Schaut man dieser Tage in die Presse, treffen die unterschiedlichsten Meldungen zum Standort Deutschland auf uns.
Da gibt es eine fadenscheinige Diskussion um die Ausbildungsabgabe. Neben falschen Zahlen (Spiegel-Online)
scheint sich hier ein neuer Trend zur Selbstkasteiung durchzuesetzen.
Regierung und Gewerkschaften befürworten die neue Abgabe - Opposition
und Arbeitgeber einen sich in der Ablehnung. Schaut man dann aber auf
die Zahlen derjenigen, auf die die Abgabe zurollt, gerät man ins
Staunen: verkehrte Welt. Jetzt stehen Arbeitgeber, Städte, Länder,
Kommunen, Ministerien und Gewerkschaften egal welcher Couleur in einem Lager. Sie alle bilden zu wenig aus.
Und so scheint es, als ob hier etwas reglementiert wird, an das sich
freiwillig keiner hält (bis auf TUI und die Metro AG). Da stellt sich
dann doch die Frage der Glaubwürdigkeit - gibt es so etwas in der
"hohen Politik und Wirtschaft" noch? Es scheinen Zweifel angebracht.
Schaut man auf die Demonstrationen vom Wochenende zum Sozialabbau, dann
stellt sich die Frage erneut: Gewerkschaftsfrau Engelen-Kefer wettert
gegen Praxisgebühr, Sozialabbau - Mr. Sommer, der Gewerkschaftsboss
ruft sich die Seele aus dem Leib für eine bessere Chance von
Arbeitslosen ...
Aber .... haben wir Frau Engelen-Kefer nicht vor
Wochen als Mitglied eines - um es vorsichtig zu formulieren - nicht
gerade wendig agierenden Aufsichtrates der Bundesagentur für Arbeit
gesehen? Wurde dort nicht relativ emotionslos eine Kostensteigerung für
die (immer noch nicht richtig funktionierende) Online-Plattform von zig
Millionen Euro abgesegnet?
Und war nicht ein paar Tage zuvor auch die Gewerkschaft als zu wenig ausbildende Institution genannt?
Und war die Reaktion nicht verblüffend? Nicht dass man als Reaktion
etwa mehr ausbilden will, nein, die Strafe wird ertragen, man kauft
sich frei. Da stellt sie sich wieder, die Frage nach der
Glaubwürdigkeit.
Diese stellt sich auch an Firmen angesichts der momentanen Entwicklung
gerade im Osten der Republik. Da werden immer neue Fälle bekannt, wo
Firmen Fördergelder kassierten, Standorte errichteten und diese jetzt
nach der abgelaufenen Frist, rechtmäßig schließen und Richtung
Osterweiterung verlegen.
Und wie viele Betriebe sind sich nicht zu schade, im Ausland zu
Dumpinglöhnen, ohne Arbeitsschutz und Umweltschutz, billig zu
produzieren.
Wo bleibt hier die Glaubwürdigkeit - nach Ethik möchte ich hier gar nicht fragen.
Aber vielleicht sollte man das auch zum Anlass nehmen nicht immer nur
bei Arbeitnehmern Qualifikationen, Basic Skills etc. zu fordern. In den
höheren Etagen scheint auch noch einiges jenseits von
Moderationstraining und PowerPoint-Schulung notwendig sein.
Und zum Abschluss der Griff an die eigene Nase:
Nach Glaubwürdigkeit kann man sich natürlich auch selbst beim täglichen
Einkauf im Lebensmitteldiscounter der Wahl fragen. Momentan besonders
am Milchregal.
Aber an dieser Stelle sei der Artikel beendet, sonst wird es noch ein Grundlagenbeitrag zur kapitalistischen Gesellschaft.
Ilse Aichinger