Seit mehreren Monaten wird vor allem in den USA heftig über das Thema "Netzneutralität" diskutiert. Nach und nach erreicht die Debatte auch uns - nicht zuletzt mit den "Perspektiven", die sich auch für das hiesige Internet stellen.
Der nachfolgende kleine Artikel möchte die jeweiligen Argumente vorstellen und unterstreichen, warum das Thema nicht an uns vorbeischwappen sollte. In den USA sehen Kampagnen inzwischen durchaus die Zukunft des Internets in seiner bisherigen Form gefährdet. Immer mehr Prominente Internet-Veteranen versuchen ihr argumentatives Gewicht in die Waagschale zu werfen. Doch worum geht es?
Die Diskussion
Die Diskussion um Netzneutralität wird betrieben von zwei ganz unterschiedlichen Fraktionen. Auf der einen Seite stehen die Betreiber großer Internetangebote (Google, Amazon u.v.m) auf der anderen Seite stehen die Zugangsprovider (bei uns beispielsweise Telekom, 1&1etcpp.).
Die Neutralität des Netzes besteht darin, dass alle Internet-Inhalte gleich behandelt werden. Sie können alle Suchmaschinen oder Buchshops im Internet erreichen, egal ob Sie sich über T-Online oder Net Cologne ins Internet einwählen. Kurz gesagt: Im Internet ist jeder mit jedem verbunden (end to end Prinzip).
Diese Neutralität ist Grundprinzip des Netzes von Beginn an und eine breite Fraktion in den USA möchte dies in der Gesetzgebung festschreiben lassen.
Die Zugangsprovider dagegen versuchen immer mehr sich gegen dieses Neutralitätsprinzip zu wehren und es zu "unterlaufen". Sie können sich beispielsweise vorstellen, den Zugang zu bestimmten Webseiten "ihrer" Kunden zu verkaufen. Vereinfacht gesagt ist der Standpunkt: Ich biete doch Google, Amazon etc. den Weg zum Kunden, dann möchte ich für diese Leistung entlohnt werden.
Betrifft das "unser" Internet?
Sind wir von dieser Entwicklung betroffen? Kurze und klare Antwort: Ja. Alle strukturellen Veränderungen werden natürlich auch Auswirkungen auf uns haben, zudem sind Provider in den USA nicht mit anderen Interessen als die hiesigen ausgestattet.
Die ersten Ansätze kann man auch hier schon sehen: Die Telekom möchte sich unter dem Titel "Investitionssicherheit" ihr zukünftiges Breitbandnetz sichern. Nicht nur Resellern soll dort der Weg erschwert werden, es gibt im Rahmen des Triple-Plays (Internet, Fernsehen, Telefon) verstärkte Bemühungen, den eigenen Kundenkreis abzuschotten und diesem spezielle Angebote zur Verfügung zu stellen (Fußball-Bundesliga etc.).
Noch spricht keiner offen darüber, dass im Gegenzug Angebote "ausgesperrt" werden sollen oder eine "Zustellungsgebühr" erhoben wird, aber die Tendenzen sind momentan klar. Ziel ist es möglichst viele Angebote aus einer Hand anzubieten und Konkurrenz so weit wie möglich draußen zu lassen.
Das Internet macht mobil
Inzwischen gibt es immer mehr Stimmen - gerade von Netzveteranen - die auf diese Entwicklung kritisch aufmerksam machen und zum rechtzeitigen gegensteuern aufrufen. So engagiert sich z.B. Vint Cerf ("Erfinder" des Internetprotokolls).
Vor knapp einer Woche hat sich auch Tim Berners Lee ("Erfinder" des WWW) mit einer Erklärung und einem Video zu Wort gemeldet. Er sieht das Internet wirklich in seiner uns bekannten - und von vielen so gewollten Form gefährdet. Für ihn ist Netz-Neutralität:
" If I pay to connect to the Net with a certain quality of service, and you pay to connect with that or greater quality of service, then we can communicate at that level." (Tim Berners Lee)
Wir haben nachfolgend einige Links mit weiteren Informationen für Sie zusammengestellt:
Kyrilla Spieker