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„Uns ist in alten Mären ... Das Nibelungenlied und seine Welt“

reticon-Report von Martin Ragg -- [24.02.2004]reticon-Report

Im Karlsruher Schloss waren vom 13.12.2003 bis 14.03.2004 zum ersten Mal drei Originalhandschriften des Nibelungenliedes ausgestellt.
Daten & Fakten zur Ausstellung:
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Schloss
76131 Karlsruhe
Tel.: 0721 / 926 6514
Fax: 0721 / 926 6537
info@landesmuseum.de
www.landesmuseum.de


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Die Handschriften dienten als Ausgangspunkt einer Ausstellung rund um das Leben im Mittelalter. Die Handschriften waren quasi der krönende Abschluss - im Vorfeld wurde man umfassend über unterschiedliche Aspekte des mittelalterlichen höfischen Lebens informiert.
Teile aus dem Nibelungenlied wurden an verschiedenen Stationen aufgegriffen und daran wurde nicht nur das Nibelungenlied selbst dem Besucher nähergebracht, sondern auch Dinge wie Kleidung, Bewaffnung, Literatur und Musik des Mittelalters.

Das Nibelungenlied, die mittelalterliche Dichtung, erzählt die Geschichte von Hagen, Siegfried und Kriemhild.
Im folgenden Artikel versuche ich einerseits einen Einblick in die Ausstellung zu geben und gleichzeitig die Geschichte des Nibelungenliedes kurz darzustellen - für alle, die sie nicht kennen oder sich nicht mehr so genau erinnern. Zum Abschluss können Sie in einem kleinen Quiz zeigen, ob Sie alles noch erinnern.
Das Nibelungenlied ist in Mittelhochdeutsch verfasst und in Versen geschrieben. In der Ausstellung finden Sie immer wieder auf Tafeln Einführungen in das Mittelhochdeutsche. Dort werden einzelne Begriffe vorgestellt und deren Bedeutung erläutert.
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Das Nibelungenlied ist in zwei Teilen verfasst. Es existieren heute verschiedene Quellen, ein Originial im wörtlichen Sinne ist nicht mehr erhalten.
Im ersten Teil steht Siegfried im Mittelpunkt. Siegfried, fast nicht verwundbar, nachdem er im Blut eines Drachen gebadet hat, hält um die Hand Kriemhilds an. Er bekommt sie aber erst zur Frau, nachdem er ihrem Bruder Gunther geholfen hat die Königin Islands, die starke Brünhild, zu gewinnen.
Dies kann er mit Hilfe einer wunderbaren Eroberung, die Sie in nebenstehender Vitrine dargestellt sehen.
Genau: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Siegfried verfügt über eine Tarnkappe, die es ihm ermöglich ungesehen den Wettkampf gegen Brünhild für Gunther zu gewinnen kann. So findet man an einigen Stellen der Ausstellung auch Exponate, die mit Humor und Witz auf die Geschichte eingehen.

Siegfried besiegt also Brünhilde mit Hilfe der Tarnkappe. So gehört es sich für einen echten Helden. Danach kommt es zu einer Doppelhochzeit in Worms: Siegfried heiratet Kriemhild und Gunther heiratet Brünhilde.
Ein kleiner Haken ist allerdings dabei, der sich später auswirken wird - Siegfried siegt für Gunther nicht nur im Kampf sondern auch im Bett gegen Brünhilde.
Siegfried erzählt diesen Umstand Kriemhild, die es sich nicht nehmen lässt, das Geheimnis der Tarnkappe Brünhilde weiterzuerzählen. Diese ist so erbost, dass sie Hagen anstiftet, Siegfried zu ermorden. Damit Kriemhild erst gar nicht an Rache denkt, wird auch noch ihr wertvollster Besitz, der Nibelungenschatz im Rhein versenkt.
So endet der erste Teil des Nibelungenlieds.
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Um auf die Ausstellung zurückzukommen: Hier wird anschaulich an einigen Exponaten erklärt wie die Kunst des Schreibens- und Bücherherstellens im Mittelalter funktionierte. Auch aus Medienperspektive sehr interessant, handelt es sich doch bei den Handschriften um Medien, die eine Zeit überdauert haben, von der heutige CD-Roms nicht einmal träumen können. Falls Sie eine derartige Zeit unbeschadet überstehen, wird es sicherlich kein Gerät mehr geben, dass eine heutige CD noch abspielt.
Wie schwierig das Geschäft des Schreibens allerdings war, mag aus nachfolgendem Zitat hervorgehen:
O glücklichster Leser, wasche Deine Hände und fasse das Buch an, drehe die Blätter sanft, halte die Finger weit ab von den Buchstaben. Der, der nicht weiß zu schreiben, glaubt nicht, daß dies eine Arbeit sei. O wie schwer ist das Schreiben: Es trübt die Augen, quetscht die Nieren und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, der ganze Körper leidet.
Schreiber im 8. Jhd., Quelle: Nibelungenausstellung Karlsruhe

Im zweiten Teil des Nibelungenlieds geht die Geschichte blutig weiter und schließlich auch blutig zu Ende - das nebenstehende Bild verdeutlicht dies in der Ausstellung.
Kriemhild sinnt auf Rache. Sie heiratet schließlich in zweiter Ehe König Etzel, den Hunnenkönig. Sie zieht mit ihm von Worms nach Gran an die Donau. Nach mehreren Jahren lädt sie ihre Brüder zu einem Fest an die Donau. Sie fordert von den Burgundern, dass Hagen als Siegfrieds Mörder ausgeliefert wird. Dies gelingt nicht und es kommt zu einem Kampf zwischen Hunnen und Burgundern. In diesem Blutbad überleben nur Gunter und Hagen. Gunter wird getötet und Kriemhild enthauptet selbst Hagen und wird anschließend von Hildebrand getötet.


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Innerhalb der Ausstellung gibt es 20 einzelne Stationen, die Elemente des Nibelungenlieds aufgreifen und verdeutlichen. Man erhält hier immer Zitate und bekommt diese im Zusammenhang erläutert.

Auf dieser Seite können Sie einen kleinen Blick auf zwei der Handschriften werfen, die es am Schluss des Museums zu bewundern gibt. Oben die Handschrift B und die Handschrift C. Die erhaltenen Handschriften sind mit Groß- und Kleinbuchstaben bezeichnet. Dabei stehen die Großbuchstaben für Handschriften auf Pergament, Kleinbuchstaben für Überlieferungen auf Papier. Insgesamt gibt es 37 erhaltene Handschriften und Fragmente.
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Im Rückblick handelt es sich um eine wunderbare Ausstellung, die nur wenige Kritikpunkte zulässt. Es wird ein sehr guter Einblick in das mittelalterliche (höfische) Leben gegeben. Interessanterweise wäre es auch eine gute Ausstellung ohne den Höhepunkt - die Handschriften. Diese verblassen sogar fast etwas in der Darstellung in ihrem separaten Raum am Ende der Ausstellung.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Auswirkungen des Nibelungenliedes, der jüngeren Vergangenheit nur sehr am Rande behandelt werden. Wagner und der Nibelungenkult wirken eher fremd und ungewollt in der Ausstellung.
Wer sich aber über das Mittelalter informieren möcht,e ist in dieser Ausstellung genau richtig - und das heißt auch Erwachsene und Kinder.
Wer die Chance noch nutzen möchte, bis Mitte März 2004 ist diese noch im Karlsruher Schloss zu besuchen.

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