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Blogs und ihre Bedeutung in den Medien

reticon-Report von Martin Ragg -- [15.09.2005]

[Update 15.09.2005 / 14:49] Dass Blogs (Weblogs) sich immer weiter etablieren ist kein großes Geheimnis. Ob sie die Medienwelt revolutionieren bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall trägt Google der Entwicklung Rechnung und bringt mit der Google-Blog-Suche eine Suchmöglichkeit, die aBlogs durchwühlt.

Was ist denn eigentlich ein Blog?

Blog ist erst einmal ein Kunstwort aus Web-Log, eine Art Internet-Tagebuch mit periodischen Einträgen. Der Betreiber eines Blogs wird dann auch kurz Blogger genannt.

Blogs sind in den letzten Monaten zu den unterschiedlichsten Themen aus dem Boden geschossen und sind inzwischen eine weit verbreitete Form, quasi ein öffentliches Tagebuch zu führen. Dank verschiedener Dienste ist es inzwischen für jeden möglich, sich mit wenigen Klicks „sein“ Blog einzurichten, man braucht keine Programmierkenntnisse, keinen eigenen Server – für den ersten Start gibt es genügend kostenlose Dienste.

Worüber wird gebloggt?

Thematisch findet man in Blogs so gut wie alles. Hier bildet sich Gesellschaft und die Interessen von Menschen ab. Der eine bloggt zu seinem Hobby, der nächste nutzt es als Möglichkeit, seine Sicht der Dinge zu präsentieren.

Grundsätzlich ist das nichts Neues: Das ist eine der Ursprungsideen, die dem Internet zu Grunde liegen. Tim Berners-Lee (einer der Internet-Väter) suchte eine Möglichkeit, um fernab von Verlagen und etablierten Strukturen mit anderen kommunizieren und veröffentlichen zu können.

Blogs gehen allerdings einen Schritt weiter. Sie ermöglichen die Diskussion zwischen Autor und Leser und auch den Lesern untereinander. Auch das ist eigentlich nichts Neues – jede Newsgroup, jedes Forum baut darauf auf. Nur ist es bei Blogs ganz einfach möglich.

Das Online-Tagebuch ist in gewisser Weise die konsenquente Fortsetzung der privaten Homepages, auf denen Anfang der 90er Kreti und Pleti sich und ihre Hobbys vorstellten. In Zeiten von Sex&theCity und zu Literatur hochgehypten Belanglosigkeiten erlebnisabstinenter Abiturienten, schreibt jeder sein Blog.

Einige Blogs wie z.B. "Greek Tragedy" der New Yorkerin Stephanie Klein sind regelrechte Stars. Laut Technorati, einem Web-Log-Tracker, steht Klein im Ranking der meistverlinkten Blogs auf Platz 2132. Gemessen an 13,8 Millionen Blogs weltweit und angesichts der Tatsache, dass die am häufigsten rezipierten Blogs meist politische und gesellschaftsrelevante Kommentare enthalten, ein beachtliches Ergebnis." (heise) Mittlerweile ist der Blog zu einem Buch und einer Sitcom verarbeitet worden.

Verändern Blogs die Medienwelt?

Diese Frage wird seit einiger Zeit teils heftig diskutiert. Grundsätzlich bieten Blogs jedem die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge darzustellen. Man muss kein professioneller Journalist sein, jeder und jede kann mit einem Blog direkt loslegen und Mitstreiter und andere Interessenten um sich versammeln. Bei vielen Blogs funktioniert das gut, es zeigt sich aber auch, dass wer gelesen werden will, auch gut schreiben muss. Das ist natürlich nicht nur Journalisten vorbehalten, aber zu guten Texten gehört einfach auch Zeit für die Recherche, Erstellung und Ausarbeitungund so ist in den USA ein Trend zu „Profi-Bloggern“ abzusehen.

Auf der anderen Seite ist die klassische Frage, ob die etablierten Medien durch Blogs Konkurrenz bekommen oder gar verdrängt werden, momentan nicht zu beantworten. Allerdings wurde diese Frage schon oft gestellt, man mag nur an die Interneteuphorie vor einigen Jahren zurückdenken. Da hieß es, dass jeder mit einer eigenen Homepage zum Produzenten wird, sich gesellschaftliche Öffentlichkeit ändern wird. Und viele legten los – und manches änderte sich zwar, aber die Revolution blieb dann doch aus. Die großen „Player“ der Offline-Welt wurden meist auch zu Playern der Online-Welt. In Ecken und Nischen konnten sich zwar durchaus alternative Seiten durchsetzen, viele groß gestarteten Angebote unterschätzten aber, dass man einen langen Atem braucht und konsequent publizieren muss, um Leser und damit Aufmerksamkeit zu behalten.

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch bei Blogs ab. Manches Blog verwaist schon, andere etablieren sich zunehmend. Blogs sind aber durchaus auch Foren für kreative Textproduktion, wie auch kritische Publizistik. So wurde der BILD-Zeitungskritische bild.blog dieses Jahr mit dem GRIMME ONLINE AWARD ausgezeichnet. Ein Blog begleitet medienkritisch die Arbeit von SPIEGEL-Online.

Momentan sind Blogs aber hoch im Kurs. Im Wahlkampf setzen die Parteien inzwischen auch auf Blogs. Man zweifelt zwar manchmal, ob sie dies nur tun, um „hip“ zu sein. Frank Patalong analysiert in SPIEGEL-Online die Bedeutung von Wahl-Blogs. Und Google zollt der gewachsenen Zahl an Blogs Rechnung und startet einen eigenen Such-Dienst für Blogs.

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