
Nach dem ersten Teil von Quentin Tarantinos viertem Film KILL BILL war man sich in der Fan Gemeinde uneins: kaum coole Sprüche, überhaupt wenig Text, dafür eine meditative Bildgestaltung, Schwertkämpfe als stilisiertes -deswegen aber nicht weniger blutiges- Ballet und eine schnurgerade Handlung.
Kai Mihm hatte den ersten Teil von KILL BILL zum Anlass genommen, in der epd-Film einee furios geschriebenene Polemik ("Tarantino und das Kultkino der Neunziger" in epd Film 11/2003) wider Tarantino und sein Kino zu veröffentlichen: "Die Filme von "Tarantino & Co." hingegen sind viel Pose, aber keinerlei Haltung. Und die Gewalt, speziell in Pulp Fiction und Kill Bill, ist nicht nur gedankenlos, sondern schlichtweg Ausdruck von Dummheit.
"Anders als bei Kubrick, Scorsese oder Stone hat die Gewalt bei Tarantino keinerlei sozialen, politischen oder persönlichen Kontext. Bei ihm ist Gewalt kein Statement, sondern ein Fashion-Statement"", schrieb ein amerikanischer Kritiker anlässlich der Blutorgie Kill Bill.
Tatsächlich dürfte Tarantinos neuestes Werk einer der blutigsten amerikanischen Mainstream-Filme aller Zeiten sein. Rein handwerklich ist er hervorragend gemacht. Aber es ist ein eiskalter Film, und mehr noch als Pulp Fiction drückt er sich um die emotionalen und körperlichen Konsequenzen von Gewalt herum.
Wenn Uma Thurman in Kill Bill um ihr getötetes Kind trauert, wirkt das wie eine hoffnungslos überzogene, Beifall heischende "Performance", als wollte Tarantino beweisen, was er alles aus dieser Schauspielerin "herausholen" kann."
Georg Seeßlen hatte schon den ersten Teil recht positiv bewertet. Der zweite Teil ist für ihn nicht weniger als "das erste Meisterepos im Werk dieses Regisseurs.".
"In "Kill Bill" muss uns Tarantino nicht mehr beweisen, dass es keinen Widerspruch zwischen Trash und Kunst gibt. Er bewegt sich schon mit der neugierigen Gelassenheit eines Meisters in seinem eigenen Universum, wie Fellini, wie Ford, und er kann in dieser Meisterschaft ein paar Fragen stellen, das Leben und die Fiktionen betreffend, die schmerzender sein können, als es bei all dem kinetisch verschärften Zeichenspaß zunächst scheinen mag."
Lesen Sie die ganze Rezension "Dornröschens Erwachen" von Georg Seeßlen in der TAZ
Auch Tobias Kniebe in der SZ scheint völlig berauscht von KILL BILL Volume 2. Jedenfalls liest sich seine Kritik als wäre sie "under influence" entstanden.
""Kill Bill Vol. 2" ist Tarantinos Schlüsselwerk. Ein Film, der alles klarer macht, was bisher war - nicht nur den ersten Teil, der letzten Oktober lief. (...) Das Kennzeichen des Meisters ist, neben der Meisterschaft, die dozierende Rede. Sie ist auch das Kennzeichen Tarantinos.
Ob er selbst als Mister Brown die Bedeutung eines Madonna-Songs erklärte, ob er John Travolta über Big Macs in Europa philosophieren oder Samuel Jackson feuerspeiend Bibelstellen deklamieren ließ - stets war darin ein pädagogischer Impetus zu spüren, der sich der Rede des Meisters entlehnte. In "Kill Bill Vol. 2" führt er diese Poesie zu neuen Höhen."
Um einen Eindruck für die "Glücksgefühle dieses Films" (O-Ton Kniebe) zu bekommen, wird man sich KILL BILL, Vol. 2 im Kino ansehen müssen.
Lesen Sie die ganze Kritik "Würmer in den Klauen des Adlers" von Thomas Kniebe in der SZ
Auch Andreas Kilb findet in der FAZ nur lobende Worte für die 136 Minuten in Cinemascope.
""Kill Bill: Volume 2" ist die Geschichte einer Selbstbefreiung, für Uma Thurman wie für ihren Regisseur. Denn auch Quentin Tarantino hatte sich mit "Kill Bill: Volume 1", dem ersten Teil seines Epos um die namenlose Braut (die im zweiten Teil dann doch einen Namen bekommt) in eine Falle manövriert, er war so tief in die Kammer seines eigenen Wissens und Könnens herabgestiegen, daß sein Film zum Ausstellungsgegenstand zu werden drohte. Zwar hackte und köpfte sich die blonde Uma mit ihrem Samuraischwert eine Gasse durch all den Kinobildungswust, aber selbst die virtuoseste Metzelei konnte den Verdacht nicht ausräumen, daß aus den abgetrennten Häuptern und Gliedmaßen in Wahrheit kein Blut, sondern lauter flüssig gemachtes Zelluloid strömte: Reminiszenzen eines filmischen Rappelkopfs, der sich in sich selbst verlaufen hatte. "Kill Bill: Volume 1" war ein Zitatentanz ohne erzählerische Mitte, "Kill Bill: Volume 2" ist eine Erzählung, die Erzähltes zitiert, um es für ihren Zweck einzusetzen. So schnell schlägt Simulation um in Substanz. Und umgekehrt.
(...)
Tarantino hat, wie schon in "Kill Bill: Volume 1" und in "Pulp Fiction", die Story in autonome Episoden zerlegt, die nur lose aneinanderhängen wie Stationen eines Schelmenromans. So tritt das einzelne Kabinettstück umso deutlicher hervor, etwa die Szene, in der sich Elle Driver und Beatrix Kiddo im Wohnwagen von Budd (Michael Madsen) mit Schwertern traktieren, bis die vertrackte Innenarchitektur des Trailers in einen einzigen Raum der Verwüstung verwandelt ist, in dem die Braut mit dem ausgerissenen Auge der zuvor schon einäugigen Elle in der Hand als Siegerin steht. Sie läßt es fallen, und die Kamera zeigt das Organ in Großaufnahme, während Uma Thurman es genüßlich zertritt - Tarantinos Antwort, vielleicht, auf das zerschnittene Auge in Bunuels "Andalusischem Hund", oder vielleicht auch nur eine weitere Verbeugung vor den Kino-Legenden der Shaolin. Wer es wissen will, findet die Antwort im Internet, wo sich inzwischen eine weltweite Gemeinde um den Kultmeister Tarantino versammelt hat."
Lesen Sie die ganze Kritik "Das Komma des Samurai: Kill Bill: Volume 2" von Andreas Kilb hier...
Auch Oliver Hüttmann schreibt bei SPIEGEL Online von einem Film, der seinen Schöpfer als besten Regisseur der Gegenwart ausweist. Lesen Sie den ganzen Artikel "Die Braut haut ins Auge" hier...
Schließlich DIE ZEIT: Katja Nicodemus meint "Im Grunde ist Kill Bill Volume 1 + 2 eine einzige große sarkastische Familienzusammenführung". Lesen Sie den ganzen Artikel "Tod im Kinderzimmer" hier...
Anonym