Aber, die „Randfiguren der Holzverarbeitenden Industrie“, wie Willy Brandt in unübertroffener Geringschätzung Journalisten einmal bezeichnete, und Politakteure scheinen, einander in lähmender Geiselhaft zu haben und sozialisieren sich gegenseitig in watteweicher Phraseologie und der Routine von Pressekonferenzen, Pressemitteilungen, Jagd nach „O-Tönen“ und dem Spekulieren auf Zugängen zu bestimmten Zirkeln, in denen sich „Informationen“ gewinnen lassen, die das Brot des Journalisten sind.
Wenn man in der Berichterstattung über die Ergebnisse der 319. KMK-Sitzung liest, dass Jürgen Zöllner davon spricht, dass man „auf einem guten Weg“ sei, dass man gefährdete Kinder durch individuelle Förderung zum Bildungserfolg führen wolle, fasst man sich an den Kopf, ob solch belangloser immergleicher Erklärungen.
Man schlage nur einmal die Reaktionen zuständiger Bildungspolitiker auf die OECD Studie „Bildung auf einem Blick in diesem und im letzten Jahr nach. Beide Male waren sich die Verantwortlichen sicher, dass die Kritik angekommen sei, vieles noch im Argen läge, erste Schritte und Maßnahmen aber eingeleitet wurden und man auf einem guten Weg sei. Nur die wöchentlich auftauchenden "Aufrufe zur Geschlossenheit" übertrumpfen solche Beiträge in ihrer inhaltlichen Nährstoffarmut. Ein größeres Ärgernis ist die dumpfe Routine von Zeitungen, die das abdrucken, Radio- und Fernsehsendern, die das versenden.
Heute morgen berichtete der Deutschlandfunk, dass SPD-Generalsekretär Hubertus Heil einer Zeitung gegenüber erklärt habe, dass die SPD „gestärkt“ aus dem Streit um die Agenda 2010 hervorgehe. Der kommende Parteitag werde kein Bild der Zerrissenheit, sondern der (wir brauchen es gar nicht hinschreiben:) Geschlossenheit bieten. Man fragt sich, warum eine Zeitung einen Generalsekretär a) überhaupt befragt, ist doch sein Job, die notorisch positive Darstellung des eigenen Vereins in Absehung aller Indizien aus der wirklichen Welt, z.B. von Wahlergebnissen b) dazu befragt, ob seine Partei zerrissen sei und c) ein Radiosender, dies auch noch referiert.
Man wünscht sich eine Redaktion, die den mit solchen Nullmitteilungen verschwendeten Raum freihält. „Sehr geehrter Leser, wir halten diese Stelle frei, bis eine gehaltvolle Mitteilung zu berichten ist. Anstelle des Pressemitteilungssprech, dass uns alle so anödet bieten wir ab sofort ein schönes Bild, Gedicht oder einen Text von Thomas Mann.“ Eine Zeitung, die einen solchen Service böte, könnte sich eines nicht geringen Publikums gewiss sein.
Für alle im Bildungssystem zirkulierenden Menschen, die Lernerinnen und Lerner, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und Elterinnen und Eltern bleibt wenig mehr, als die Ärmel hochzukrempeln und sich nicht darauf zu verlassen, dass aus dem geschlossenen politisch-bürkoratisch-publizistischen Apparat Hilfe zu erwarten ist.
Andererseits, solange hier keine Vorgaben Initiativen behindern, ist das ja auch schon etwas. Wie man hat läuten hören, wurden Maßnahme eingeleiten um Dinge und Sachen zu ändern, Transparenz zu schaffen, Innovationen zu erleichtern, der Dynamisierung gerecht zu werden. Vieles ist noch zu tun, aber man auf einem guten Weg...
Voltaire