
Die Geschichte
Inspiriert durch einen Artikel auf Spiegel-Online von Tobias Moorstedt,
indem in einem Interviews zur Neuauflage des Computerspiels Deus Ex II
kurz auf die Verwendung des Deus-Ex-Machina-Prinzips eingegangen wurde,
möchte ich Ihnen dieses doch sehr alte Prinzip näherbringen und seine
Verwendung als Element in den Neuen Medien betrachten.
Ursprünglich stammt Deus Ex Machina aus dem griechischen Theater.
Der Begriff selbst stammt aus dem frühen 18. Jhd. bezieht sich aber auf
das griechische Theater. Hier schwebten an einem Kran Götter, die bei
Bedarf hereingeschwenkt wurden und in die Handlung eingriffen.
Sie
kamen meist dann zum Einsatz, wenn es galt verworrene Situationen
aufzuklären oder so zu lösen, dass die Handlung fortgeführt werden
konnte.
Man findet dies z.B. in Redewendungen wie er kam als rettender Deus ex machina.
Im Laufe der Zeit etablierte sich Deus Ex Machina als Begriff für ein
Prinzip, das eher negativ besetz war. Besonders in der Literatur sprach
es aber oft nicht gerade für die Kreativität des Autors, wenn Kritiker
von Deus-Ex-Machina sprachen. Dies stand sinnbildlich für eine nicht
stringente Handlungsentwicklung.
Beispiele
Schaut man in die jüngere (Literatur-) geschichte so findet man einige Beispiele des Deus-Ex-Machina Prinzips.
Z.B. wird der reitende Bote in Brechts Dreigroschenopen otmals als Deus Ex Machina bezeichnet.
Man findet es als direkte Verwendung z.B. bei Rosa Luxemburg:
Wird mit der Erweiterung der Produktion im Lande mehr Geld erforderlich, so wird eben auch die Goldproduktion dementsprechend erweitert.(5) Wir landen also schließlich glücklich beim Goldproduzenten, der schon bei Marx die Rolle des Deus ex machina spielt. (Luxemburg, Akkumulation des Kapitals, Kap. 22)
In nachfolgender Buchrezension wird der oft enthaltene negative Aspekt deutlich:
Es
gibt Bücher, die müssen nicht unbedingt sein - dies hier ist so eins.
Gut, wer es mag, daß das Deus ex machina-Prinzip ausgiebig zum Einsatz
kommt, wer sich nicht daran stört, daß die Motivationen einzelner
Handlungen nicht unbedingt notwendig sind, wer sich damit zufrieden
gibt, einer inkonseqenten und zusammengewürfelten Gesamthandlung zu
folgen und sich an dumm-witzigen Wortspielen erfreuen kann, bitte.
(Quelle: http://www.luise-berlin.de/Lesezei/Blz98_11/text44.htm)
Was hat nun aber Deus-Ex-Machina mit den neuen Medien zu tun?
Die These ist, dass Deus-Ex-Machina hier eher spielerisch und vor allem
bewusst verwendet wird. Es wird quasi zu einem Stilelement, das Eingang
in die Programmierung von Computerspielen, Filmen und vielleicht sogar
selbst ein modernes Programmierprinzip ist.
Doch davon mehr im nächsten Teil dieses Artikels.
Neue Medien und Deus Ex Machina
In dem bereits erwähnten
Spiegelartikel lösten die Programmierer die verworrene Situation
"Spieler verlässt die vorgegebene Computerwelt" durch einen netten
Trick, mit dem sie die Welt überraschend neu erklärten und die
Geschichte "hält".
Auf der Suche nach weiteren Verwendungen in
heutigen Medienproduktionen bin ich schnell auf den zweiten Teil der
Matrix-Trilogie gestoßen. Wie in den Matrix-Filmen üblich wird mit
Bezügen und Anspielungen ausführlich gespielt (verwiesen sei alleine
auf die Namensgebung: Die Stadt Zion, Der Auserwählte, Das Schiff
Nebukadnezar etcpp.
Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass man auch eine
ausführliche Anspielung auf Deus Ex Machina findet. Es handelt
sich um eine Szene am Ende des zweiten Teils, das Treffen zwischen Neo
und dem Architekten.
Neo gelangt mit Hilfe des Schlüsselmachers in
einen geheimen Raum und begegnet dort dem Architekten. Dieser stellt
ihn vor eine eigentlich nicht zu treffende Entscheidung - die klassisch
verworrene Situation:
Verlässt Neo den Raum durch die linke Tür,
stirbt seine Liebe Trinity, aber die Menschheit und Zion werden
gerettet. Nimmt er die rechte Tür, rettet er Trinity, Zion wird jedoch
vernichtet.
Diese ausweglose Situation löst Neo auf, er rettet
Trinity und es scheint zuerst, als ob Zion tatsächlich verloren ist.
Aber im weiteren Verlauf zeigt sich, dass er auch in der "realen" Welt
neue Möglichkeiten gegenüber den Maschinen hat. Er hat gewissermaßen
den gordischen Knoten zerschlagen.
In Matrix bedienen sich die
Wachowskybrüder des Deus Ex Machina-Prinzips als Mittel der
Spannungssteigerung. Die Handlung kann fortgesetzt werden, der
Zuschauer wartet gespannt auf den dritten Teil. Dass dies nur teilweise
geklappt hat, konnte man an den unterschiedlichen Reaktionen auf die
Fortsetzungsteile sehen.
Man kann die Matrix-Szene sogar noch
weiter interpretieren. Neo begegnet mit dem Architekten quasi dem Gott
der Maschinen als dem Deus In Machina - ob dies von den
Drehbuchschreibern vorgesehen war sei dahingestellt.
Insgesamt ist
das Deus Ex Machina Prinzip hier bewusst eingesetzt worden als eines
von vielen Motiven, auf die man anspielend zurückgriff.
In der Recherche zu diesem Artikel bin ich noch auf eine andere Verwendung von Deus Ex Machina gestoßen. Aus diesem Grund zum Abschluss des Artikels ein Verweis auf ein Interview mit Roger Sennert zum Thema "Deus Ex Machina aus Sicht der Informatik".
Wir haben uns
entschlossen das Interview als separaten Beitrag zu veröffentlichen, da
es den Rahmen dieses Artikels gesprengt hätte.
Zum Interview mit Roger Sennert
Verwendete Quellen:
Nachfolgend die verwendeten Quellen zu diesem Artikel, z.T. habe ich die stichwortartigen Skizzen belassen, falls jemand sich tiefer mit diesem Thema beschäftigen möchte.
IDS Mannheim
http://www.ids-mannheim.de/lexik/fremdwort/artikel/Deusexmachina.pdf
Franziska Schröder: Wörter unter der Lupe
http://nextgalerie.de/deutsch/deus-ex-machina.htm
Deus ex Machina Goedart Palm 04.04.2001
SMS als virtueller Gottesbeweis oder: Zur Kommunion von Kirche und Medien
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/7274/1.html
Das Internet selbst als Deus ex machina, das plötzlich alle Probleme löst
Semantic Web als DEM, siehe c't
Brecht, Dreigroschenoper, der reitende Bote
Rosa Luxemburg: Akkumulation des Kapitals (Kap. 22)
Wird mit der Erweiterung der Produktion im Lande mehr Geld
erforderlich, so wird eben auch die Goldproduktion dementsprechend
erweitert.(5) Wir landen also schließlich glücklich beim
Goldproduzenten, der schon bei Marx die Rolle des Deus ex machina
spielt.
Aus einer Buchrezension:
Es gibt Bücher, die
müssen nicht unbedingt sein - dies hier ist so eins. Gut, wer es mag,
daß das Deus ex machina-Prinzip ausgiebig zum Einsatz kommt, wer sich
nicht daran stört, daß die Motivationen einzelner Handlungen nicht
unbedingt notwendig sind, wer sich damit zufrieden gibt, einer
inkonseqenten und zusammengewürfelten Gesamthandlung zu folgen und sich
an dumm-witzigen Wortspielen erfreuen kann, bitte.
http://www.luise-berlin.de/Lesezei/Blz98_11/text44.htm
SPIEGEL ONLINE: "Deus Ex Machina" ist ein Stilmittel der griechischen
Tragödie. Situationen, die aus der Handlung heraus nicht aufgelöst
werden können, wurden durch das Eingreifen einer Gottesfigur gelöst.
Damals schwebte die Gottesfigur in einer kranartigen Maschine über der
Bühne. Wo steckt Gott bei Ihnen? In der Videospielkiste?
Smith: Der
Spieler ist Gott. Die Kontrolle über Gen- und Nanotechnik bedeutet doch
unbegrenzte Macht. Es gibt viele Auflösungen der Geschichte in dem
Spiel. Aber in einem Ende, dem Happy End sozusagen, teilt sich die
Menschheit friedlich die Technologie und erhält unbegrenzte Ressourcen.
Verteilungskämpfe wären dann nicht mehr notwendig. Ein schöner Gedanke.
Aber so muss es ja nicht kommen.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,289094-2,00.html
Obervorsteher und Dirigenten der Schicksale (Golem, gleichgesetzt mit DEM), Stanislaw Lem
http://www.heise.de/tp/deutsch/kolumnen/lem/5706/1.html
Deus Ex Machina als Prinzip, das einen Unterschied zwischen Realität und Virtualität aufzeigt
Smith: Es gibt so genannte subversive Spieler, die eigene Interessen
und Ziele entwickeln und nicht mehr die vorgeschlagene Storyline
verfolgen. In "Deus Ex 1" gab es zum Beispiel Tretminen. Ein paar
Spieler haben die aber nicht benutzt, um etwas in die Luft zu jagen,
sondern haben sich mit den Bomben eine Trittleiter gebaut, um Wände
hochzuklettern. Irgendwann krabbelten sie dann aus der Spiel-Landkarte
heraus.
SPIEGEL ONLINE: Und erfuhren sie, was sich im Jenseits befindet?
"Possibility Rooms": Möglich ist, was die "Spiel-Physik" zulässt
Smith: Ja. Das sind Programmiererspäßchen. Man steht dann auf einem
Würfel, der das Universum enthält, unter einem endlosen Sternenhimmel.
Und dann stehen da noch eine Lampe und ein leeres Sofa. Wir hätten
nicht gedacht, dass das mal jemand zu sehen bekommt. Aber die Leute
lieben es. In einem Brief beschrieb das einer mal als spirituelles
Erlebnis.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,289094,00.html
Seneca