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Deus Ex Machina

reticon-Report von Martin Ragg -- [06.04.2004]

Neue Medien und Deus Ex Machina
In dem bereits erwähnten Spiegelartikel lösten die Programmierer die verworrene Situation "Spieler verlässt die vorgegebene Computerwelt" durch einen netten Trick, mit dem sie die Welt überraschend neu erklärten und die Geschichte "hält".
Auf der Suche nach weiteren Verwendungen in heutigen Medienproduktionen bin ich schnell auf den zweiten Teil der Matrix-Trilogie gestoßen. Wie in den Matrix-Filmen üblich wird mit Bezügen und Anspielungen ausführlich gespielt (verwiesen sei alleine auf die Namensgebung: Die Stadt Zion, Der Auserwählte, Das Schiff Nebukadnezar etcpp.

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass man auch eine ausführliche Anspielung auf  Deus Ex Machina findet. Es handelt sich um eine Szene am Ende des zweiten Teils, das Treffen zwischen Neo und dem Architekten.
Neo gelangt mit Hilfe des Schlüsselmachers in einen geheimen Raum und begegnet dort dem Architekten. Dieser stellt ihn vor eine eigentlich nicht zu treffende Entscheidung - die klassisch verworrene Situation:
Verlässt Neo den Raum durch die linke Tür, stirbt seine Liebe Trinity, aber die Menschheit und Zion werden gerettet. Nimmt er die rechte Tür, rettet er Trinity, Zion wird jedoch vernichtet.
Diese ausweglose Situation löst Neo auf, er rettet Trinity und es scheint zuerst, als ob Zion tatsächlich verloren ist. Aber im weiteren Verlauf zeigt sich, dass er auch in der "realen" Welt neue Möglichkeiten gegenüber den Maschinen hat. Er hat gewissermaßen den gordischen Knoten zerschlagen.
In Matrix bedienen sich die Wachowskybrüder des Deus Ex Machina-Prinzips als Mittel der Spannungssteigerung. Die Handlung kann fortgesetzt werden, der Zuschauer wartet gespannt auf den dritten Teil. Dass dies nur teilweise geklappt hat, konnte man an den unterschiedlichen Reaktionen auf die Fortsetzungsteile sehen.
Man kann die Matrix-Szene sogar noch weiter interpretieren. Neo begegnet mit dem Architekten quasi dem Gott der Maschinen als dem Deus In Machina - ob dies von den Drehbuchschreibern vorgesehen war sei dahingestellt.
Insgesamt ist das Deus Ex Machina Prinzip hier bewusst eingesetzt worden als eines von vielen Motiven, auf die man anspielend zurückgriff.

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