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BND im Irak und ein enttarnter Agent

reticon-Report von Martin Ragg -- [18.01.2006]

Quer durch viele Internetseiten, Blogs und Mailinglisten wird momentan einerseits diskutiert wie weit Medien bei der Enttarnung von Agenten gehen dürfen und andererseits stellt sich die Frage, ob BND-Agenten wirklich ihr Privatleben im Internet präsentieren sollten.

Hintergrund
Seit Tagen wird sowieso über die Rolle des BND und der rot-grünen Regierung spekuliert. Anscheinend waren zwei BND Agenten zu Kriegszeiten in Bagdad. Welche Rolle sie dort hatten ist bislang ungeklärt - dafür gibt es um so mehr wilde Spekulationen., das reicht bis zu kriegsrelevanten Informationen und Zielen für die USA. In Berlin diskutiert man über einen Untersuchungsausschuss.

Schauplatz Internet
Ein Randschauplatz ist seit einigen Tagen auch das Internet. In dem Artikel "James Bond in Jeans und Weste" auf Spiegel Online wird über den privaten Internetauftritt eines der beiden BND-Agenten berichtet, der inzwischen wohl in der Botschaft in Australien beschäftigt ist.
Zwar nennt Spiegel Online nicht den echten Namen und hat etwas sehr eindeutige Screenshots der Webseite nach kurzer Zeit wieder entfernt - dennoch ist es für jeden, der "Google" schreiben kann nicht wirklich schwer anhand der gegebenen Informationen die Reste des Webauftritts im Google-Cache oder im Internet-Archive zu finden. Der echte Name begegnet einem dort dann ziemlich schnell.
Für den BND ist dies mehr als ärgerlich - für den Betroffenen und seine Familie zuletzt sogar gefährlich, gerade auch im Hinblick auf die Spekulationen um die Rolle des BND.

So stellt sich dann einerseits die Frage ob Medien einen Agenten enttarnen und damit "verbrennen" dürfen. Denn die Person steht ja eigentlich nicht im Vordergrund und hat nichts mit der Hauptdiskussion zu tun, hätte es also letztendlich nicht gereicht über den Vorfall "BND operierte in Bagdad" zu berichten?

Es stellt sich natürlich auch die Frage, ob BND-Agenten private Internetauftritte haben sollten - denn wie man sieht hat das Internet allen Unkenrufen zum Trotz ein langlebiges Gedächtnis und Informationen können schnell miteinander verknüpft werden.

Und nicht zuletzt zeigt das Internet neben den Recherchespielereien auch ein unangenehmes Gesicht (genau genommen nicht das Internet, denn das kann als Medium dafür nichts, sondern einige seiner Benutzer). So füllen sich jetzt verschiedene Foren und Gästebücher z.B. der Tochter mit wirklich hämischen und hässlichen Kommentaren, dort wird richtig "getrollt".

Zurück zu den wichtigen Fragen
Wir haben in diesem Artikel - entgegen unseren sonstigen Grundsätzen - auf Links weitgehend verzichtet. Wer den Drang verspürt seine Recherchequalitäten unter Beweis stellen zu müssen kann das ja dann anhand des Spiegel-Artikels tun.
Wichtiger wäre jedoch, sich wieder dem eigentlichen Thema anzunähern und zu fragen, was der BND denn nun genau in Bagdad gemacht hat, wer in Berlin davon wusste, wer wann was beauftragt hat. Und man mag vom BND halten was man will, der Mensch vor Ort in Bagdad hat eben "seinen Job" gemacht, die diskussionswürdigen Fragen sind aber an anderer Stelle angesiedelt.

 

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