Eigentlich hätte alles so schön werden können: Susanne Osthoff ist keine Geisel mehr. Eigentlich ein Grund zum freuen, die Schlagzeilen im Rahmen der "Aufarbeitungen" bekommen inzwischen aber einen reichlich hämischen Beigeschmack.
In den letzten Tagen hatte schon Henryk M. Broder wunderbar ironisch im Spiegel geschrieben "SUSANNE OSTHOFF UND DIE MEDIEN: Die Undankbare" , wie "undankbar" (Achtung: Ironie) doch Frau Osthoff sei. Da machten die Medien ein großes Tam Tam, nun ist sie befreit und statt der BILD-Zeitung Interviews zu geben und bei Kerner, Maischberger und Jauch die Grausamkeiten irakischer Geiselhaft zu erzählen, bleibt sie den Medien einfach fern.
Und da anscheinend keine Original-Zitate zu kriegen sind, zitieren sich deutsche Medien nun fröhlich gegenseitig und versuchen so Authentizität zu "erzeugen". Focus schreibt, Frau Osthoff sei schwer traumatisiert (Quelle: Sicherheitskreise), jetzt schreiben alle anderen, Frau Osthoff sei ...
Die Netzeitung ist kreativ und schaltet wohl bei Google Anzeigen, wenn man dort nach dem Stichwort "Osthoff" sucht. Nebenan finden Sie einen Screenshot unserer Google-Suche (Markierung von reticon)
Und die BILD schlägt natürlich wieder einmal zu und versucht das Niveau konsequent nach unten abzusenken mit der Schlagzeile: "Beschleunigte Susanne Osthoff (43) mit ihrer losen Zunge die Freilassung?"
Hoffentlich kriegt sich die Medienwelt wieder ein und hört außerdem auf, die Tsunami-Bilder des letzten Jahres aufzuwärmen. Dafür wird der Zuschauer sich bemühen, alle Jahresrückblicke mit Fassung zu ertragen.
Gerard Prentice