
Im Rahmen der Vorstellung von Museen auf reticon, die sich mit Medien auseinandersetzen, haben wir endlich auch das Heinz Nixdorf Museumsforum in Paderborn besucht.
Das HNF ist das weltweit größte Computermuseum. Auf mehr als 6.000 Quadratmetern wird die Geschichte des Computers anschaulich und begreifbar gemacht. Gegründet 1996 wird das Museum heute durch die Heinz Nixdorf Stiftung getragen. Ca. 100.000 Besucher finden jedes Jahr den Weg nach Paderborn.
Auch wenn Sie die Tages/Computerpresse verfolgen finden Sie
immer wieder Hinweise auf das HNF. Sei es, dass die Computermaus Geburtstag
feiert, der PC ein Jubiläum hat – oft finden Sie den Hinweis, dass Sie eines
der Originale in Paderborn bewundern können.
Betritt man das HNF erwartet den Besucher ganz unscheinbar direkt in der Eingangshalle die erste Attraktion. Dort findet sich eine Rekonstruktion des Schachautomaten von Wolfgang von Kempelens aus dem 18. Jhd.. Dieser „Automat“, der bei genauerem Hinsehen eine mechanisch äußerst trickreiche Konstruktion ist, die im Inneren statt des Automaten einen Schachspieler versteckte, war zu Napoleons Zeiten eine große Attraktion.
Den Computerenthusiasten erwartet dann im
eigentlichen Rundgang, der auf der ersten Etage beginnt, die erste
vermeintliche Enttäuschung. Wer meint direkt auf die erste ZUSE zu treffen,
wird rasch überzeugt, dass Computergeschichte viel mehr ist als eine
Gerätegeschichte der letzten hundert Jahre. Computergeschichte heißt die Geschichte
von Automatisierung, Rechnen, Kommunikation. Und damit beginnt die Ausstellung
im HNF konsequent. Zuerst wird ein Blick in die Geschichte der Kommunikation
geworfen. Wie hat sich Schrift entwickelt, wie haben Menschen miteinander
kommuniziert? Wie wurden Nachrichten übermittelt? Wie wurde im alten Ägypten
gerechnet?
Auf all diese Fragen bekommt man hier eine Antwort. Stilgerecht in einer Kombination aus klassischer Ausstellung und Infoterminals, die viele Inhalte anhand von Filmen und Simulationen deutlich machen.
Im Bereich des Rechnens werden die unterschiedlichen Automatisierungsideen vorgestellt. Abakus und römischer Rechentisch stehen bereit. Wer das Arithmeum in Bonn kennt, wird sich hier sofort zu Hause fühlen und vieles wieder erkennen.
Im Anschluss geht es dann wirklich mit „Computergeschichte“ los und schnell wird klar, dass die Geschichte der Automatisierung hin zu dem, was wir heute unter Computer verstehen, zuerst eine Geschichte der Mechanik ist. Der damalige „Computer“ ist vom Verwandtschaftsgrad eher ein Webstuhl denn ein PC. Eine große Galerie berichtet dann über die Pioniere der Computergeschichte. Zu nennen ist hier z.B. Herman Hollerith, der als Vater der Lochkartensysteme gilt.
Eines wird auf dieser Etage auch deutlich. Auch wenn Computer bei den Möglichkeiten dem immer ähnlicher werden, was wir heute darunter verstehen: Davon, dass ein Computer unter jedem Schreibtisch steht, ist man noch weit entfernt. Computer sind so teuer, dass nur Militär, Forschungseinrichtungen und Universitäten sich diese Ungetüme leisten können. Auch der reine Platzbedarf sprengt Dimensionen – Stromverbrauch und Kühlungssysteme gar nicht mit bedacht.
In der zweiten Etage findet man dann auch vielmehr heutige
Computertechnik. Geräte aus der guten alten Zeit, Atari, IBM PCs usw. Daneben
finden sich aber auch moderne Ungetüme wie z.B. eine Cray 2.
Der Schluss der Ausstellung bietet dann auch Ausblicke in
die Zukunft – also weniger Geschichte der Computertechnik. Mit zwar schon etwas
betagten SGI-Maschinen wird ein Ansatz von Virtual Reality möglich. Künstliche
Intelligenz wird thematisiert und auch auf die heutigen Veränderungen durch
neue Kommunikationswege wird eingegangen.
Insgesamt bietet das Museum vielfältige Einstiege für eine Reise in die Geschichte des Computers. Viele Ausstellungsstücke, die Möglichkeit Dinge und Geräte auch einmal anzufassen und aktiv auszuprobieren sprechen für die moderne Präsentationsform und eine zeitgemäße Museumspädagogik.
Dabei ist das Museum keineswegs nur etwas für „Computerverrückte“.
Gerade die Kombination mit der Geschichte der Schrift und Kommunikation geben auch
dem „klassischen Besucher“ viele interessante Einblicke.
Ein herzlicher Dank geht noch an die Pressestelle des HNF, die uns mit weiterem Material versorgte und uns freundlicher Weise eine Genehmigung für das Fotografieren im HNF gab!
Im Internet können Sie sich im HNF weiter informieren:
http://www.hnf.de/
Stanislaw Jerzy Lec