
Viele Studierende, die nach ihrem Abschluss einen Job bekommen, besetzen Stellen, die formal auf einen Inhaber eines bestimmten Universitätszertifikats ausgerichtet sind. In ihrer faktischen Tätigkeit wenden sie jedoch vorwiegend privat akkumuliertes Wissen an.
Sie arbeiten in ihren Jobs nicht weil sie das in der Universität Gelernte qualifiziert, sondern weil sie zu der notwendigen Bedingung des Hochschulabschluss die hinreichenden Zusatzbedingungen differenzierter, eigenständig erworbener (und oft teuer bezahlter) "Zusatzqualifikationen" beisteuern.
Das sind neben den notorischen "IT Kenntnissen" auch privat finanzierte Zusatzausbildungen (in Supervision, Gesprächsführung, systemische Familienberatung, PR- und Kulturmanagement, usw.).
Dass der Erwerb eines Hochschulabschlusses allein nicht ausreicht, sondern es v.a. die zusätzlich erworbenen Kenntnisse und Qualifikationen, die absolvierten Praktika sind, die den Erfolg beim Berufseinstieg bestimmen und dass jeder dies offen ausspricht, sollte zum Nachdenken über die Mängel akademischer Ausbildung oder die Schieflage der Konzeption universitärer Bildung in ihrem Anspruch (eben in Absehung von Verwertungsansprüchen Orientierungs- und nicht Anwendungswissen zu produzieren) und der Art wie sie genutzt wird, anregen.
Lesen Sie den Artikel von MUES/MÜLLER in der SZ unter
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel2076/
Oscar Wilde