reticon Wie kam es dann zu der Idee Alphabetisierung mit Computer und Internet zu verbinden?
Döbert Die
Teilnehmer schreiben in den Kursen sehr viele Texte. Da das
handschriftlich mit vielen Fehlern meist nicht so schön aussah, wollte
ich den PC einsetzen, um einfach schöne gedruckte Texte zu erstellen.
Bei Einführungswochenenden in die EDV habe ich gemerkt, dass die Arbeit
am Computer den Leuten sehr viel Spaß macht. Die Teilnehmer hatten viel
weniger Berührungsängste im Umgang mit den neuen Medien als ich sie
z.B. selber früher hatte. Die Teilnehmer sehen den PC als ein rein
technisches Gerät an, das für sie einen besonderen Service darstellt.
Die Männer sind zudem eher gewöhnt mit elektrischen Geräten umzugehen
als mit einem Kugelschreiber. Für Analphabeten ist der Computer eine
Erleichterung, was schriftsprachliches Handeln angeht, z.B: E-Mail ist
meist völlig regellos, man kann Fehler machen. Die Nutzer von E-Mails
schreiben einfach drauf los, man muss keine Form wahren, keine
Briefkopfnormen, Datum rechts etc. Man hat keine krakelige Handschrift,
man kann witzig gestalten und zum Schluss ausdrucken. Daraus entstand
die Idee, in einem Projekt, die Vorlieben der Lerner für den PC zu
nutzen. In dem E-Learning Projekt APOLL soll das Internet in den
Bereichen Kommunikation, Information und Service für die Lernenden, für
deren Trainer, aber auch für eine interessierte Öffentlichkeit genutzt
werden. Dabei entsteht auch eine Lernplattform, mit der funktionale
Analphabeten Lesen und Schreiben lernen können. Das ist der härteste
Brocken an dem Projekt. Aber die Arbeit geht voran. Analphabeten, die
bereits ein paar Übungen getestet haben, sind begeistert. Wer neugierig
ist, kann ja am 8.9. mal reinschauen. Dann nämlich wird www.ich-will-schreiben-lernen.de freigeschaltet.
reticon Vielen Dank für das Gespräch.
Blaise Pascal