
"Das Leben ist noch verrückter als Scheiße" bringt Burt Young als Joe Minaldi in Sergio Leones Film "Once upon a time in america" die Dinge auf den Punkt.
An dieses Haiku muss man beim Sendekonzept der neuen KABEL 1-Show "Opas letzter Wille" denken: Opa lädt seine Familie vermeintlich für ein gemeinsames Wochenende ins abgelegene Schloss Schlemmin ein. Einmal dort angekommen, verkündet er seinen Lieben, dass er sein Testament plane. "Bis Sonntagabend wird er sich Gedanken über sein Testament machen, um es schließlich allen Anwesenden zu verkünden. Für die potenziellen Erben bedeutet das: sich in 48 Stunden bei Opa lieb Kind machen und die anderen ausstechen!" So KABEL 1.
Verschärft wird das Szenario durch die Präsentation des unehelich geborenen Sohnes, der den blutsverwandten Erbschleichern die Dividende zu schmälern droht. Jedoch handelt es sich bei dem verlorenen Sohn um einen Schauspieler.
Die Familienmitglieder werden per versteckter Kamera beobachtet: "- schließlich benötigt Opa Kriterien, anhand derer er entscheiden kann. Und sicher interessiert ihn auch, wie seine Lieben übereinander denken ...!" so der Sender.
Zusätzlich bekommt der Zuschauer kleine Video-Dossiers der Erbschaftsbewerber präsentiert: "was die lieben Verwandten nicht wissen: In den vergangenen Wochen wurde ihr Lebenswandel bereits mit versteckter Kamera festgehalten."
Der Sender war noch nie um bizarre Fernsehformate verlegen. Erst vor wenigen Wochen erregte die Sendung "The Judas Game" den Ärger des Zentralrats der Juden in Deutschland und trug den Machern eine Rüge der Landesmedienanstalt ein, woraufhin eiligst der Name in "J-Game" geändert wurde. Dies änderte jedoch nichts an den Quoten, die so schlecht waren, dass das Denunziationsspiel klammheimlich eingestellt wurde.
Gabriel Laub