
Im Karlsruher Schloss waren vom 13.12.2003 bis 14.03.2004 zum ersten
Mal drei Originalhandschriften des Nibelungenliedes ausgestellt.
Daten & Fakten zur Ausstellung:
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Schloss
76131 Karlsruhe
Tel.: 0721 / 926 6514
Fax: 0721 / 926 6537
info@landesmuseum.de
www.landesmuseum.de

Die Handschriften dienten als Ausgangspunkt einer Ausstellung rund
um das Leben im Mittelalter. Die Handschriften waren quasi der krönende
Abschluss - im Vorfeld wurde man umfassend über unterschiedliche
Aspekte des mittelalterlichen höfischen Lebens informiert.
Teile
aus dem Nibelungenlied wurden an verschiedenen Stationen aufgegriffen
und daran wurde nicht nur das Nibelungenlied selbst dem Besucher
nähergebracht, sondern auch Dinge wie Kleidung, Bewaffnung, Literatur
und Musik des Mittelalters.
Das Nibelungenlied, die mittelalterliche Dichtung, erzählt die Geschichte von Hagen, Siegfried und Kriemhild.
Im folgenden Artikel versuche ich einerseits einen Einblick in die
Ausstellung zu geben und gleichzeitig die Geschichte des
Nibelungenliedes kurz darzustellen - für alle, die sie nicht kennen
oder sich nicht mehr so genau erinnern. Zum Abschluss können Sie in
einem kleinen Quiz zeigen, ob Sie alles noch erinnern.
Das
Nibelungenlied ist in Mittelhochdeutsch verfasst und in Versen
geschrieben. In der Ausstellung finden Sie immer wieder auf Tafeln
Einführungen in das Mittelhochdeutsche. Dort werden einzelne Begriffe
vorgestellt und deren Bedeutung erläutert.
Das Nibelungenlied ist in zwei Teilen verfasst. Es existieren
heute verschiedene Quellen, ein Originial im wörtlichen Sinne ist nicht
mehr erhalten.
Im ersten Teil steht Siegfried im Mittelpunkt.
Siegfried, fast nicht verwundbar, nachdem er im Blut eines Drachen
gebadet hat, hält um die Hand Kriemhilds an. Er bekommt sie aber erst
zur Frau, nachdem er ihrem Bruder Gunther geholfen hat die Königin
Islands, die starke Brünhild, zu gewinnen.
Dies kann er mit Hilfe einer wunderbaren Eroberung, die Sie in nebenstehender Vitrine dargestellt sehen.
Genau: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Siegfried verfügt über eine
Tarnkappe, die es ihm ermöglich ungesehen den Wettkampf gegen Brünhild
für Gunther zu gewinnen kann. So findet man an einigen Stellen der
Ausstellung auch Exponate, die mit Humor und Witz auf die Geschichte
eingehen.
Siegfried besiegt also Brünhilde mit Hilfe der Tarnkappe. So gehört
es sich für einen echten Helden. Danach kommt es zu einer
Doppelhochzeit in Worms: Siegfried heiratet Kriemhild und Gunther
heiratet Brünhilde.
Ein kleiner Haken ist allerdings dabei, der
sich später auswirken wird - Siegfried siegt für Gunther nicht nur im
Kampf sondern auch im Bett gegen Brünhilde.
Siegfried erzählt
diesen Umstand Kriemhild, die es sich nicht nehmen lässt, das Geheimnis
der Tarnkappe Brünhilde weiterzuerzählen. Diese ist so erbost, dass sie
Hagen anstiftet, Siegfried zu ermorden. Damit Kriemhild erst gar nicht
an Rache denkt, wird auch noch ihr wertvollster Besitz, der
Nibelungenschatz im Rhein versenkt.
So endet der erste Teil des Nibelungenlieds.
Um auf die Ausstellung zurückzukommen: Hier wird anschaulich an
einigen Exponaten erklärt wie die Kunst des Schreibens- und
Bücherherstellens im Mittelalter funktionierte. Auch aus
Medienperspektive sehr interessant, handelt es sich doch bei den
Handschriften um Medien, die eine Zeit überdauert haben, von der
heutige CD-Roms nicht einmal träumen können. Falls Sie eine derartige
Zeit unbeschadet überstehen, wird es sicherlich kein Gerät mehr geben,
dass eine heutige CD noch abspielt.
Wie schwierig das Geschäft des Schreibens allerdings war, mag aus nachfolgendem Zitat hervorgehen:
O
glücklichster Leser, wasche Deine Hände und fasse das Buch an, drehe
die Blätter sanft, halte die Finger weit ab von den Buchstaben. Der,
der nicht weiß zu schreiben, glaubt nicht, daß dies eine Arbeit sei. O
wie schwer ist das Schreiben: Es trübt die Augen, quetscht die Nieren
und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, der
ganze Körper leidet.
Schreiber im 8. Jhd., Quelle: Nibelungenausstellung Karlsruhe
Im zweiten Teil des Nibelungenlieds geht die Geschichte blutig
weiter und schließlich auch blutig zu Ende - das nebenstehende Bild
verdeutlicht dies in der Ausstellung.
Kriemhild sinnt auf Rache.
Sie heiratet schließlich in zweiter Ehe König Etzel, den Hunnenkönig.
Sie zieht mit ihm von Worms nach Gran an die Donau. Nach mehreren
Jahren lädt sie ihre Brüder zu einem Fest an die Donau. Sie fordert von
den Burgundern, dass Hagen als Siegfrieds Mörder ausgeliefert wird.
Dies gelingt nicht und es kommt zu einem Kampf zwischen Hunnen und
Burgundern. In diesem Blutbad überleben nur Gunter und Hagen. Gunter
wird getötet und Kriemhild enthauptet selbst Hagen und wird
anschließend von Hildebrand getötet.

Innerhalb der Ausstellung gibt es 20 einzelne Stationen, die Elemente des Nibelungenlieds aufgreifen und verdeutlichen. Man erhält hier immer Zitate und bekommt diese im Zusammenhang erläutert.
Auf dieser Seite können Sie einen kleinen Blick auf zwei der
Handschriften werfen, die es am Schluss des Museums zu bewundern gibt.
Oben die Handschrift B und die Handschrift C. Die erhaltenen
Handschriften sind mit Groß- und Kleinbuchstaben bezeichnet. Dabei
stehen die Großbuchstaben für Handschriften auf Pergament,
Kleinbuchstaben für Überlieferungen auf Papier. Insgesamt gibt es 37
erhaltene Handschriften und Fragmente.
Im Rückblick handelt es sich um eine wunderbare Ausstellung, die nur
wenige Kritikpunkte zulässt. Es wird ein sehr guter Einblick in das
mittelalterliche (höfische) Leben gegeben. Interessanterweise wäre es
auch eine gute Ausstellung ohne den Höhepunkt - die Handschriften.
Diese verblassen sogar fast etwas in der Darstellung in ihrem separaten
Raum am Ende der Ausstellung.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass
die Auswirkungen des Nibelungenliedes, der jüngeren Vergangenheit nur
sehr am Rande behandelt werden. Wagner und der Nibelungenkult wirken
eher fremd und ungewollt in der Ausstellung.
Wer sich aber über das
Mittelalter informieren möcht,e ist in dieser Ausstellung genau richtig
- und das heißt auch Erwachsene und Kinder.
Wer die Chance noch nutzen möchte, bis Mitte März 2004 ist diese noch im Karlsruher Schloss zu besuchen.
Neil Postman