Kontakt  Presse  reticon-Redakteure   Impressum   Datenschutz  
reticon Bildung und Neue Medien
reticon - Bildung und Neue Medien

Der Musterschüler

reticon-Report von Ralf Kellershohn -- [13.02.2004]

Der 3Sat Moderator Gerd Scobel ist der Chefexorzist wider den Bohlen-Dämon und Hoffnunsgträger all derer, die das Feld nicht der medialen Indifferenz nach der Maßgabe "SO Scheiße, dass es schon wieder a) cool, b) geil oder c) KULT ist" (zutreffendes bitte ankreuzen) überlassen wollen. Frei nach Tucholsky: "Auch wer dumm ist muss erkennen - Unsinn soll man Unsinn nennen".

Das macht Scobel auf viel intelligentere Art. Nicht zynisch, kritisierend, den ohnehin am Boden liegenden, dort beheimateten Stumpfsinn von oben treten, sondern positiv, mit einem unaufgeregt vorgetragenem Angebot an Qualitätsfernsehen ohne Professorengeste.

Seine intelligenten und wohlklingenden Moderationen erfreuen immer wieder in der täglichen Kultursendung KULTURZEIT und seit neuestem in DELTA, einer Art Wissenschaftssendung im Schnittfeld von Geistes- und Naturwissenschaften mit gesellschaftspolitischen aber auch prinzipienwissenschaftlichen Bezug.

3Sat schreibt zum Konzept von DELTA: "Ein Thema - viele Perspektiven: "delta“ bringt die unterschiedlichen Disziplinen und Interessen miteinander ins Gespräch, deckt aber auch deren Widerstreit mit den gesellschaftlichen Kräften auf. Damit wird die im Fernsehen fehlende Brücke zwischen Philosophie und Politik, Wissenschaft und Kunst, Technik und Ethik, gesellschaftlicher Entwicklung und individueller Lebensweise geschlagen. "delta“ fragt nach dem Selbstverständnis des Menschen heute. Ab 4. März ist "delta“, das Denk-Magazin mit Gert Scobel jeden zweiten Donnerstag um 21.00 Uhr in 3sat zu sehen."

Ein gewagter Anspruch. Was ist das für ein Mensch, der allen ernstes versucht, Wissenschaft, gar Philosophie, ins Fernsehen zu bringen? Markus Brauck portraitiert die menschgewordene Gegendefinition von Quotenstumpfsinn in der Frankfurter Rundschau vom 13.02. 2004:

"Gert Scobel ist ein bisschen der Hardcore-Intellektuelle im deutschen Fernsehen, weshalb er naturgemäß seine Nische beim elitären Randgruppensender 3 Sat fand. Auch wenn ihm Humor, gerade in seinen Moderationen, nicht fremd ist, lässt der 44-Jährige niemals Zweifel, dass Intellektualität vor allem eins ist: harte Arbeit. Er wirkt angenehm anachronistisch in einer Fernsehlandschaft, in der Dieter Bohlens Buch unter "Literatur" firmiert und Kultursendungen hauptsächlich dem Hochjubeln von Saisonsensationen und der Eigenvermarktung der Moderatoren dient.

Schon nach ein paar Sätzen spürt man, warum Scobel gern als "Musterschüler" verspottet wird. Er spricht viele Fußnoten. Sehr schön hat das der Dings in seinem Artikel über Dingenskirchen beschrieben. Oder: Das wissen wir ja seit Donnerlittchens Buch. Oder: Potztausend hat dazu auch was gesagt. Scobel ist belesen und bedacht, und so spricht er auch.

(...)Nun gehört Scobel nicht zu den Journalisten, die sich in eine Sache wie Kant mal ruckzuck einlesen und holterdipolter eine Sendung zusammenschustern. Scobel nimmt so etwas sehr ernst, zumal er Philosophie studiert hat - neben Theologie - und sich in so einem Heimspiel keine Blöße geben will. Natürlich ist er da auch auf der Suche nach dem neuen Kant, dem unbekannten Kant und dem Kant von heute.

Was Kulturjournalisten eben so draufhaben müssen. Für Scobel etwa ist das weit verzweigte Korrespondenznetz des Briefeschreibers Kant "eine Art Internet seiner Zeit." Pointierter: "Näher konnte man vor 200 Jahren der Idee des Internets nicht kommen." Aber das ist eben nicht nur Oberfläche. Kurzerhand vergleicht Scobel Kant und Wittgenstein und schleudert der Gegenwart quasi im Namen des Königsberger Philosophen eine fundamentale Kritik entgegen. "Wir handeln heute zwar nach einer Vernunft, aber es ist eine ökonomisch-instrumentelle Vernunft, und das ist nicht das, was Kant gemeint hat." Solche Sätze fabriziert er im Dutzend. Beinahe mühelos. "

Lesen Sie den ganzen Artikel unter

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/medien/?cnt=386711

Eine Kritik der ersten DELTA Sendung finden Sie in der Süddeutschen Zeitungvom 16.02. 2004 unter

http://www.sueddeutsche.de/sz/medien/red-artikel74/

 

Weiterlesen

  •    1

Informationen zum Artikel

RSS & Social Media

rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild

myreticon

E-Mail
Passwort Login

myreticon wird zum 30.06.2012 eingestellt, bitte sichern Sie Ihre Daten.

Infos & Hilfe | Registrieren

Kostenlose Newsletter

Wöchentliches Newsletter
Tägliche Medientipps

E-Mail:  

reticon-Quiz

Die Weisheit vom Menschen heißt
Ihre Antwort:
 

» Alle reticon Quiz-Fragen

Sprüche & Zitate

Die Gewohnheit ist wie eine zweite Natur.

Cicero