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Interview mit dem Künstler Hermann Josef Hack

reticon-Report von Marion Döbert -- [04.01.2005]

Interview von Marion Döbert mit dem Künstler Hermann Josef Hack


 M.D.: Herr Hack, "reticon.de" ist eine Bildungswebsite. Im Wort "Bildung" steckt das Wort "Bild". Ist das für Sie als Aktionskünstler nur Wortspielerei oder gehört da wirklich was zusammen?

Zunächst möchte ich meine künstlerische Arbeit nicht auf den Begriff "Aktionskünstler" reduzieren lassen. Das ist etwa so, als ob man einen Schriftsteller danach einordnen würde, ob er mit der Schreibmaschine oder dem PC schreibt. Es ist richtig, dass ich viele Aktionen gemacht habe und mache, aber genauso auch Internetprojekte oder das erste interaktive Fernsehprojekt Van Gogh TV auf der documenta IX 1992. Außerdem male ich fast täglich Bilder auf Zeltplanen... insofern ist für mich die Ableitung des Wortes Bildung von Bild (im weitesten Sinne) durchaus richtig. Unsere Gesellschaft ist lange Zeit von Leit-Bildern (!) geprägt worden, die nur aus rationalen, wirtschaftlichen, besser gesagt: materialistischen Impulsen entstanden sind. Mehr als tausend Worte sagen Bilder, die unmittelbar ins Unterbewusstsein dringen. Wer die Macht über die Bilder hat - ich meine nicht die Kunstwerke in den Museen, sondern diejenigen, die uns täglich über die Medien erreichen - bildet unser Denken und beeinflusst unser Handeln. Deshalb versuche ich, in meinen Aktionen Bilder zu erzeugen, die über die Massenmedien verbreitet werden und den üblichen Bildbotschaften der Medien etwas anderes gegenüber stellen.reticon-Report

M.D.: Herr Hack, Sie sind Schüler von Beuys. Wurde Ihre Kunst dadurch besonders geprägt? Das wohl Wichtigste aus der Beuysschen Lehre, was ich versuche, mit meiner Arbeit in die Gegenwart, in unser globales Cyberspace-Zeitalter zu überführen, ist der Gedanke der Sozialen Plastik. Jeder von uns formt mit an dieser Gesellschafts-Skulptur, d.h. jeder verändert durch sein Handeln oder Nichthandeln unsere Gemeinschaft. Ich habe versucht, z.B. mit meinem Virtuellen Dach, einer Internetplattform, auf der man den Himmel über bestimmten Städten "kaufen" und mit Obdachlosen dieser Städte kommunizieren konnte - www.hack-roof.de - oder mit dem virtuellen Hochhaus über dem Reichstag, wo sich jeder kostenlos ein Zimmer über dem Bundestag einrichten und den Politikern aufs Dach steigen konnte, die Menschen an wichtigen gesellschaftlichen Fragen teilhaben zu lassen und ihnen Alternativen zu bieten, über unsere Gesellschaft mit einander neu in Kontakt treten zu können.

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