Seit 1948 treffen sich die Kultusminister der Bundesländer im Rahmen der „ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland“, kurz KMK, in Bonn, um trotz der Autonomie der Länder in der Bildungspolitik, gewisse gemeinsame Ziele zu verabreden.
Um diese Abstimmungs- und Koordinierungsarbeit zwischen den 16 Ministerien abzuwickeln unterhält die KMK ein Metaministerium mit einem administrativen Apparat mit (laut Wikipedia) stattlichen 220 Planstellen und einem Jahresetat derzeit 50 Millionen Euro, wobei 20 Millionen für Personal-, Sach- und Reisekosten ausgegeben werden.
Nach ihrer 319. Sitzung gaben die Kultusminister ihre neuesten Beschlüsse bekannt und fanden damit wie zu erwarten in die Schlagzeilen: Die Zahl der Schulabbrecher in Deutschland soll reduziert, wenn möglich sogar halbiert werden. Im vergangenen Jahr verließen 7,9 Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss, darunter mehr Jungen als Mädchen und mehrheitlich Kinder von Einwanderern.
Bereits im Januar hatte Bundesbildungsministerin, pardon: Forschungsministerin Annette Schavan angekündigt, die Quote der Abbrecher bis 2012 halbieren zu wollen, wobei man sich schon fragte, wie das in Sachen „Schule“ nicht zuständige BMBF dies erreichen wolle.
Um Misverständnissen vorzubeugen: Das Ziel, die Zahl der Jugendlichen zu verringern, die ohne einen Schulabschluss das Bildungssystem verlassen und ohne Aussicht auf weitere Ausbildung und Beschäftigung ins Leben geschickt werden, ist richtig.
Ein Land wie Deutschland kann es sich nicht erlauben, immer mehr junge Menschen ohne Perspektive zu lassen. Das insbesondere Kinder aus sozial schwachen Familien oder „mit einem Migrationshintergrund“ von der statistischen Wahrscheinlichkeit her eine negativ verlaufende Bildungs- und Berufsbiographie mit allen Satelliteneffekten erwartet, ist ein Skandal. Integration kann nur über Teilhabe gelingen und diese ist über Bildung zu erreichen.
Daher muss es den Entscheidungsträgern ein Anliegen sein, die Abbrecherquote zu reduzieren, schon allein aus der schlichten Einsicht, dass es sich eher lohnt, Investitionen in Bildung zu tätigen, die die Perspektive auf die Schaffung der Bedingung für die Möglichkeit, dass Menschen sich selber helfen können, als nie endende Sozialleistungen zu bezahlen. Nur eines ist teurer als in Bildung zu investieren – nicht in Bildung zu investieren.
Hermann Kant