
reticon besuchte für Sie die
Learntec 2003 in Karlsruhe. Im
Rahmen meiner neuen Tätigkeit im
bmb+f Projekt APOLL besuchte ich
die diesjährige Learntec. Meine
Eindrücke der aktuellen Situation
der e-learning Branche möchte ich
in diesem Artikel
schildern.
Die Learntec
gehört europaweit zu den größten
Veranstaltungen dieser Art, sie
bezeichnet sich selbst gar als
größte deutschsprachige Messe im
Bereich e-learning. Der etwas
eigenwilligen Zelteingang ist
inzwischen so etwas wie ein
Markenzeichen der Learntec. Er
verbindet den zentralen Bereich mit
zwei weiteren Ausstellungshallen.
Der Besuch der letzten Learntec liegt bei mir zwei Jahre zurück und so war ich gespannt, was sich inzwischen geändert hat - gerade im Hinblick auf die Entwicklungen des letzten Jahres. Aber auf den ersten Blick ist vieles gleich geblieben. Dieselben Firmen an denselben Stellen mit denselben Produkten, nur in der Versionsnummer ein wenig nach oben geklettert.
Es zeichnet sich immer mehr
die Tendenz ab, dass versucht wird,
die einzelnen Anforderungen an e-
learning in möglichst kleine
Teilstücke zu zerlegen und diese
durch jeweils separate
Dienstleister einzukaufen
Dieser
Trend war auch auf der Learntec
nicht zu übersehen. So gibt es
inzwischen eine Vielzahl von
Anbietern, die sich auf so genannte
Learning Management Systeme (LMS)
spezialisiert haben. Diese Systeme
sind die Hintergrundstruktur vieler
e-learning-Systeme. Sie bieten die
Funktionalitäten, die
später "Lernen" ermöglichen
sollen.
Daneben gibt es
Anbieter, die sich auf die
Erstellung von Lerneinheiten
spezialisiert haben. Auch hier gibt
es noch keinen Inhalt zu sehen,
sondern nur Tools und Werkzeuge,
die es möglichst einfach machen
sollen, Inhalte zu erstellen. Bei
wenigen Herstellern findet man dort
die Berücksichtigung der allmählich
auch in Deutschland etablierten
Standards AICC und Scorm.
Und zuletzt gibt es noch "Content- Anbieter", die meist PC oder auch kaufmännisch orientierte Kurse anbieten. Es war deutlich zu erkennen, dass sowohl bei Anbietern wie auch bei Besuchern die Idee Gefallen fand, Inhalte einmal zu erstellen und möglichst einfach unter verschiedenen Oberflächen und Lernstrukturen anzubieten. Auf der anderen Seite wurde oft auch nach dem maßgeschneiderten Komplettangebot für die Weiterbildung z.B. in mittelständischen Firmen gesucht. Dort ist meist weder die Zeit noch das Geld da, sich große eigene Lösungen zu erstellen.
Innovative Ansätze gab es
nur wenige zu sehen. Zur Zeit
beschränken sich e-learning
Lösungen auf kontrolliertes Lernen
und die Möglichkeiten, die heutige
Internettechniken dazu bieten. So
sieht man oft multiple choice
Fragen, drag & drop Übungen
etc.. Dies wird multimedial durch
Audio und Video unterstützt, aber
es bleibt meist ein
technikzentrierter Ansatz. Neues
fanden wir aber auch,
beispielsweise bei der Firma AMMA,
die einen ganz anderen Ansatz
verfolgt und sich am Lerner
orientiert. Bewertungen findet man
hier überhaupt nicht, nachprüfbares
Wissen wird auch nicht vermittelt.
Vielmehr soll der Lerner
unterstützt werden, sich ein Gebiet
selbstständig zu erarbeiten und zu
strukturieren.
Dieser Ansatz
geht schon viel mehr in eine
Richtung, wie sie heute in der
Pädagogik gefordert wird. So wurde
insgesamt auch hier wieder
deutlich, dass zwischen e-learning
und dem, was Pädagogik heute meint,
noch ein großer Unterschied
besteht. e-learning sieht Lernen
aus einer technischen Perspektive
unter dem Aspekt der Machbarkeit.
Dank geht an die
Veranstalter, die uns
freundlicherweise Bildmaterial zur
Verfügung gestellt haben, das wir
für diesen Artikel genutzt
haben.
Trotz aller Kritik an
heutigem e-learning bleibt die
Learntec in Karlsruhe ein Markt der
Möglichkeiten, auf dem man Kontakte
knüpfen kann und einen sehr guten
Überblick über die Branche und
deren Entwicklung bekommen kann.
Henryk Sienkiewicz