero läuft nur lokal auf einem PC. Mit der Einschränkung auf Firefox kann ich gut leben. Ein "Bookmark-Tool" muss für mich aber mehrere Rechner mit einem automatischen Sync unterstützen. Der Sync sollte dabei über das Web erfolgen (und nicht über USB-Sticks etc.).
Hier bietet Zotero noch nichts - außer der Ankündigung, dass es ab Juni eine "Server-Fassung" geben soll, die die Nutzung auf mehreren Rechnern ermöglicht und zugleich den Quellen-Austausch zwischen den Anwendern.
Fazit
Zotero ist ein wirklich gutes Tool im wissenschaftlichen Einsatz - aber auch darüber hinaus für das einfache Bookmarken von Webseiten gut zu gebrauchen. Bisher mache ich häufig "Sicherheitskopien" von Webseiten, sei es, um diese später zu lesen oder sie im kleinen "Archiv" abzulegen. Einem Online-Service traue ich hier angesichts der üblichen Web-2.0-Beta-Schilder nicht über den Weg - macht der Laden in einem Jahr zu oder nimmt Geld, ist mein Archiv dahin. So nutze ich bisher nur toread.cc, das mir eine Kopie via Mail zuschickt - das ist aber eher eine Krücke als "Service".
Genug der Lobeshymne - da Zotero kostenlos und Open Source ist, sei mir das gestattet.
Und so probiere ich Zotero einmal aus - wenn im Juni tatsächlich die Version kommt, die ich im Büro, zu Hause, auf dem Notebook nutzen kann - könnte das "mein zukünftiger Bookmarkdienst" werden.
Weitere Informationen
www.zotero.org
Gerhard Uhlenbrock