Die klassischen Medien drängen seit Jahren verstärkt ins Netz. Online-Redaktionen werden ausgebaut, man versucht die Leser, die man vielleicht im Print-Bereich verliert online wieder an sich zu binden oder den treuen Kunden ein zusätzliches Online-Angebot zu bieten, dass sie auf Dauer treue Kunden bleiben läßt.
Trotzdem gibt es seit Jahren in den Online-Redaktionen offensichtlich eine latente Angst vor dem Verlinken von Seiten. Teilweise führt dies zu wirklich absurd, bizarren Artikeln wie es uns aktuell die FAZ vorführt.
Der Artikel "Zehn Klassiker von Youtube" springt auf die Berichterstattung nach der Übernahme von Youtube durch Google auf. Es werden die zehn "Top" Videos von YouTube vorgestellt. Jeweils schön mit Screenshot und Beschreibung - doch ohne Link.
Das macht den Artikel so sinnlos wie nur etwas. Wer die Quelle nicht angibt - und Quelle angeben heißt im Internet nun einmal den Link verraten - der hätte sich besser nicht ins Internet gewagt.
Die Quellenangabe gehört zum guten Stil und auch zu professioneller journalistischer Arbeit. Wer keine Links setzt, sollte dann doch lieber auf die Berichterstattung verzichten.
Ganz dahingestellt lassen wir die grundsätzliche Qualität des Artikels: Einige Dinge sind wirklich alt und teilweise nicht einmal das Original sondern nur "inspiriert von". Bei manchen Dingen hätte ich urheberrechtliche Bedenken - ob das wirklich so auf YouTube stehen kann. Ganz im Hintergrund höre ich den Juristen bei der FAZ aufstöhnen: "Habe ich doch gesagt."
Mag sein - aber eine Quellenangabe hätte den Artikel nur verbessert und nicht verschlimmert. Die Urheberrechtsverletzung bleibt im Zweifel an YouTube bzw. dem User, der das Video online gestellt hat hängen.
Der Computer wird die Schule und ihren Auftrag verändern, gleich ob sie sich auf ihn einlässt oder nicht. Sie wird sich vermutlich um so mehr ändern, je weniger sie sich mit ihm befasst.
Hartmut von Hentig