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Für immer Big Brother

reticon-Report von Martin Ragg -- [17.10.2004]

Nachdem Big Brother in den letzten Tagen seit langem einmal wieder Aufsehen erregte, indem Kandidaten sich mit "Judenwitzen" hervortaten und daraufhin reflexartig alte Diskussionen rund um die Medienkontrolle wachwurden, Redakteure gefeuert wurden - wird jetzt schon das Nachfolgeformat in die Diskussion gebracht: Angeblich soll Big Brother unter dem Titel forever ab März 2005 in einer künstlichen Stadt starten Die Kandidaten sollen dort für Jahre leben - und natürlich ihr Leben den Fernsehzuschauern darbieten.

So abstrus die Idee klingt, denn wer soll das bitteschön schauen, so wird hier einmal die Welt auf den Kopf gestellt. Eine Sendung baut quasi die Truman-Show nach, wer Lust hat, kann sich ja die real-virtuell-Szenarien durchspielen.

Auf der anderen Seite lohnt aber auch ein Blick in die Rezeption der anderen Medien. Hier wird sehr deutlich, wie Online-Medien funktionieren. Den Ursprung bildet wohl eine Meldung der Welt am Sonntag. Als Experte wird (fast natürlich) Jo Groebel befragt. Nichts gegen Herrn Groebel, aber den Medien scheint sonst kein anderer Experte einzufallen.
Der Artikel der Wams wird Rainer Laux indirekt mit dem neuen Format wiedergegeben. Richtig los geht es dann, als sich Spiegel-Online des Themas annimmt und quasi den Wams-Artikel inhaltlich aufgreift ... und um die Hälfte gekürzt zitiert.
Und so nimmt dann eine Meldung ihren Lauf: Yahoo, Rp-online etc. verweisen gar nicht mehr auf die Wams, hier wird direkt geschrieben, dass "laut Meldung des Spiegel usw.." Anscheinend ist der Spiegel immer noch eine Autorität im Land.

Bleibt die Frage, was Herr Laux wirklich gesagt hat, ob er etwas gesagt hat. Zumindest ein Interview mit ihm haben wir nirgends gefunden.
Und zum Schluss nochmals eine Angewohnheit in Online-Medien, die uns weiterhin stört: Keiner gibt seine Quellen an, bzw. verlinkt auf die benutzten Materialien. Da mag die Angst der Rechtsabteilung dahinterstehen, was man mit Links sich alles vielleicht an Verantwortung einkauft (oder eben auch nicht), aber zum guten Stil sollte gehören, die benutzten Quellen auch anzugeben.
Aber so funktioniert die Online-Medien-Welt leider heutzutage.

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