
Die Katholische Fakultät in Münster veranstaltete ein Symposium zu Mel Gibsons "Passion of the Christ"
"Die Welt ist voller Magie" Mit diesen Worten beginnt der Trailer des in Amerika gefloppten und auch aus Sicht der hiesigen Feuilletons reichlich bekloppten Disneyfilms "Bärenbrüder". Die zehntausend Jahre alte Geschichte der Verwandlung eines Menschen in einen Bären scheint dem deutschen Publikum aber dennoch sehenswerter als die neuste Verfilmung des Leiden Jesu von Mel Gibson, die in Amerika dabei ist, alle Zuschauerrekorde zu brechen und zum erfolgreichsten Film aller Zeiten zu werden.
Grund genug für die Theologische Fakultät Münster, sich diesem Phänomen wissenschaftlich und interdisziplinär zu widmen. Hierzu fand am 7. und 8. Mai 2004 in den Räumen der katholischen Fakultät ein Symposium mit dem Titel: "Die Passion Christi. Der Film von Mel Gibson und seine theologischen und kunstgeschichtlichen Kontexte" statt.
Wie es der Titel vermuten lässt, bildete die Einordnung des Films in die lange Reihe religiöser Kunstwerke und Passionsspiele einen thematischen Schwerpunkt. Aber auch die Frage nach dem Antisemitismus des Films und des Neuen Testaments, die von vielen Kritikern untrennbar miteinander verknüpft wurden, war Diskussionsgegenstand vieler Referenten, allen voran der bekannten Neutestamentler Martin Ebner.
Den Auftakt bildete jedoch ein Vortrag des Dramaturgen der weltbekannten Passionsspiele in Oberammergau. Diese von über 2000 Mitwirkenden getragene traditionsreiche Aufführung (seit 1634) gilt zurecht als stilbildend für die Darstellung der Passion Christi. Die eigentliche Vorlage des Films, wie Reinhold Zwick, einer der Initiatoren des Symposiums, verdeutlichte, ist jedoch nicht in den Passionsspielen zu suchen, sondern in dem Buch "Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi", in dem Clemens Brentano die Visionen der Seherin Anna Katherina von Emmerich aufzeichnete. Sie selbst hatte Wundmale empfangen und war, wie es Otto Kallscheuer in der FAZ schrieb, "eine rechte Blutfetischistin".
Was aber sagt der Film über unsere Kultur und unsere Epoche zu Beginn des 21. Jahrhunderts aus? Spiegelt der Film nicht auch unser Verhältnis zum Körper, der zur absoluten Instanz zu sein geworden scheint? Und versucht er nicht auch, nach dem 11. September eine neue kulturelle Identität (in Amerika) zu stiften? Jeder Jesusfilm hat Provokationen ausgelöst und sicherlich bekommt jede Generation den Jesusfilm, der zu ihr passt.
Die Vorträge des Symposiums werden demnächst in einem Sammelband im Aschendorff-Verlag veröffentlicht.
Weitere Informationen:
G. C. Lichtenberg