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Der Pädagoge als Eventmanager

reticon-Report von Ralf Kellershohn -- [16.10.2007]

Im Studium wird der Pädagoge als wissenschaftlich denkender Mensch gebildet. Im wissenschaftlichen Nachdenken über komplexe Begriffe wie "Bildung" und "Erziehung" geschult, sieht er sich in der Praxis des Arbeitsalltags v.a. als Eventmanager, Werbetextverfasser und Druckerzeugnisorganisierer gefordert. Warum lernt man dies nicht schon im Studium?

Während des Studiums der Erziehungswissenschaft gilt es manche Nuss zu knacken: Humboldt und Horkheimer, Klafki und Kant sind alles andere als Strandlektüre. Nicht ohne Mühe kämpft sich manche/r durch die "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen" oder die "Dialektik der Aufklärung".

Im Textstudium soll am Begriff des Allgemeinen, Abstrakten ein Urteilsapparat entwickelt werden, der als innerer Kompass geeignet sein und dienen soll, sich in den Niederungen der konkreten pädagogischen Praxis zu bewegen.

Der im Studium entwickelte Begriff des Pädagogischen soll innere Richtschnur in der Praxis sein, um diese kritisch zu prüfen, ob die Umstände pädagogisches Handeln ermöglichen, ob die eigenen unternommenen Maßnahmen geeignet sind die Mündigkeit des pädagogischen Subjekts zu befördern und - falls dies nicht so ist - entsprechende Korrekturen vorzunehmen.

Solchermaßen gestärkt tritt der Pädagoge in die Welt, fest entschlossen die sich im pädagogischen Verhältnis vollziehende und vorweggenommene Vision der Möglichkeit einer  humaneren Welt zu realisieren, sich im pädagogischen Handelns um die Verbesserung und Vervielfältigung der Kompetenzen, Kräfte und Möglichkeiten der darin aufeinander Bezogenen zu bemühen.

Aber womit beschäftigt sich der Pädagoge? Mit Flyern (Leporello oder andere Faltung?) , Druckereien (CMYK, HKS oder Pantone?), Webseiten und CMS (Joomla oder Typo3?), Verteilern und dem Erstellen von Angebotsvergleichen für Werbemittel und dem Organisieren von Veranstaltungen (Fingerfood oder Flying Buffet? Warm oder Kalt? Vegetarisch oder Fleisch?), Tonsystemen, Blumenbouquets, Bühne, Namensschilder (Clips oder Nadel?), usw.

Sollte die Lehre aus all dem lauten: Weniger Bildungstheorie mehr Eventmanagement?

Ja und nein.

Ja, weil es sinnvoll ist, schon im Studium in Projektmanagement, den planenden Umgang mit Ressourcen, das Organisieren, Umsetzen und Prüfen parallel laufender Prozesse eingeführt zu werden. Da das Projektmanagement in der pädagogischen Praxis häufig v.a. solche Kompetenzen abverlangt, ist es sinnvoll und nötig, sich in kleinen Projekten zu üben. Im Grunde bieten Referate schon die Möglichkeit: Es muss ein bestimmtes Ziel mit bestimmten Mitteln zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Qualität erreicht werden, das zumeist auch noch in einem Team.

Nein, weil die Praxis sich als ein Geflecht vorrangig logistischer Zwänge und „To Do“s darstellt, dass darüber die Frage des "Warum" allzuhäufig in den Hintergrund tritt. Um so wichtiger ist es, dass die sich in dieser Praxis bewegenden Pädagogen über die Kompetenz verfügen, die eigene Praxis (und die Umstände) kritisch auf den Anspruch, pädagogisch zu sein, prüfen  zu können. Verdient das, was sie tun, wie sie es tun, warum sie es tun und unter welchen Umständen sie es tun die Zuschreibung „pädagogisch“ zu sein?

Den Unterschied von Pantone und HKS kann jeder in der Praxis kennenlernen. Warum bestimmte Vorstellungen pädagogischer, gesellschaftlicher oder politischer Praxis aus pädagogischen Gründen abzulehnen sind, wird nur derjenige überhaupt erkennen, geschweigedenn zu formulieren vermögen, der/die über einen entsprechend geeichten Geigerzähler verfügt. Aber grundsätzlich könnte ein Handbuch "Projekt- und Eventmanagement für Pädagogen" sicher nicht schaden.

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