Neue Medien und Deus Ex Machina
In dem bereits erwähnten
Spiegelartikel lösten die Programmierer die verworrene Situation
"Spieler verlässt die vorgegebene Computerwelt" durch einen netten
Trick, mit dem sie die Welt überraschend neu erklärten und die
Geschichte "hält".
Auf der Suche nach weiteren Verwendungen in
heutigen Medienproduktionen bin ich schnell auf den zweiten Teil der
Matrix-Trilogie gestoßen. Wie in den Matrix-Filmen üblich wird mit
Bezügen und Anspielungen ausführlich gespielt (verwiesen sei alleine
auf die Namensgebung: Die Stadt Zion, Der Auserwählte, Das Schiff
Nebukadnezar etcpp.
Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass man auch eine
ausführliche Anspielung auf Deus Ex Machina findet. Es handelt
sich um eine Szene am Ende des zweiten Teils, das Treffen zwischen Neo
und dem Architekten.
Neo gelangt mit Hilfe des Schlüsselmachers in
einen geheimen Raum und begegnet dort dem Architekten. Dieser stellt
ihn vor eine eigentlich nicht zu treffende Entscheidung - die klassisch
verworrene Situation:
Verlässt Neo den Raum durch die linke Tür,
stirbt seine Liebe Trinity, aber die Menschheit und Zion werden
gerettet. Nimmt er die rechte Tür, rettet er Trinity, Zion wird jedoch
vernichtet.
Diese ausweglose Situation löst Neo auf, er rettet
Trinity und es scheint zuerst, als ob Zion tatsächlich verloren ist.
Aber im weiteren Verlauf zeigt sich, dass er auch in der "realen" Welt
neue Möglichkeiten gegenüber den Maschinen hat. Er hat gewissermaßen
den gordischen Knoten zerschlagen.
In Matrix bedienen sich die
Wachowskybrüder des Deus Ex Machina-Prinzips als Mittel der
Spannungssteigerung. Die Handlung kann fortgesetzt werden, der
Zuschauer wartet gespannt auf den dritten Teil. Dass dies nur teilweise
geklappt hat, konnte man an den unterschiedlichen Reaktionen auf die
Fortsetzungsteile sehen.
Man kann die Matrix-Szene sogar noch
weiter interpretieren. Neo begegnet mit dem Architekten quasi dem Gott
der Maschinen als dem Deus In Machina - ob dies von den
Drehbuchschreibern vorgesehen war sei dahingestellt.
Insgesamt ist
das Deus Ex Machina Prinzip hier bewusst eingesetzt worden als eines
von vielen Motiven, auf die man anspielend zurückgriff.
Terenz