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Das Leben der Anderen

reticon-Report von Martin Ragg -- [14.05.2006]

Das Leben der Anderen

Der großartige Film "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck wurde gestern abend mit insgesamt sieben Auszeichnungen im Rahmen des Deutschen Filmpreises geehrt. Florian Henckel von Donnersmarck schrieb das Drehbuch zu "Das Leben der Anderen" und führte auch Regie.

Wir haben uns den Film Anfang Mai im Kino angesehen, "Das Leben der Anderen" hebt sich deutlich von der "Ostalgie-Welle" ab.
Neben einer hintergründigen Geschichte sind es aber auch in erster Linie die hervorragenden Schauspieler, die den Film zu einem großen Ganzen werden lassen. Als Hauptdarsteller konnte von Donnersmarck Ulrich Mühe, Sebastian Koch und Martina Gedeck gewinnen.

Zur Geschichte
Der Film spielt Mitte der 80er Jahre in der DDR. Die zentrale Geschichte spielt um ein Künstlerpaar. Die Schauspielerin Christa Maria, gespielt von Martina Gedeck und der Schriftsteller Georg Dreymann - wunderbar dargstellt von Sebastian Koch.
Der Schriftsteller Dreymann gerät ins Visier der Staatssicherheit. Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler erhält den Auftrag den Künstler zu observieren. Diesen pflichtbewussten Genossen spielt Ulrich Mühe. An diesen drei zentralen Personen und Charakteren entfaltet sich die Geschichte. das Eindringen des Staates in das Privatleben mit Mikrofonen, die Wohnung wird verwanzt, Akten werden angelegt.

Ulrich Mühe wurde mit dem Deutschen Filmpreis für seine Darstellung des Stasi-Offiziers ausgezeichnet. Diese Figur wandelt sich in dem Film: Als linientreuer und grauer Gefolgsmann bekommt er durch die Überwachung Einblick in eine ihm unbekannte Welt, die ihn immer mehr fasziniert. Sein System verfolgt mit der Überwachung ganz unpolitische Interessen, gleichzeitig taucht er ein in Literatur und Theater.

Erschreckend und doch so realistisch ist, wie sich die Situationen immer mehr zuspitzen und es klarer wird, dass niemand den einmal rollenden Apparat aufhalten kann. Gerd Wiesler versucht die beiden zu decken und zu vertuschen, dass Dreymann einen Artikel für den Spiegel geschrieben hat, der sich mit der Selbstmordrate in der DDR auseinandersetzt. Aber letztendlich können alle drei nichts gegen ihre Vernichtung unternehmen, jeder zahlt einen hohen Preis. Die Handlung reicht bis in die Zeit nach der Wende, als Dreymann seine Stasiakten einsehen kann.
Wr verzichten auf weitere Details, um allen, die den Film noch nicht gesehen haben ein echtes Kinoerlebnis zu ermöglichen.

Faszinierend an dem Film ist, dass er keinem direkten Schwarz/Weiß-Schema folgt. Er folgt aber auch ganz eindeutig nicht der "Ostalgie"-Welle.

"Vielleicht muss man über das, was man fürchtete, erst einmal gründlich lachen, um die Angst-Dämonen zu vertreiben. Es kann sein, dass ein Film wie "Das Leben der Anderen" direkt nach der Wende zu schmerzlich, noch zu nah gewesen wäre für das Publikum." (Quelle: Sebastian Koch im Interview mit der Berliner Zeitung)
Der Film stellt viele Fragen, gibt aber nicht immer Antworten, sondern überlässt diese auch dem Zuschauer.
 
Für von Donnersmarck (Jahrgang 1973) ist es sein erster "richtiger" Kinofilm mit dem er gleich diesen großen Erfolg (Bestes Buch und Beste Regie) feiern konnte.

Und die Entstehung des Films war - so man dies von außen überhaupt beurteilen kann - nicht einfach. Florian Henckel von Donnersmarck schrieb insgesamt vier Jahre an dem Drehbuch. Aber das Drehbuch war so gut, dass er damit Schauspielgrößen wie Sebastian Koch, Ulrich Mühe und Martina Gedeck überzeugen konnte:
"Schauspieler sehnen sich nach Projekten, wo sie zeigen können, was in ihnen steckt. Dafür bringen sie auch Opfer, arbeiten für weniger Geld als sonst. Was wir unserem ganzen Ensemble bezahlt haben, ist vielleicht das, was ein Mühe, ein Koch, ein Tukur oder eine Gedeck sonst allein für einen Film bekommen." (Quelle: Florian Henckel von Donnersmarck im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk)

Wenn Sie die Möglichkeit haben, schauen Sie sich diesen Film im nächsten Kino an, es lohnt sich unserer Meinung nach.

Quellenangaben zu den Bildern
Alle Bilder sind Copyright Buena Vista, wir danken für die freundliche Unterstützung.

Ein letzter Nachschlag
Nach diesem Film bekommen die aktuellen Schlagzeilen einen etwas anderen Beigeschmack. Der BND bezahlte Journalisten dafür, Kollegen zu bespitzeln. Der US-Inlandsgeheimdienst NSA belauschte und protokollierte Millionen von Telefonaten der eigenen Mitbürger. Überwachung gibt es auch in unserer Demokratie - manchmal nicht legal und in Grauzonen aber immer häufiger auch ganz legal.
Keine Angst, ich möchte weder BND noch NSA mit der Stasi oder der Situation in der ehemaligen DDR gleichsetzen. Das Eindringen in das Privatleben breiter Bevölkerungsschichten findet bei uns nicht statt, aber so glatt und schön wie wir oft tun ist es hier nicht. Auch die Rechtfertigungen und Argumentation kommen manchmal allzu bekannt vor.

Weitere Informationen
Wir haben einige weitere Informationen für Sie zusammengestellt rund um den Film "Das Leben der Anderen"

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