
reticon war für
Sie vor Ort im Museum für Post und
Telekommunikation in Berlin. Für
reticon hat sich Martin Ragg
das Museum und die aktuelle
Sonderausstellung
angeschaut.
Das Museum wird
getragen von der Deutschen Post und
der Deutschen Telekom, es befindet
sich mitten im Herzen von Berlin,
nicht weit vom Potsdamer
Platz.
Museum für
Kommunikation
Berlin
Leipziger Straße
16
Webseite der
Museumsstiftung
Das Museum
ist sehr modern gestaltet, der
Besuch ist dankenswerterweise
umsonst. Man befindet sich fast
ausschließlich in hellen und
lichten Räumen, die sehr
übersichtlich gestaltet sind. Das
Spannende an einem Besuch sind die
vielen Dinge, die zum Ausprobieren
und Erforschen einladen. Einige
sind versteckt und man stößt nicht
direkt auf sie, bzw. muss erst die
Funktionsweise
herausfinden.
Einige begrüßen
den Besucher allerdings auch
direkt, wie die drei sehr
niedlichen Roboter in der
Eingangshalle. Hier bleiben viele
Besucher, ob jung oder alt
fasziniert "hängen".
Die
Roboter in der Eingangshalle sind
ein idealer Auftakt, an denen auch
das Ziel des Museums deutlich wird.
Viele Dinge sind zum Anfassen und
laden gerade dazu ein, sich näher
mit ihnen auseinander zu
setzen.
So ist beispielsweise
ein Roboter darauf programmiert,
einem blauen Ball hinterherzufahren
und diesen sanft vor sich her
zu "kicken" ## erstaunlich ist, wie
eine Form von Kommunikation mit den
Besuchern dadurch aufgebaut wird,
viele werden dazu verleitet, dem
Roboter den Ball vor der Robo-Nase
wegzukicken und belustigt einen
zornig fiependen Roboter zu
betrachten der sich suchend nach
dem Ball umschaut, wenn er ihn am
anderen Ende der Halle ausfindig
macht, freudig aufzupiepen und
zielstrebig darauf zuhält. (Amüsant
ist es natürlich auch, die anderen
Besucher bei diesem Spiel zu
betrachten.
Über der Lichthalle schweben seltsam anmutende Gegenstände, die aber erst deutlicher werden, wenn man sich auf eine Reise durch das Museum einlässt. Mit jeder Ausstellungsebene kommt man diesen etwas näher und verschafft sich gleichtzeitig einen Überblick.
Die
verschiedenen Ausstellungsbereiche
sind verschiedenen Themen gewidmet.
Es wird in unterschiedlichen
Installationen auf Kommunikation,
Postwesen, Medien und die
Veränderung der Gesellschaft durch
diese "Errungenschaften"
eingegangen. Das reicht über
Postkutschen, Briefmarken,
Datenübertragungsmethoden, Ampeln
bis hin zu Computertechnologien.
Dem Bereich
der Post sind zwei Bereiche
besonders gewidmet. Im
Untergeschoss findet sich eine
interessante Ausstellung, die die
Geschichte des Postwesens deutlich
macht. Man findet hier alte
Briefmarken (u.a. die blaue
Mauritius), Postkutschenstrecken,
erste internationale
Vereinbarungen. Besonders
interessant ist auch die Art der
Präsentation: der Raum ist sehr
dunkel gehalten, im Kontrast zu den
anderen Ausstellungsbereichen und
es gibt eine Art von
Interaktivität. Die Exponante
befinden sich in Schaukästen in
einzelnen Säulen, die über den Raum
verstreut sind. Bewegt man sich auf
diese zu, werden sie "plötzlich"
mit Leben erfüllt, Licht geht im
Schaukasten an und man erhält
akkustische Untermalung, die über
Erklärungen eines Sprechers bis hin
zu den Klängen von Posthörnern
reichen.
Neben
den ständigen Ausstellungsbereichen
bietet das Museum aber auch weitere
Veranstaltungen und
Rundgänge/Führungen für
verschiedene Zielgruppen an. So
kann man eine Führung durchs
Berlins Mitte mitmachen, die diese
aus postalischer Perspektive
betrachtet. Es gibt auch Führungen,
die sich an jüngere Besucher wendet
und z.B. auf Schulklassen
zugeschnitten sind. Hier wird auf
einfache und spielerische Art und
Weise der Inhalt "Kommunikation"
vermittelt, z.B. über die
Detektivschule, die sich mit
Verschlüsselung von Nachrichten in
der Geschichte beschäftigt.
Das
Interessante ist, dass an vielen
Ecken, etwas auszuprobieren ist.
Hier z.B. eine "Sitzkugel", in der
man über Lautsprecherinstallationen
in eine andere Welt eintauchen
kann - fremde Wohnungen, Urwald.
Nur durch die geschickte Anordnung
der Lautsprecher und die passenden
Sounds wird eine Welt im Kopf des
Besuchers erzeugt.
Wir
sind für Sie ganz nah
herangegangen. Bei der aus der
Lichthalle nur zu erahnenden
Installation handelt es sich bei
näherem Hinschauen (zwei Stockwerke
höher) umd die interaktive
Installation "Metamorphose" von
Peter Hrubesch und Dirk
Scherkowski. Es handelt sich um von
der Decke hängende Mobiltelefone -
wo bleibt der interaktive Aspekt?
Durch Wählen der Mobilfunknummern
0170/1578550 und 0160/3021198 kann
man in Kontakt zu Museumsbesuchern
treten ... probieren Sie es doch
aus!
Eine weitere
interessante Installation ist eine
künstlerisch verarbeitete
Postkutsche. Deren Einzelteile
hängen von der Decke herab und
vermitteln aus der Entfernung
gesehen das komplette Bild, das
sich in seine Einzelbestandteile
anfängt aufzulösen, je näher man
herantritt.
Große
Teile der Ausstellung sind dann
natürlich auch den Veränderungen
der Kommunikation durch die
Computertechnologie gewidmet. Hier
bekommt man einen recht guten
Einblich, wie sich dies von der
Entwicklung der ersten Apparate
über Morsen und Telegrafie hin zu
heutiger Kommunikationstechnologie
entwickelt hat. Auf den beiden
Bildern auf dieser Seite sehen Sie
zwei der frühe Telegrafiegeräte
(19. Jhd.). Die Tastatur diente der
Vereinfachung des Morsens, die
einzelnen Tasten waren mit
Buchstaben belegt.
Zusätzlich
finden regelmäßig wechselnde
Ausstellungen statt. Zu unserem
Besuch war es die höchst spannende
Ausstellung: "Ein offenes
Geheimnis. Post- und
Telefonkontrolle in der DDR". Diese
ist noch bis zum 25.09.2002 zu
sehen.
Unserer Meinung nach hat
sich er Besuch sehr gelohnt und wir
können dieses Museum nur wärmstens
weiterempfehlen. Sie erhalten hier
eine fundierte und interessante
Einführung in den Bereich
Kommunikation und auch aus
museumspädagogischer Sicht ist das
Museum nur zu empfehlen.
Wilhelm Busch